Die Altstadt von Hội An ist eine seit 1999 eingetragene Welterbestätte in Vietnam. Sie ist Nr. 948 auf der Liste des Welterbes.
Bereits 1985 war die Altstadt von Hội An als nationales Kulturerbe in Vietnam eingetragen worden. Geschichte
Die Hafenstadt Hội An (bis in das 13. Jahrhundert Lâm Ấp Phố, dann Hài Phố, verballhornt: Faifo, Hội An phố) an der Mündung des Sông Thu Bồn in den Pazifik in der vietnamesischen Provinz Quảng Nam (seit 2025: Đà Nẵng) ist eine seit dem 15. Jahrhundert florierende Handelssiedlung. Siedlungsreste weisen eine durchgängige Besiedlung seit der Zeit um 500 vor Christus nach. Für das Volk der Cham war die Mündung des Sông Thu Bồn wichtig, um wichtige Güter für deren Hauptstadt Simhapura (das heutige Trà Kiệu) im Landesinneren umzuschlagen. Insbesondere der Gewürzhandel wurde von hieraus kontrolliert. Erst ab dem beginnenden 14. Jahrhundert wurde der Einfluss der Vietnamesen größer, bis 1471 der Kaiser Lê Thánh Tông das Gebiet der Cham eroberte. Der Hafen erlebte ab dem 16. Jahrhundert seinen Aufschwung, weil sich das chinesische und das japanische Kaiserreich gegen auswärtige – vor allem europäische – Einflüsse abschotteten. Der Hafen von Hội An diente somit quasi als „Proxy“ für chinesische und japanische Händler, die sich hier ansiedelten. Mit dem Ende jeglichen japanischen Außenhandels Mitte des 17. Jahrhunderts war der Hafen chinesisch dominiert. Ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts waren auch geringe europäische Einflüsse spürbar. Die Jesuiten hatten hier einen Konvent und Missionare kamen ins Land. Handelsniederlassungen waren jedoch nur von kurzer Dauer. Mit dem 18. Jahrhundert legten Schiffe vermehrt in dem nördlich gelegenen Đà Nẵng an, da der Hafen in Hội An zunehmend verlandete. Bei einem Aufstand 1780 war Hội An zudem zerstört worden.
Welterbe Der Hafen von Hội An war ein zentraler Umschlagplatz von Gewürzen für ganz Ostasien und darüber hinaus. Mit dem Niedergang im 19. Jahrhundert wurde der Hafen und die umgebende gewerbliche Bebauung, die chinesische, japanische und europäische Einflüsse repräsentiert, bewahrt. Das als Altstadt von Hội An eingetragene Areal umfasst mit den zwei Quadratkilometern etwas mehr als 1.100 Häusern in Fachwerkbauweise mit dem Markt, dem Kai, mehreren Pagoden und anderen religiösen Kultstätten. Traditionell sind die Häuser gefliest und tragen eine Ornamentik auf den Holzbalken. Die ursprüngliche streng rechtwinklig dominierte Siedlungsanordnung entlang des Flusses aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist mit seinen engen Gassen erhalten. Bemerkenswert ist auch die japanische Holzbrücke (Chùa Cầu, früher: Lai Viễn Kiều) und die darauf befindliche Pagode. Die Ladenzeilen öffnen sich vom Fluss weg, sodass die Gebäude einfach mit Waren über den Fluss beliefert werden konnten.
Die UNESCO hat nach der Klassifikation der Weltkulturerbestätten daher die Kriterien (ii) und (v) als gegeben erachtet. Das Kriterium (ii) ist erfüllt, weil Hội An ist ein herausragendes Beispiel der Verkörperung der Verschmelzung von Kulturen im Laufe der Zeit in einem internationalen Handelshafen ist. Das Kriterium (v) ist nach Auffassung der UNESCO erfüllt, da Hội An ein außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel eines traditionellen asiatischen Handelshafens ist.
Die Altstadt von Hội An hat ihre ursprüngliche Form und Funktion als herausragendes Beispiel für einen gut erhaltenen traditionellen südostasiatischen Handelshafen und Handelszentrum bewahrt. Der Komplex traditioneller Holzgebäude, deren Grundstückszuschnitt, die historischen Materialien, deren Fassaden und Dachgestaltung bewahrt wurden, in dem ursprünglichen und organisch entwickelten Straßenplan innerhalb der ursprünglichen Fluss- und Küstenlandschaft ist vollständig erhalten, sodass damit der herausragenden universellen Wert der Altstadt sichtbar wird, auch wenn der Ort weiterhin als Handelshafen sowie als beliebtes Touristenziel genutzt wird.
Die UNESCO hat in ihrer Einstufung aber auch Anforderungen formuliert. Die Holzgebäude bedürften der regelmäßigen Sanierung, die mit traditionellen Reparaturmethoden durchgeführt werden müssten. Auf moderne Materialien wie zum Beispiel Beton oder Wellblech müsste verzichtet werden.
Die Altstadt von Hội An ist insgesamt Staatseigentum und Gegenstand umfangreicher Gesetzgebung und Verwaltungsvorschriften. 1997 wurden Vorschriften zu ihrem Schutz erlassen, die vom Hội An Center for Monuments Management and Preservation, der Behörde des Volkskomitees, die für die Verwaltung der Grundstücke verantwortlich ist, umgesetzt werden. Damit werden nicht nur die Bewirtschaftung durch Einnahmen, sondern auch Restaurierungs- und Konservierungsprogramme durchgeführt. Der Managementplan für die Welterbestätte (aktuell von 2012) wird von der Regierung und der UNESCO kontrolliert. Die Pufferzone ist so dimensioniert, dass das Areal vor äußeren Bedrohungen, insbesondere durch weitere Urbanisierung und Überschwemmungen geschützt wird. Langfristig sollen die Lebensbedingungen der Bewohner der Altstadt verbessert werden. In den zukünftigen Managementplan müssen der zunehmende Tourismus und die Bewältigung negativer Klimaauswirkungen aufgenommen werden.
Die Altstadt von Hội An ist mit dem UNESCO-Biosphärenreservat „Insel und Gewässer von Cu Lao Cham“ verbunden.
Gebiet Die Kernzone des Welterbes umfasst 30 Hektar. Die Pufferzone erstreckt sich auf 230 Hektar.Grafische Darstellung der Kern- und Pufferzone (englisch) auf der Seite der UNESCO
Kernzone Die Kernzone wird nördlich begrenzt durch die Bebauung an der Straße Đường Phan Chu Trinh mit einem „Ausreißer“, der nach Norden führenden Straße Lê Lợi. Nach Osten begrenzt die Bebauung der Straße Hoàng Diệu, wobei dieser Grenzbereich um die Bebauung der Straße Nguyễn Duy Hiệu bis zur Kreuzung mit der Straße Trương Minh Lượng ergänzt wird. Im Südosten ist der Bereich von der Đường Phan Bội Châu bis zur Trương Minh Lượng und dann südwärts bis zum Flussufer Grenze. Die südliche Grenze bildet der Flusslauf des Sông Hoài (das ist der Arm des Sông Thu Bồn oberhalb der Insel An Hội) ohne die Inseln An Hội und Cẩm Nam. Die westliche und südwestliche Grenze bildet die Bebauung um die Straße Công Nữ Ngọc Hoa bis zur Kreuzung mit der Đường Cao Hồng Lãnh, die dann wieder an die Đường Phan Chu Trinh anschließt. Die Kernzone ist weitgehend als Fußgängerzone ausgestaltet bzw. darf nur zu bestimmten Zeiten befahren werden. Die enge Bebauung bietet Wohnraum für etwa 10.000 Menschen.
Pufferzone Die Pufferzone nimmt südlich Teile den nördlich und östlichen Teil der Insel An Hội und den nordwestlichen Teil der (Halb-)Insel Cẩm Nam ein. Nach Westen erstreckt sich die Pufferzone bis zum Abzweig der Straße Hùng Vương nach Norden und im Norden von dort bis zur Straße Thái Phiên. Mit der Thái Phiên bis zur Ngô Gia Tự von dort nach Norden bis zur Lý Thường Kiệt und diese bis etwa zur Bà Huyện Thanh Quan, deren Verlauf und gedachte Verlängerung nach Süden die Ostgrenze bildet.
Bauwerke Einige Bauwerke innerhalb der Altstadt stechen hervor. Zur Orientierung wird das Welterbegebiet der Altstadt häufig in den Teil nördlich der Straße Trần Phú und südlich der Straße betrachtet. Dabei ist zunächst die Japanische Brücke und der Markt zu nennen. Japanische Brücke (Chùa Cầu), Adresse: Nguyễn Thị Minh Khai Markt mit diversen Hallen, Adresse zwischen Trần Phú und Đ. Bạch Đằng Versammlungshallen Versammlungshalle der Chinesen aus Kanton (auch Quang Trieu-Versammlungshalle), Adresse: 176 Trần Phú Versammlungshalle der Chinesen aus Fujian (auch: Phuc Kien-Pagode), Adresse: 46 Trần Phú Versammlungshalle der Chinesen aus Hainan (auch: Hai Nam-Pagode), Adresse: 10 Trần Phú Versammlungshalle der Chinesen aus Chaozhou (auch: Trieu Chau-Pagode), Adresse: 362 Nguyễn Duy Hiệu Versammlungshalle der fünf chinesischen Gemeinschaften (auch Hoi quan Ngu Bang), vor 1741 errichtet, Adresse: 64 Trần Phú Museen/Kunstausstellungen Museum der Sa Huynh-Kultur (Bảo Tàng Văn hóa Sa Huỳnh), vor allem Keramiken und Schmuck, Adresse: 149 Trần Phú Museum für Keramikwaren und Importkeramiken (Bảo Tàng Gốm sứ Mậu Dịch), Adresse: 80 Trần Phú Museum für die örtliche Folklore (Bảo Tàng Văn hoá Dân gian), Adresse: 33 Nguyễn Thái Học (Kultur- und Geschichts-)Museum von Hội An ( Bao Tang Van Hoa Lich Su Hoi An), Adresse: 10b Trần Hưng Đạo Museum für Traditionelle Medizin (Bảo tàng Nghề Y Truyền thống), Adresse: 34 Nguyễn Thái Học Galerie der Japanischen Kultur (Nhà trưng bày Văn hóa Nhật Bản), Adresse: 6 Nguyễn Thị Minh Khai Traditionelle Darbietungen mit volkstümlicher Musik und Tanz (Nhà biểu diễn Nghệ thuật Cổ truyền), Adresse: 66 Đ. Bạch Đằng Religiöse Gebäude/Schreine Quan Cong-Tempel (Miếu Quan Công - Trừng Hán Cung), 1634 für den General Quan Cong aus dem 3. Jahrhundert gestiftet, Adresse: 24 Trần Phú Familienschrein der Tran (Nhà thờ tộc Trần), Adresse: 21 Lê Lợi Familienschrein der Nguyen Tuong (Nhà thờ tộc Nguyễn Tường), Adresse: 8 Nguyễn Thị Minh Khai Tempel und Gemeindezentrum Cam Pho (Đình Cẩm Phô), Adresse: 52 Nguyễn Thị Minh Khai alte Gebäude Minh Huong-Gemeindezentrum (Tụy Tiên Đường Minh Hương), Adresse: 14 Trần Phú Phung Hung-Haus (Nhà Cổ Phùng Hưng), Adresse: 4 Nguyễn Thị Minh Khai Tan Ky-Haus (Nhà Cổ Tấn Ký), 1741 von Le Tan Ky errichtet, Adresse: 101 Nguyễn Thái Học Quan Thang-Haus (Nhà Cổ Quân Thắng), Haus eines Händlers, Adresse: 77 Trần Phú Diep Dong Nguyen-Haus (Nhà Cổ Diệp Đồng Nguyên), Haus eines Händlers, Adresse: 80 Nguyễn Thái Học Duc An-Haus (auch Haus des Gedächtnisses von Cao Hồng Lãnh), 1830 errichtet, Adresse: 129 Trần Phú
Eintritt Der Eintritt in die Altstadt kann an unterschiedlichen Kassenhäusern entrichtet werden. Er betrug zuletzt (Stand: 2026) 120.000 Vietnamesische Đồng; das entspricht in etwa 4,00 Euro. Der Eintrittspreis erlaubt nicht nur den Zugang zur Altstadt, sondern auch zu fünf von 23 Sehenswürdigkeiten innerhalb der Grenzen des Welterbes.
Weblinks
Eintrag auf der Welterbeliste
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Vietnam Kategorie:Welterbestätte in Asien Kategorie:Welterbestätte in Vietnam Kategorie:Weltkulturerbestätte Kategorie:Quảng Nam Kategorie:Champa