Peter Wycisk (* 1952 in Alfeld) ist ein deutscher Umweltgeowissenschaftler, Hochschullehrer und Künstler. Er war Universitätsprofessor für Umweltgeologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit liegen in der Hydro- und Umweltgeologie, im Schutz und in der Nutzung von Grundwasserressourcen, in der geologischen 3D-Modellierung sowie in der Visualisierung und Vermittlung geowissenschaftlicher Modellresultate.

Leben und akademische Laufbahn Wycisk studierte von 1971 bis 1979 Geologie und Paläontologie in Frankfurt am Main. 1979 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin. Von 1984 bis 1994 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich 69 an der Technischen Universität Berlin; 1994 habilitierte er sich. 1995 wurde er als Universitätsprofessor für Umweltgeologie an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg berufen. Ab 1996 war er Geschäftsführender Direktor des Universitätszentrums für Umweltwissenschaften (UZU) der Universität. Zeitweise war er Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät III der Universität Halle-Wittenberg.

Forschung und Wissenschaftsmanagement Wycisks Forschungsschwerpunkte umfassen Fragen der Umweltgeologie, des Grundwasserschutzes, der Altlastenbewertung, der Rohstoffnutzung und der Umweltverträglichkeit von Sanierungsverfahren. Das Forschungsportal Sachsen-Anhalt beschreibt das Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit einem Schwerpunkt auf Grundwasserressourcen, Rohstoffgewinnung und anthropogenen Einflüssen in Bergbau- und Industriefolgelandschaften; zugleich werden internationale Arbeiten zur Wasserverfügbarkeit in Wassermangelgebieten genannt.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der Entwicklung, Anwendung und Vermittlung dreidimensionaler geologischer Modelle. Wycisk befasste sich insbesondere mit der Frage, wie komplexe geologische Untergrundmodelle für wissenschaftliche, planerische und kommunikative Zwecke visualisiert und unterschiedlichen Nutzergruppen zugänglich gemacht werden können. Gemeinsam mit Lars Schimpf veröffentlichte er 2021 im Wiley-Sammelband Applied Multidimensional Geological Modeling das Kapitel Providing Model Results to Diverse User Communities, das diese Ansätze im Kontext der multidimensionalen geologischen Modellierung zusammenfasst. Eine frühere fachliche Darstellung zu innovativen Visualisierungstechniken für 3D-geologische Modelle erschien 2016 in der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften.

Im Bereich Wissenschaftsorganisation und Wissenschaftskommunikation war Wycisk unter anderem in internationalen Kooperationsformaten tätig. 2006 übernahm er im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Koordination des Themenbereichs Wasser im Deutsch-Ägyptischen Wissenschaftsjahr. Zum Abschluss des Wissenschaftsjahres wurde sein Engagement im Themenbereich Wasser mit einem Kooperationspreis gewürdigt. Als Herausgeber war er an dem Band Im Einklang mit der Erde. Geowissenschaften für die Zukunft beteiligt.

3D-Geologie und Wissenschaftskommunikation Mit seiner Arbeitsgruppe entwickelte Wycisk Präsentationsformen zur anschaulichen Darstellung geologischer 3D-Modelle. Campus Halensis beschrieb 2016, dass die Arbeitsgruppe seit 2007 geologische 3D-Glasmodelle erstellt habe, um geologische Forschung begreifbar zu machen. Projekte der 3D-Geologie wurden mehrfach im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet; 2012 wurde Wycisk in diesem Zusammenhang als Geologie-Professor der Universität Halle genannt.

Weitere Funktionen und Auszeichnungen Wycisk war Mitglied in fachlichen und wissenschaftsnahen Gremien. Die Universität Halle nennt ihn unter anderem als Mitglied des obersten Naturschutzbeirates des Ministeriums für Raumordnung und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, als Beiratsmitglied der Gesellschaft für UmweltGeowissenschaften und als Mitglied einer DAAD-Auswahlkommission für den Bereich Geowissenschaften und Umwelt. Bei science2public wird er als Mitglied des Kuratoriums geführt. 2015 erhielt er den Theodor-Roemer-Preis für Verdienste um die Entwicklung und Profilierung eines universitären Instituts während seiner Zeit als Dekan.

Künstlerische Tätigkeit Seit 2018 trat Wycisk verstärkt mit skulpturalen und fotografischen Arbeiten hervor. Im Zentrum stehen skulpturale Arbeiten, insbesondere die bei Art.Salon geführte Werkreihe Das Boot. In ihr verbindet er Materialbearbeitung, räumliche Form und metaphorische Bezüge zu Mensch, Natur und Prozess. Die künstlerische Entwicklung knüpft an seine frühere Arbeit mit der Visualisierung geowissenschaftlicher Modellresultate an; Erfahrungen mit räumlicher Darstellung, Struktur und Material werden dabei in eine freie objektbezogene Formensprache übertragen. Daneben entstanden fotografische Werkreihen, darunter Skulpturen im Echo der Landschaft und Abstract Nature, die bei Posh Vision als Editionen geführt werden.

Veröffentlichungen (Auswahl) Monika Huch; Jörg Matschullat; Peter Wycisk (Hrsg.): Im Einklang mit der Erde. Geowissenschaften für die Zukunft. Springer, Berlin/Heidelberg 2002, . Peter Wycisk; Lars Schimpf: Visualising 3D geological models through innovative techniques. In: Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, Band 167, Heft 4, 2016, S. 405–418, . Peter Wycisk; Lars Schimpf: Providing Model Results to Diverse User Communities. In: Alan Keith Turner; Holger Kessler; Michiel J. van der Meulen (Hrsg.): Applied Multidimensional Geological Modeling. Informing Sustainable Human Interactions with the Shallow Subsurface. Wiley, 2021, S. 403–425, .

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Einzelnachweise

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