Die Prowadija () ist ein Fluss in Nordostbulgarien. Der Name leitet sich vom griechischen Wort πρόβατο (provato) für „Schaf“ ab, der mittelalterliche bulgarische Name entspricht diesem direkt und ist abgeleitet aus овца (ovtsa) mit derselben Bedeutung.
Verlauf Die Quelle der Prowadija liegt am Osthang eines Sattels zwischen einer 486,8 Meter hohen Kuppe im Süden und einer 498,5 Meter hohen Erhebung im Norden in den Samuilow-Hügeln der Ludogorie-Hochebene in Höhe, etwa 2,3 Kilometer westnordwestlich des Dorfes Boian (Боян) in der Gemeinde Venets rund 24 Kilometer ostsüdöstlich von Rasgrad. Sie fließt von dort in südöstlicher Richtung in einem breiten Tal zwischen der Prowadija-Hochebene im Südwesten, dem Stana-Plateau im Norden und der Dobrinsko-Hochebene im Osten. Zwischen den Städten Kaspitschan und Prowadija verengt sich das Flusstal und wird schluchtartig. Unterhalb von Prowadija bildet der Fluss einen großen, nach Süden geschwungenen Bogen, wendet sich dann nach Norden und schließlich nach Nordosten, bevor er etwa 2,9 Kilometer nordöstlich des Dorfes Rasdelna auf Meereshöhe in den Beloslaw-See mündet. Die Prowadija ist mit einer Länge von 119 Kilometern der 22.-längste Fluss des Landes.
Durch das Flusstal verläuft die Bahnstrecke Warna–Ruse.
Hydrologie und Fauna mini|links|Pegel Sindel mit zerstörter Kontrollbrücke nach dem Hochwasser im Februar 2015 Das Einzugsgebiet der Prowadija erstreckt sich über knapp 2.132 Quadratkilometer und grenzt im Norden an die Flusssysteme des Kanagjol, der Suha und der Batowa sowie im Süden an die Kamtschija. Sie wird sowohl durch Regen als auch durch Schnee gespeist. Hochwasser herrscht in der Regel im Februar/März, dagegen Niedrigwasser im August/September. Der mittlere jährliche Abfluss beträgt 2,4 m³/s am Pegel Sindel ().
Seltene, in anderen bulgarischen Flüssen fast nicht vorkommende Fischarten in der Prowadija sind: Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus), im Bulgarischen Kedrinka genannt Kaukasus-Grundel (Knipowitschia caucasica) Langschwanzgrundel (Knipowitschia longicaudata)
Geschichte Ursprünglich mündete die Prowadija nach rund 142 Kilometern südlich der Innenstadt von Warna in das Schwarze Meer. Dazu durchfloss sie damals noch den Beloslaw-See, danach durch einen etwa 3 Kilometer langen Flussabschnitt, dann durch den Warna-See und durch den etwa 2 Kilometer breiten Sandstreifen, der diesen See vom Meer trennt.
Nach dem Bau des modernen Hafens (heute Hafen Warna-Ost) wurde das natürliche Flussbett trockengelegt und die Prowadija in einen zwischen 1906 und 1909 gebauten Kanal (heute „Alter Kanal“) verlegt. Bis 1923 wurde auch der Flussabschnitt zwischen Beloslaw und Straschimirowo kanalisiert. Seit die Prowadija Anfang der 1970er Jahre unterhalb ihrer Mündung in den Beloslaw-See vollends zu einer Seeschifffahrtsstraße mit mindestens 160 Metern Breite und 12 Metern Tiefe ausgebaut wurde, ist ihr Ästuar in den See offizielle Mündung und damit Endpunkt des Flusses.
Während des Frühjahrhochwassers im Februar 2015 überflutete die Prowadija weite Teile ihres Tales und beschädigte zahlreiche Brücken. Auch die Kleinstädte Kaspitschan und Prowadija verzeichneten massive Schäden.
Weblinks
Topographische Karte 1:100.000 des Quellgebietes Topographische Karte 1:100.000 des Abschnittes Kaspitschan–Prowadija
Einzelnachweise
Kategorie:Fluss in Europa Kategorie:Fluss in Bulgarien Prowadija Kategorie:Geographie (Oblast Schumen) Kategorie:Geographie (Oblast Warna)