Großstadt-Zigeuner ist ein Dokumentarkurzfilm von László Moholy-Nagy von 1932 über Roma in Berlin.

Inhalt Gezeigt werden Roma in ihren Winterlagern in Berlin-Wedding und Berlin-Weißensee (oder Marzahn?), beim Pferdemarkt, beim Tanzen und Feiern, spielende Kinder und weitere Szenen aus deren Alltag.

Hintergründe Der ungarisch-jüdische Avantgardegrafiker László Moholy-Nagy hatte nach seinem Ausscheiden aus dem Bauhaus ab 1929 mehrere experimentelle und dokumentarische Kurzfilme gemacht, im alten Hafen von Marseille auch bereits einmal eine kurze Szene mit Sinti und Roma.Goergen, 2005, S. 522. Die Aufnahmen in Berlin waren im Stile des cinéma vérité gedreht, als stiller Beobachter ohne größere sichtbare Inszenierungen. Der Film wurde im April 1932 aufgenommen, die Vorlage zur Zensur erfolgte etwa im Sommer 1933. Dort wurde er abgelehnt, zunächst mit dem Vorwand, der Regisseur sei kein Deutscher, als dann dessen deutsche Frau Sibyl Moholy-Nagy sich offiziell als Produzentin bezeichnete, hieß es, der Film stelle den Alltag zu negativ dar.Goergen, 2005, S. 524.

Aufführungen Der Film wurde im Herbst 1933 einmal bei einem Vortrag von László Moholy-Nagy in Zürich gezeigt, weitere Aufführungen aus dieser Zeit sind nicht bekannt.Vinzenz, 2024, S. 358, mit kurzen Details zur Zürcher Aufführung Die Witwe Sibyl Moholy-Nagy hielt ihn danach bis Ende der 1960er Jahre unter Verschluss.Robin Curtis, The Stranger in a City Filled With Strangers. Moholy-Nagy’s Urban Gypsies. In: The Journal of Cinema and Media, 2 (2003), S. 42–56 (Text)

1971 wurde er wieder bei der Viennale in Wien aufgeführt, 1982 bei der Berlinale,Großstadt-Zigeuner Filmportal 2010 im Centrum Hungaricum in Berlin, 2012 und 2013 im Berliner Zeughauskino, 2015 im Teatro Verdi im italienischen Pordenone,Großstadt-Zigeuner Antti Alanen Film Diary, 2015. 2019 beim Filmfestival GoEast in Wiesbaden, 2025 im George Eastman Museum in Rochester, New York,Three City Symphonies László Moholy-Nagy Eastman Museum sowie bei weiteren Gelegenheiten.

Rezeption Der Film Großstadt-Zigeuner wurde für seine anteilnehmende und künstlerisch interessante Gestaltung vielfach gewürdigt. Bemängelt wurde von einigen Rezensenten lediglich, dass es keine Innenansicht der Roma und deren Selbstverständnis gebe.

Der Filmhistoriker Jeanpaul Goergen lobte 2005

Der Filmjournalist Andreas Resch schrieb 2010 über den Film,

Das Zeughauskino in Berlin würdigte 2012

Der belgische Kunsthistoriker Steven Jacobs bemerkte 2015

Die kanadisch-deutsche Medienwissenschaftlerin Robin Curtis schränkte 2003 etwas ein

Literatur

Alexandra Vinzenz: László Moholy-Nagys Großstadt-Zigeuner (1932). Kanonisierung und Reproduktion antiziganistischer Bilder. In: Radmila Mladenova (Hrsg.): Counterstrategies to the antigypsy gaze. Heidelberg 2024, S. 357–382 (PDF) Jeanpaul Goergen: Die Avantgarde und das Dokumentarische. In: Klaus Kreimeier, Antje Ehmann, Jeanpaul Goergen (Hrsg.): Die Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Band 2. Weimarer Republik. Reclam Stuttgart 2005, S. 493–526, hier S. 520–524, mit Szenenfotos Robin Curtis: The Stranger in a City Filled With Strangers. Moholy-Nagy’s Urban Gypsies. In: The Journal of Cinema and Media (Cinematic Images of Romanies). 2, 2003, S. 42–56.

Weblinks

Großstadt-Zigeuner Roma, mit mehreren Rezensionen Grossstadt-Zigeuner Sabzian (englisch), mit zwei Rezensionen Großstadt-Zigeuner Ausschnitte Romani Gypsy Camp near Berlin Holocaust Encyclopedia, mit Filmausschnitten Großstadt-Zigeuner Filmportal

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1933 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Kurzfilm Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Geschichte der Roma