mini|Markus Neteler während des QGIS "Hackfests" in Pisa 2010 Markus Neteler (* 21. Dezember 1969 in Thuine, Deutschland) ist ein deutscher Geograph und Experte für Open-Source Geoinformationssysteme (GIS). Er gilt als internationaler Pionier in der Entwicklung freier Geoinformatik-Software und koordinierte über zwei Jahrzehnte die Weiterentwicklung von GRASS GIS.
Leben Neteler schloss 1999 sein Studium der Physischen Geographie und Landschaftsökologie an der Leibniz-Universität Hannover, Deutschland, ab, wo er zwei Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrassistent tätig war.
Von 2001 bis 2007 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bruno-Kessler-Stiftung (FBK) (ehemals ITC-irst) in Trient, Italien. In den Jahren 2005–2007 arbeitete er sowohl als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FBK wie auch für das Centro di Ecologia Alpina in Trient. Von 2008 bis 2016 arbeitete er bei der Edmund-Mach-Stiftung (FEM) in San Michele all'Adige bei Trient als Koordinator der Abteilung für GIS und Fernerkundung. Im Jahr 2016 zog er nach Bonn, wo er das Unternehmen mundialis GmbH & Co. KG mitbegründete.
Seine Hauptinteressen sind Fernerkundung zur Umweltrisikobewertung und die Entwicklung von freier GIS-Software, insbesondere GRASS GIS (dessen Koordinator er von 1999 bis 2020 war).
Neteler ist Gründungsmitglied der GRASS Anwender-Vereinigung e.V. (heute FOSSGIS e.V.), der Open Source Geospatial Foundation (OSGeo, USA) und GFOSS.it, dem italienischen Verband für freie und quelloffene Geodaten-Software.
Wissenschaftliches Wirken und Rezeption Netelers Forschungsschwerpunkte liegen in der Analyse von Zeitreihen aus der Fernerkundung, insbesondere zur Rekonstruktion von Landoberflächentemperaturen, sowie in der Anwendung dieser Daten in der Gesundheitsökologie. Im Jahr 2010 promovierte er in Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) in physischer Geographie und Landschaftsökologie. Er leistete grundlegende Beiträge zur Etablierung von Open-Source-Methoden in der Geographie (Open Geospatial), um die Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse zu verbessern.
Im Jahr 2010 veröffentlichte Neteler einen Algorithmus zur Rekonstruktion lückenhafter LST-Daten (Land Surface Temperature), die mit den MODIS-Sensoren (verfügbar auf den NASA-Satelliten Terra und Aqua) erfasst wurden. Der Algorithmus ermöglicht es, durch Wolken verursachte Datenlücken in den Satellitenbildern zu schließen und die räumliche Auflösung von 1.000 Metern auf 200 Meter zu verbessern. Die Methode gilt als grundlegend für nachfolgende Arbeiten zu lückenlosen LST-Datensätzen.
Sein mit Helena Mitasova verfasstes Buch "Open Source GIS: A GRASS GIS Approach" gilt als internationales Standardwerk der Fachliteratur und liegt in dritter Auflage (2008) vor. Seine Publikation "GRASS GIS: A multi-purpose open source GIS" (2012) gehört mit über 670 Zitationen zu den einflussreichsten Arbeiten der Disziplin. Neteler weist einen h-Index von 35 (Stand 2025/26) auf, was in seinem Feld sehr hoch ist.
Er war Mitbegründer der Open Source Geospatial Foundation (OSGeo) und prägte als langjähriger Leiter des GRASS-Lenkungsausschusses (1998–2020) die strategische Ausrichtung freier Geosoftware weltweit.
Bedeutung für freie GIS-Software Neteler zählt zu den langjährigen Entwicklern und Organisatoren im Umfeld freier GIS-Software. Besonders seine Beiträge zu GRASS GIS, seine Rolle beim Aufbau und der Pflege von Community-Strukturen (FOSSGIS e.V., OSGeo, GFOSS.it) machen ihn zu einer sichtbaren Figur der internationalen Open-Source-GIS-Szene.
Neteler spielte in den späten 1990er Jahren eine zentrale Rolle für das Überleben und die Weiterentwicklung des GRASS GIS Projekts. Ab Mitte der 1990er Jahre begann er, Dokumentationen für GRASS GIS zu verfassen – zunächst auf Deutsch, später auch auf Englisch –, wodurch er maßgeblich dazu beitrug, das System einer breiteren Nutzerbasis zugänglich zu machen. Durch sein Engagement in der Open-Source-Community und seine Arbeit als Koordinator und Release Manager des GRASS-GIS-Projekts ab 1999 konnte er die Nachhaltigkeit des Projekts sichern. Durch die Veröffentlichung von Handbüchern und wissenschaftlichen Publikationen festigte er die Position von GRASS GIS als führendes Open-Source-GIS-System.
Im September 2006 wurde er für sein Engagement bei der Projektkoordination von GRASS mit dem "Sol Katz Award" für freie und quelloffene Geodaten-Software (GFOSS) ausgezeichnet (höchste internationale Auszeichnung für Verdienste um freie Geodaten-Software). Im Jahr 2022 wurde er mit dem "Life Achievement Award 2022" der OpenGeoHub Foundation für sein Lebenswerk in der Förderung offener Geodaten und Wissenschaft ausgezeichnet.
Veröffentlichungen Netelers Arbeiten decken ein breites Spektrum ab, von der Entwicklung der Softwarearchitektur selbst bis hin zu angewandten Studien in den Bereichen Fernerkundung, Landschaftsökologie und Umweltmodellierung. Er ist Autor von Fachbüchern und -kapiteln über die Nutzung der freien und quelloffenen Software GRASS GIS sowie von über 80 wissenschaftlichen Artikeln (ORCID, Google Scholar), darunter:
Weblinks Offizielle Website von Markus Neteler Aufnahmen von Markus Neteler bei FOSS4G-Konferenzen im TIB AV-Portal der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften.
Einzelnachweise
Kategorie:Entwickler Freier Software Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1969 Kategorie:Mann