Ingo Wilhelm Mussi (* 25. August 1935 in Darmstadt; † 31. März 2012) war ein österreichischer Diplomat. Er war Botschafter Österreichs in Israel (1976–1981) und Schweden (1986–1989).
Leben und Wirken Nach Abitur 1953 am Bundesgymnasium in Klagenfurt, Politikstudien in Wien und GeorgetownMussi, Ingo (Dr.) in: Who‘s who in Austria" 1982, S. 510 promovierte er 1958 in Wien zum Dr.phil. mit dem Thema: Der amerikanische Neger und seine Zeitung.
Ab 1960 war er im Bundeskanzleramt in Wien tätig und wurde in den Sechzigerjahren unter anderem als Kultur- und Presseattache der Botschaft in den USA eingesetzt. 1971 wechselte er ins Außenministerium, war 1972 bis 1973 Pressesprecher von Bundeskanzler Kreisky und anschließend Erster Zugeteilter an der Botschaft in London, bevor er bereits mit 41 Jahren zum Botschafter in Israel ernannt wurde. Mussi galt als Vertrauensmann von Bundeskanzler Kreisky. In Mussis Dienstzeit in Israel fallen Ereignisse, welche die Geschichte des Nahen Ostens nachhaltig veränderten, u. a. der Machtwechsel von der Arbeiterpartei zum Likud, was zum forcierten Siedlungsbau in den besetzten Gebieten führte, die Friedensinitiative von Ägyptens Präsident Sadat mit dessen Besuch in Jerusalem 1977, und der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel 1979. Mussis Berichte, die den Nahostkonflikt und die innenpolitische Lage in Israel während seiner Amtszeit dokumentierten, wurden 2016 in einer ausführlichen Edition veröffentlicht.Rolf Steininger, Rudolf Agstner (Hrsg.): Israel und der Nahostkonflikt 1976 - 1981. Berichte des österreichischen Botschafters Dr. Ingo Mussi, innsbruck university press, Innsbruck 2016, ISBN 978-3-902936-89-9 Die Entwicklung in Israel betrachtete Mussi mit zunehmender Skepsis. Besonders die wenig überzeugenden Autonomieplanungen für die Palästinenser und die Siedlungspolitik Israels ließen ihn „Gefahren am Horizont“ für Israels Demokratie befürchten.
Nach einer weiteren Episode als Abteilungsleiter im Außenministerium wurde Mussi von 1985 bis 1990 Botschafter in Schweden, war anschließend wieder zwei Jahre in der Zentrale in Wien tätig und zuletzt von 1992 bis 1997 Generalkonsul in Triest, eine nicht unübliche Funktion, mit denen frühere Botschafter in den Ruhestand verabschiedet wurden.
Mussi legte den Schwerpunkt seiner Tätigkeit häufig auf Aktivitäten im kulturellen Bereich.Susan Soyinka: Albert Reuss in Mousehole: The Artist as Refugee. Sansom and Company, Bristol 2017, ISBN 978-1-911408-16-1, S. 167–182. Bereits 1962 unterstützte er die erste Ausstellung „junger Kunst“ aus Österreich in Washington, und auch in Israel war es ihm ein besonderes Anliegen, die Beziehungen „durch starke kulturelle Präsenz“ zu verbessern,Barbara Taufer: Die Rose von Jericho Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1994, ISBN 978-3-7046-0525-2, S. 174 nicht selten unterstützt von seinem auch privaten Engagement.
Veröffentlichungen Ingo Mussi: Bruno Kreisky und der schöpferische Dialog mit den Vereinigten Staaten, in Erich Bielka, Peter Jankowitsch, Hans Thalberg (Hrsg.): Die Ära Kreisky: Schwerpunkte der österreichischen Außenpolitik, Europaverlag Wien 1983 S. 117–142, ISBN 978-3203508184 Ingo Mussi: Grundlagen der österreichischen Europapolitik, Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1983, ISBN 978-3-7028-0216-5 Rolf Steininger, Rudolf Agstner (Hrsg.): Israel und der Nahostkonflikt 1976–1981. Berichte des österreichischen Botschafters Dr. Ingo Mussi, innsbruck university press, Innsbruck 2016, ISBN 978-3-902936-89-9
Einzelnachweise
Kategorie:Österreichischer Botschafter in Israel Kategorie:Österreichischer Botschafter in Schweden Kategorie:Botschafter (Republik Österreich) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Gestorben 2012 Kategorie:Mann