Johann Heyl (auch Heil, in humanistischer Manier gräzisiert als Johannes Soter oder Soterius)In der Forschung war lange diskutiert worden, ob Johann Heil mit dem Drucker Johannes Soter identisch ist oder ob es sich um unterschiedliche Personen handelt; vgl. Jakob Franck: Heyl, Johann, ADB, 1880, S. 371f. war ein Buchdrucker und Verleger katholischen GlaubensHeinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, Duisburg 1969, S. 150. in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Geboren wurde er in Bensheim an der Bergstraße; er starb wohl 1543 in Köln.Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84.

1517 immatrikulierte sich Heyl an der Universität Köln zum Medizinstudium.Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84; Josef Benzing: Buchdrucker, 1982, S. 237, Köln Nr.S. 18. Schon bald jedoch profilierte er sich als humanistisch gebildeter Typograph, bewandert nicht nur in Latein und Griechisch, sondern auch in zahlreichen orientalischen Sprachen – Kenntnisse, die er sich vermutlich während seiner Zeit an der Artistenfakultät angeeignet hatte. Bezeugt ist dies nicht zuletzt durch seine Mitarbeit an der 1518 erschienenen Psalmenpolyglotte, für die er eine knappe Einführung in das Äthiopische verfasste; der Herausgeber Johann Potken würdigte seine Sprachkenntnisse ausdrücklich.Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84.

Zwischen 1518 und etwa 1540 wirkte Heyl als Drucker in Köln, zeitweise auch in Solingen, wo er spätestens seit 1537 überdies eine eigene Papiermühle an der Wupper betrieb.Papierzeichen den Mühle war ein Pentagramm im Wappenschild – wohl abermals ein Spiel mit seinem Namen – und auf der Gegenseite das jülich-bergische Landeswappen; Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, Duisburg 1969, S. 150; Charles Zika: Exorcising Our Demons. Magic, Witchcraft and Visual Culture in Early Modern Europe, Leiden 2003, S. 132f. Ob dieser Ortswechsel wirtschaftlich bedingt war oder mit der Kölner Zensur zusammenhing, bleibt offen – teils wird auch vermutet, Heyl habe Solingen nur als Erscheinungsort angegeben, tatsächlich aber weiterhin in Köln gedruckt; 24 Drucke mit Solingen als Erscheinungsort sind jedenfalls verzeichnet.Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84; Josef Benzing: Buchdrucker, 1982, S. 237, Köln Nr.S. 18, u. S. 420. Die Mühle blieb jedenfalls bis 1826 in Familienbesitz, ehe sie an Ferdinand Jagenberg veräußert wurde.Zur Solinger Papiermühle vgl. Jagenberg & Cie (Hrsg.): Die Solinger Papiermühle. Gedenkschrift zum 1. Juli 1926, Solingen 1926; und Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, Duisburg 1969, S. 149–51. Sein umfangreicher Schrifttypenvorrat – gotische, Antiqua- und griechische Kursivtypen – erlaubte ihm zudem, als Lohndrucker für die Kölner Verleger Hittorp, Birckmann und Quentell tätig zu sein; umgekehrt vergab er selbst Aufträge an Buscius.Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84.

Sein Verlagsprogramm weist ihn unverkennbar als Vertreter des Humanismus aus: Er brachte Werke klassischer Autoren wie Dioskurides, Hyginus und Diomedes heraus, 1525 zudem eine Sammlung griechischer Epigramme. Hinzu traten humanistische und theologische Schriften von Autoren wie Guillaume Budé, Philipp Melanchthon, Erasmus von Rotterdam und Agrippa von Nettesheim. Von Bedeutung sind ferner die von ihm gedruckten Erstausgaben der Werke des Historikers Albert Krantz. In den konfessionellen Auseinandersetzungen der Reformationszeit scheint Heyl eine eher zurückhaltende, womöglich indifferente Haltung eingenommen zu haben.Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84.

Spätestens seit 1532 war Heyl mit Adelheid aus Solingen verheiratet;Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84. nach seinem Tod heiratete sie erneut.Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, Duisburg 1969, S. 150. 1524 erwarb Heyl ein Haus in der Kölner Glockengasse;Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84. 1555 veräußerten es seine Witwe und die gemeinsamen Kinder.Paul Heitz: Büchermarken, 1898, S. XXVII. Sein Sohn Melchior SoterJosef Benzing: Buchdrucker, 1982, S. 87, Dortmund Nr.S. 1. sowie ein weiterer Angehöriger, Jakob Soter,Ob dieser sein Sohn oder sein Enkel war bleibt ungeklärt; Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann, NDB, 1972, S. 84. führten die Druckertätigkeit in Dortmund und Köln fort.

Literatur Jakob Franck: Heyl, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 12, Leipzig 1880, S. 371f. (Digitalisat). Paul Heitz: Die Kölner Büchermarken bis Anfang des 17. Jahrhundert, Straßburg 1898, S. XXVII (Digitalisat). Hans Lülfing: Heyl (Heil, Soter), Johann. In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 9, Berlin 1972, S. 84 (Digitalisat). Josef Benzing: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet, 2. Aufl., Wiesbaden 1982, S. 237, Köln Nr.S. 18, u. S. 420.

Anmerkungen

Kategorie:Buchdrucker (Deutschland) Kategorie:Verleger (Köln) Kategorie:Verleger (16. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren im 15. oder 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 16. Jahrhundert Kategorie:Mann