mini|Reales BIP-Wachstum Deutschlands im Vergleich zu den Industrieländern und weltweit (2020–2025)

Die deutsche Wirtschaftskrise bezeichnet einen wirtschaftlichen Abschwung in Deutschland, der eine Abkehr von der vorherigen Phase des sogenannten „Arbeitsmarktwunders“ zwischen 2005 und 2019 darstellte. Das Land, das über Jahrzehnte als wirtschaftlicher Motor Europas galt, war 2023 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,9 % am stärksten schrumpfende große Volkswirtschaft der Welt. 2024 schrumpfte die Wirtschaft um weitere 0,5 %, sodass Deutschland in eine Rezession geriet. 2025 verzeichnete die deutsche Wirtschaft hingegen wieder ein leichtes Wachstum. Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2026 ein Wachstum von 0,8 %. Mehrere Ökonomen, Vertreter der Wirtschaft und andere Experten warnten, Deutschland könne infolge des Abschwungs erneut den Ruf des „kranken Mannes Europas“ erhalten, der dem Land bereits in den 1990er Jahren zugeschrieben worden war.

Der Rückgang wurde auf mehrere Faktoren zurückgeführt. Dazu zählten eine vor 2022 nur unzureichend vorangetriebene Diversifizierung der Energieversorgung, die zu höheren Energiepreisen beitrug – unter anderem im Zusammenhang mit dem vollständigen Wegfall russischer Gasimporte ab 2022, dem Atomausstieg mit der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke im Jahr 2023, dem langsamen Fortschritt der Energiewende sowie gestiegenen Kosten für fossile Brennstoffe im Rahmen der globalen Energiekrise ab 2021; eine vergleichsweise geringe Produktivität infolge der schleppenden Digitalisierung; Fiskalpolitik in Deutschland, insbesondere die Schuldenbremse, der erfolgreiche Antrag der CDU/CSU beim Bundesverfassungsgericht gegen einen Klimafonds in Höhe von 60 Milliarden Euro sowie die anschließenden innerkoalitionären Konflikte im Kabinett Scholz, die wirtschaftliche Impulse erschwerten; globale Nachfrageverschiebungen, die die exportorientierte deutsche Wirtschaft belasteten, während eine durch höhere Reallöhne gestützte Binnennachfrage wegen der hohen Lebenshaltungskosten nur verzögert einsetzte; sowie ein Fachkräftemangel infolge demografischer Entwicklungen wie der Alterung der Bevölkerung, einer geringen Erwerbsbeteiligung von Frauen und einer nachlassenden Zuwanderung nach Deutschland.

Die Krise hatte auch erhebliche gesellschaftliche Folgen. Dazu zählten stark gestiegene Lebenshaltungskosten. Zugleich trug sie wesentlich zum Scheitern der Bundesregierung im Jahr 2024 und zu einer deutlichen Veränderung der politischen Kräfteverhältnisse bei: Die traditionell dominierenden Parteien, darunter die von Bundeskanzler Olaf Scholz geführte Ampelkoalition, verloren stark an Zustimmung. Populistische Bewegungen wie die rechte Alternative für Deutschland, Die Linke und das Bündnis Sahra Wagenknecht gewannen hingegen an Rückhalt.

Hintergrund Zwischen 2005 und 2019 durchlief Deutschland eine Phase wirtschaftlicher Stärke, die oft als „Arbeitsmarktwunder“ bezeichnet wurde. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg in diesem Zeitraum um mehr als 15 %, nämlich von 39,3 Millionen auf 45,3 Millionen. Zusammen mit niedrigen Zinsen, geringer Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Stabilität trug diese Entwicklung dazu bei, Deutschland für Unternehmen und Investoren attraktiv zu machen. Ein Teil des deutschen Wirtschaftswachstums beruhte dabei auf der zunehmenden Abhängigkeit von günstigen Erdgasimporten aus Russland. Mehr als die Hälfte der deutschen Gasimporte stammten bis 2022 aus Russland.

Am 8. März 2022 kündigte US-Präsident Joe Biden in Folge des russischen Überfall auf die Ukraine ein Verbot russischer Ölimporte an. Er erklärte, die Vereinigten Staaten würden alle Importe russischer Öl- und Gasenergie untersagen; russisches Öl werde damit in US-Häfen nicht mehr zugelassen, und das amerikanische Volk werde Putins Kriegsmaschinerie einen weiteren schweren Schlag versetzen. Der deutsche Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck warnte, falls Deutschland im folgenden Winter nicht mehr Gas beschaffe und die Lieferungen aus Russland gekürzt würden, reiche das Gas nicht aus, um alle Häuser zu heizen und zugleich die gesamte Industrie am Laufen zu halten.

Am 7. März 2022 widersetzte sich Bundeskanzler Olaf Scholz Forderungen aus den Vereinigten Staaten und der Ukraine, Deutschland solle sich rasch von russischen Öl- und Gasimporten unabhängig machen. Er begründete dies damit, dass Europas Versorgung mit Energie für Wärme, Mobilität, Strom und Industrie auf anderem Wege nicht gesichert werden könne. Die Europäische Union (EU) erklärte hingegen, sie wolle ihre Abhängigkeit von russischem Gas noch im Jahr 2022 um zwei Drittel reduzieren.

Im September 2022 warf Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck den Vereinigten Staaten und anderen „befreundeten“ Erdgaslieferländern vor, sie profitierten mit „astronomischen Preisen“ vom russisch-ukrainischen Krieg. Er rief die USA dazu auf, ihre von der Energiekrise belasteten Verbündeten in Europa stärker zu unterstützen. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten trugen zu steigenden Ölpreisen bei; Brent-Rohöl-Futures stiegen auf 80 US-Dollar pro Barrel.

Krise mini|Inflation in Deutschland (2021–2024) Deutschland geriet 2023 in eine Rezession. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte sowohl im vierten Quartal als auch im Gesamtjahr um 0,3 %, wodurch Deutschland in diesem Jahr zur schwächsten großen Volkswirtschaft weltweit wurde. Für 2024 wurde prognostiziert, dass Deutschland – abgesehen vom Vereinigten Königreich – langsamer wachsen werde als alle OECD-Mitgliedstaaten. Ökonomen machten hierfür vor allem die westlichen Sanktionen gegen Russland nach dessen Angriff auf die Ukraine verantwortlich, durch die Deutschland von einem erheblichen Teil seiner bisherigen Energieversorgung mit günstigem russischem Erdgas abgeschnitten wurde. Die Folge waren Energieengpässe und Preissteigerungen, die zahlreiche Wirtschaftsbereiche belasteten – von kleinen lokalen Betrieben bis hin zu großen Industrieprojekten. Deutschland war 2023 die einzige Volkswirtschaft der G7, deren Wirtschaftsleistung zurückging. Die jährliche Inflationsrate lag 2022 bei 6,9 %, sank bis 2025 jedoch auf 2,2 %.GENESIS-Online: Verbraucherpreisindex: Deutschland, Jahre Der private Konsum ging um 0,8 % zurück. Carsten Brzeski, globaler Leiter der Makroanalyse der niederländischen Bank ING, sah für Deutschland 2024 ein hohes Rezessionsrisiko und erwartete kurzfristig keine Erholung. Eine solche Entwicklung hätte die erste zweijährige Rezession Deutschlands seit 2004 bedeutet. Ökonomen beschrieben die deutsche Wirtschaft als in einem „permanenten Krisenmodus“ befindlich.

2024 befand sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Rezessionsjahr in Folge. Habeck kündigte an, dass für das Gesamtjahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 % gerechnet werde; damit wurde die frühere Prognose eines Wachstums von 1,3 % für 2024 deutlich nach unten korrigiert. Er verwies darauf, dass Deutschland bereits seit 2018 nur noch ein schwaches Wachstum verzeichne, verursacht durch eine Mischung aus inneren strukturellen Problemen und äußeren globalen Herausforderungen. Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft wurde als zwischen China und den Vereinigten Staaten „eingezwängt“ beschrieben, weshalb eine Neubewertung der wirtschaftspolitischen Strategie erforderlich sei. Der Ankündigung war ein Rückgang um 0,1 % im vorangegangenen Zeitraum vorausgegangen; zugleich war für Deutschland im fünften Quartal in Folge kein Wachstum verzeichnet worden. Unter den G7-Staaten wurde Deutschland für 2024 das geringste Wachstum prognostiziert.

Bundeshaushalt Am 15. November 2023 begann eine Krise des Bundeshaushalts für das Haushaltsjahr 2024, nachdem das Bundesverfassungsgericht die Umwidmung von 60 Milliarden Euro aus nicht ausgeschöpften Kreditermächtigungen zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie in den Klima- und Transformationsfonds für verfassungswidrig erklärt hatte. Der Klima- und Transformationsfonds war für zentrale Vorhaben der Ampelkoalition sowie für die deutschen Pläne zur Klima- und Energiewende von erheblicher Bedeutung. Die Entscheidung entzog der Finanzplanung der Bundesregierung einen wesentlichen Teil ihrer vorgesehenen Mittel.

Die Krise des Bundeshaushalts wurde durch Meinungsverschiedenheiten darüber verschärft, ob und wie die Schuldenbremse umgangen oder erneut ausgesetzt werden könnte. Die Schuldenbremse ist eine 2009 eingeführte Fiskalregel, die die strukturelle Nettokreditaufnahme des Bundes grundsätzlich auf 0,35 % des Bruttoinlandsprodukts begrenzt und auch den Ländern enge Grenzen für neue Schulden setzt. Obwohl sie als zentraler Bestandteil der deutschen Finanzpolitik gilt, wurde sie seit ihrer Einführung wiederholt durch Sonderregelungen, Sondervermögen oder Ausnahmetatbestände relativiert. Frühere Bundesregierungen fanden Wege, zusätzliche Ausgaben außerhalb des regulären Bundeshaushalts zu finanzieren, etwa durch Sondervermögen für Flüchtlingskosten im Jahr 2017 oder durch die Aussetzung der Schuldenbremse während der COVID-19-Pandemie und infolge des Ukrainekriegs. Bis 2023 gab es etwa 29 solche Fonds oder Sondervermögen außerhalb des Bundeshaushalts.

Nach intensiven Verhandlungen einigte sich die Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz im Dezember 2023 auf einen Kompromiss. Dieser hielt für das Haushaltsjahr 2024 an der Schuldenbremse fest, verlangte jedoch erhebliche Kürzungen beim Klima- und Transformationsfonds in Höhe von insgesamt 45 Milliarden Euro für die Jahre 2024 bis 2027. Damit wurde eine unmittelbare politische Krise abgewendet. Zugleich erforderte die Einigung Sparmaßnahmen inmitten eines wirtschaftlichen Abschwungs und drohte, Deutschlands klimapolitische Ziele zu schwächen. Der Politico-Journalist Matthew Karnitschnig bezeichnete das Dilemma als „die deutscheste Krise aller Zeiten“.

Unternehmen Der deutsche Chemiekonzern BASF, eines der größten Unternehmen Deutschlands und der weltweit größte Chemiekonzern, verzeichnete 2022 zusätzliche Energiekosten von 3,2 Milliarden Euro, die auf die Sanktionen gegen russisches Gas zurückgeführt wurden. In der Folge strich das Unternehmen 2.600 Stellen. BASF legte außerdem Anlagen zur Herstellung von Kunststoffchemikalien sowie zwei Ammoniakanlagen still und verlagerte weitere Aktivitäten ins Ausland. Als Gründe wurden langwierige und bürokratische Genehmigungsverfahren, Überregulierung und hohe Produktionskosten genannt.

Im April 2024 teilte das ifo Institut, ein führendes Wirtschaftsforschungsinstitut mit Sitz in München, mit, dass 55,2 % der Unternehmen im deutschen Wohnungsbau über Auftragsmangel klagten. Darüber hinaus berichteten 17,6 % der Bauunternehmen von stornierten Projekten, nach 19,6 % im März. 2023 nahm die Zahl der Insolvenzen im Baugewerbe um mehr als 20 % zu.

Im September 2024 meldete das ifo Institut, dass der ifo Geschäftsklimaindex den vierten Monat in Folge gesunken war. Bereits im August war der Index von 87 Punkten im Juli auf 86,6 Punkte gefallen und hatte damit den niedrigsten Stand seit fünf Monaten erreicht. Der auf Umfragen unter rund 9.000 deutschen Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen beruhende Index zeigte eine zunehmende Unzufriedenheit mit der aktuellen Geschäftslage sowie wachsenden Pessimismus hinsichtlich der weiteren Entwicklung. Der anhaltende Rückgang der Unternehmensstimmung galt als Hinweis auf fortbestehenden wirtschaftlichen Druck. Besonders betroffen war das Verarbeitende Gewerbe, in dem die Stimmung auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2020 sank. Auch im Dienstleistungssektor verschlechterte sich die Lage deutlich; dort erreichte die Stimmung den niedrigsten Stand seit Februar 2024. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, erklärte dazu: „Die deutsche Wirtschaft gerät immer stärker in die Krise.“