miniatur|Palazzo Alicorni in Rom (Neubau am Borgo Santo Spirito aus dem Jahre 1938) Der Palazzo Alicorni ist ein Renaissancepalast aus dem 16. Jahrhundert in Rom in der italienischen Region Latium. Er liegt im Viertel Borgo im Borgo Santo Spirito, 78. Der Palast, der ursprünglich nur wenige Meter von den Kolonnaden Berninis am Petersplatz entfernt lag, wurde 1928 vollständig restauriert, aber bereits 1931 im Zuge der Grenzfestlegung des 1929 gegründeten Vatikanstaates abgerissen. Mehrere Jahre später wurde er im Rahmen des Baus der Via della Conciliazione etwa 100 Meter weiter östlich neu errichtet.
Lage Die Hauptfassade des Palastes liegt praktisch gegenüber der Fassade des Palazzo del Commendatore, der Teil des Komplexes des Ospedale di Santo Spirito in Sassia ist. Auf der Westseite teilt die kurze Via Scossacavalli den Palazzo Alicorni vom Palazzo dei Penitenzieri, ebenfalls einem bemerkenswerten Renaissancegebäude, ab. Auf der Ostseite grenzt das Gebäude an die kurze Via dell’Ospedale, deren Name an das abgerissene Ospedale di San Carlo erinnert.
Geschichte miniatur|Ursprüngliche Lage des Palazzo Alicorni (Nr. 1258) gegenüber der südlichen Kolonnade des Petersdoms nach: Giambattista Nolli: Nuova Topografia di Roma (1748). Die Alicorni, eine albanische Familie, waren in der Regierungszeit von Papst Pius II. (1458–1464) wegen des osmanischen Vormarsches in ihrem Land aus diesem geflohen. Familienmitglieder ließen sich zuerst in Mailand nieder, später in Pavia, Forlí und schließlich in Rom. Einige von ihnen stiegen zu hohem gesellschaftlichen Rang auf, teilweise dank diverser Einheiraten in italienische Adelsfamilien: Darunter waren die Trivulzio und die Pusterla in Mailand und die Capranica in Rom. Messer Traiano (auch Trajano) Alicorni, Konservator (einer der drei Berater) der Stadt und erster Kämmerer des Papstes, ließ seinen Palast im Borgo Anfang des 16. Jahrhunderts errichten. Die Hauptfassade des Palastes lag ursprünglich an der Straße Borgo Vecchio. Zwei Pensionen namens Locanda del Leopardo und Locanda dell’Inferno mussten abgerissen werden, um für das neue Gebäude Platz zu schaffen. Trajano Alicorni hinterließ zwei Söhne, Giovanni Battista und Fabio, die beide vom Papst zu Rittern ernannt wurden. Am 3. Juli 1584 verkaufte Giovanni Battista Alicorni den Palast an den französischen Kardinal Matteo Contarelli, den Datarie von Papst Gregor XIII. (1572–1585). Einige Monate nach dem Tod des Prälaten fiel der Palast an dessen Neffen Francesco Cointrel. Später wurde die Immobilie erneut verkauft und die neuen Besitzer vernachlässigten das Gebäude, das so zu einer Ruine verfiel. 1667 machte die Errichtung der Kolonnade am Petersplatz durch Gian Lorenzo Bernini den Abriss des letzten Blocks von Häusern (Isola) vor dem neuen Platz notwendig: Dieser wurde „Isola del Priorato“ genannt, seit in einem der Häuser das Priorato dei Cavalieri di Rodi untergebracht war. Nach der Anlage des neuen Platzes befand sich der Palast an einer unpassenden Stelle unweit der südlichen Kolonnade und auf drei Seiten isoliert, die Piazza Rusticucci (das neue Vestibül des Petersplatzes, das durch den Abriss des Viertels geschaffen worden war) im Norden, die Via Sant’Uffizio im Westen und eine kurze, gewundene Gasse namens Vicolo di Messer Traiano im Osten.
Bis 1850 war der Palast Sitz der Guardia Civica von Rom, dann fusionierte diese mit einer anderen Miliz und bildete mit ihr die Guardia Palatina. Aus diesem Grunde hieß der Palast auch „Palazzo della Gran Guardia“. 1860 wurden weitere Gebäude um den Palast errichtet, die die hintere Gasse integrierten und das Gebäude bedrängten. Der Generalbebauungsplan von Rom aus dem Jahr 1882 sah den Abriss des Palazzo Alicorni vor. Aber 1888 kaufte ihn die Stadt Rom stattdessen und sah seine Verwendung als Grundschule vor. 1928 bat die Statthalterei Rom den Architekten Adolfo Pernier, das Gebäude zu restaurieren, das für das Heilige Jahr 1925 gelb gestrichen wurde.
Der Architekt restaurierte den Palast nach einer sorgfältigen Bestandsaufnahme und brachte ihn in seinen ursprünglichen Zustand zurück, in dem er sich Anfang des 16. Jahrhunderts befunden hatte; alle späteren Anbauten, einschließlich des langen Balkons an der Via del Sant’Uffizio, wurden beseitigt. Aber nur drei Jahre später, nach der Unterzeichnung der Lateranverträge, musste das Gebäude wegen der geänderten Festlegung der Grenze zwischen dem Königreich Italien und dem Vatikanstaat abgerissen werden. 1938 wurde der Palazzo Alicorni unter Leitung der Architekten Attilio Spaccarelli und Marcello Piacentini (den Projektanten der Via della Conciliazione) am Borgo Santo Spirito, fast gegenüber dem Palazzo del Commendatore, einem Teil des Ospedale di Santo Spirito in Sassia, wiederaufgebaut.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war in dem neuen Palast die Confcooperative (Confederazione cooperative italiane), die Vereinigung katholischer Kooperativen in Italien, untergebracht, später wurde er für viele Jahre zu einem Hotel, dem „Hotel Pensione Alicorni“. Seit 2015 residiert dort die UCID (Unione Cristiana Imprenditori Dirigenti), ein Verband katholischer Unternehmer.
Beschreibung miniatur|Palazzo Alicorni an seinem ursprünglichen Standort vor der Restaurierung 1928, aufgenommen von Nordosten (Standort des Fotografen: Piazza Rusticucci, heute Piazza Pio XII) Das ursprüngliche Gebäude ist durch Aufnahmen aus dem Jahre 1927 dokumentiert, die den Zustand vor der Restaurierung durch Pernier zeigen. Sie wurden vom Istituto Luce, einer von Mussolini gegründeten Propagandainstitution, angefertigt. Das Gebäude hatte drei Stockwerke, die durch Gesimse voneinander getrennt waren, und eine Hauptfassade, zunächst am Borgo Vecchio und nach 1667 an der Piazza Rusticucci, mit fünf Fenstern, einen Innenhof und ein Portal mit Bossenwerk. Die Fassade war durch Eckbänder gekennzeichnet, die mit starkem Bossenwerk verstärkt waren. Die Fenster im Erdgeschoss sprangen auf kleinen Konsolen etwas vor und trugen Kronen in einem Stil ähnlich dem am Erdgeschoss des Palazzo Massimo di Pirro im Viertel Parione, der im selben Jahr errichtet worden war.
Der Innenhof hatte einen quadratischen Grundriss mit übereinander angeordneten Ordnungen und war vom Impluvium eines römischen Hauses inspiriert. Die erste Ordnung bestand aus zwei Bogenvorhallen mit dorischen Säulen und die zweite und dritte aus zwei offenen Galerien mit einem Architrav darüber. Letzterer wurde durch ionische Säulen getragen und war mit dem Wappen der Alicornis (einem silbernen Einhorn mit einem goldenen Horn auf einem grünen Feld) verziert, das auf den Säulen der Balustrade im ersten Obergeschoss eingemeißelt war, ebenso wie auf den korinthischen Pilastern im zweiten Obergeschoss.
Bei seiner Restaurierung 1928 ließ Adolfo Pernier all diese Elemente wiederherstellen, die auch beim Neubau des Gebäudes am Borgo Santo Spirito erhalten wurden. Auch die Rahmen der Türen zum Innenhof und der Fenster wurden erneut eingebaut, aber sowohl das vergoldete Fries der Schlafgemächer im Stile des 16. Jahrhunderts mit Grotesken, durchsetzt mit Landschaften, gestaltet nach der Schule von Taddeo und Federico Zuccari, als auch die Holzdecke des Fürstensaals gingen verloren. Beim Wiederaufbau 1938 gingen auch andere Elemente verloren, die dem Palast eine originelle „wehrhafte“ Wirkung verliehen, wie die Eisengitter, die die Fenster im Erdgeschoss schützten, die Schießscharten, (die einst vom Vicolo di Messer Traiano aus sichtbar waren) und die zwei Geheimtreppen aus Peperino mit Tageslicht versorgten, und Wachtürme auf dem Dach. Laut Pernier stützten all diese Elemente die Annahme, dass ein Militärarchitekt einst den Palast entworfen hatte.
Dieser wurde nach der stilistischen Analyse des Gebäudes als Giovanni Mangone identifiziert, ein lombardischer Architekt, der in Caravaggio geboren und in Rom in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts beschäftigt war; das einzige Werk in dieser Stadt, das ihm mit Sicherheit zugeschrieben wird, ist der Palast von Angelo Massimo (bekannt als Palazzo Massimo di Pirro) in der Nähe der Piazza Navona.
Einzelnachweise Laura Gigli: Guide rionali di Roma. Band III: Borgo. Fratelli Palombi, Rom 1992. ISSN 0393-2710. Vordere Umschlagseite. Laura Gigli: Guide rionali di Roma. Band I: Borgo. Fratelli Palombi, Rom 1990. ISSN 0393-2710. S. 86.
Laura Gigli: Guide rionali di Roma. Band III: Borgo. Fratelli Palombi, Rom 1992. ISSN 0393-2710. S. 142.
Umberto Gnoli: Alberghi ed osterie di Roma nella Rinascenza. Maglione, Rom 1942. S. 95. Umberto Gnoli: Alberghi ed osterie di Roma nella Rinascenza. Maglione, Rom 1942. S. 99.
Laura Gigli: Guide rionali di Roma. Band III: Borgo. Fratelli Palombi, Rom 1992. ISSN 0393-2710. S. 144.
Ferdinando Castagnoli, Carlo Cecchelli, Gustavo Giovannoni, Mario Zocca: Topografia e urbanistica di Roma. Capelli, Bologna 1958. S. 442. Mariano Borgatti: Borgo e S. Pietro nel 1300 – 1600 – 1925. Federico Pustet, Rom 1926. S. 164.
Laura Gigli: Guide rionali di Roma. Band III: Borgo. Fratelli Palombi, Rom 1992. ISSN 0393-2710. S. 146.
Quellen Mariano Borgatti: Borgo e S. Pietro nel 1300 – 1600 – 1925. Federico Pustet, Rom 1926.
Giuseppe (Ceccarius) Ceccarelli: La „Spina“ dei Borghi. Danesi, Rom 1938. Umberto Gnoli: Alberghi ed osterie di Roma nella Rinascenza. Maglione, Rom 1942. Ferdinando Castagnoli, Carlo Cecchelli, Gustavo Giovannoni, Mario Zocca: Topografia e urbanistica di Roma. Capelli, Bologna 1958. Anna Cambedda: La demolizione della Spina dei Borghi. Fratelli Palombi, Rom 1990. ISSN 0394-9753. Laura Gigli: Guide rionali di Roma. Band I: Borgo. Fratelli Palombi, Rom 1990. ISSN 0393-2710. Laura Gigli: Guide rionali di Roma. Band III: Borgo. Fratelli Palombi, Rom 1992. ISSN 0393-2710.
Weblinks
Alicorni Palazzo Alicorni Alicorni, Palazzo Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert Kategorie:Erbaut in den 1930er Jahren Kategorie:Versetztes Bauwerk in Italien