Dana Whabira (* 1976 in London) ist eine ausgebildete Architektin, simbabwische Künstlerin, Kulturvermittlerin und sowie Kuratorin, die in Harare lebt. Sie vertrat Simbabwe auf der 57. Biennale di Venezia. Whabiras Arbeiten sind forschungsorientiert, kontextbezogen und experimentell. Sie beschäftigt sich mit Raum, Kartografie/Sammlung und einem kritischen Verständnis des Zusammenlebens.

Leben und Werk Dana Whabira wurde in London als Kind von Einwanderern geboren. Ihr Vater flüchtete aus dem kolonialen Rhodesien nach England ins politische Exil. Ihre Familie hat Wurzeln in Argentinien, Polen, Südafrika und Simbabwe. Whabira wuchs nach der Unabhängigkeit in Harare auf. Sie ist ausgebildete Architektin und studierte Kunst und Design am Central Saint Martins College of Art and Design in London. Im Jahr 2011 machte sie ihren Abschluss. Im Mai 2013 gründete sie die Njelele Art Station, ein unabhängiges, experimentelles, urbanes Projekt zur Forschung und zum Austausch in Harare. Ziel ist es, einen kritischen Blick auf Gesellschaft und Geschichte zu werfen und sich mit Begriffen wie Vernetzung, Gemeinschaft und Geselligkeit auseinanderzusetzen.

Ihr künstlerisches Werk umfasst alle Medien, darunter experimentelle Assemblagen, Installationen, Rauminterventionen, skulpturale Malerei und Fotografie. Performance ist als Prozess integriert. Oftmals nimmt sie eine Geschichte oder ein Ereignis als Ausgangspunkt, lässt sich von aktuellen Ereignissen, Literatur, Philosophie und Theater inspirieren und nutzt Sprache als metaphorisches Mittel.

In der National Gallery of Zimbabwe fand 2013 ihre erste Einzelausstellung unter dem Titel Suspended in Animation statt. Zu ihren Gruppenausstellungen gehörten u. a. Towards Intersections im Jahr 2015 im Museum of Africa in Johannesburg sowie in der UNISA Art Gallery in Pretoria, Tracing Obsolesence, 2018 bei Apexart, New York City, Measure the Valleys, 2018, Kunstpfad zwischen Cajarc und Saint-Cirq-Lapopie, Maison des Arts Georges & Claude Pompidou in Cajarc, Undefined Territories, 2019 in der MACBA in Barcelona, Cosmopolis #1. 5 Enlarged Intelligence, ebenfalls 2019, in der Mao Jihong Arts Foundation in Chengdu. Whabira nahm 2018 an der Dak'Art Biennale, 2020 an der Kampala Art Biennale sowie der Mercosul Biennale (2020) teil und vertrat Simbabwe 2017 auf der 57. Biennale von Venedig.

Dana Whabira wurde zur Sharjah Biennale 2027 unter dem Titel What remains, sits restive, kuratiert von Angela Harutyunyan und Paula Nascimento, eingeladen.

Ausstellungen (Auswahl) Die Ausstellung Tracing Obsolescence (2018) untersuchte die Vergänglichkeit vieler Aspekte des modernen Lebens: Konsumgüter veralten und werden ersetzt, die Wegwerfkultur ist tief verwurzelt, Fabriken werden ausgelagert, ins Ausland verlagert oder überflüssig, Minen werden geschlossen. Whabira sammelte gefundene Materialien aus Simbabwe mit persönlicher, wirtschaftlicher und historischer Bedeutung. Diese kulturellen Gegenstände oder Orte mit sozialpolitischer Bedeutung werden erforscht, archiviert, bearbeitet und transformiert. Koloniale und persönliche Konstrukte werden dabei hinterfragt. Die physische und kulturelle Landschaft wird neu betrachtet, um Bedeutung und Erzählung kritisch herauszuarbeiten. Whabira nutzte ausrangierte Schneiderpuppen als Zeichen der schwindenden Bekleidungsindustrie Simbabwes, um die Entfremdung von Arbeit im Spannungsfeld von globaler Migration, Kapitalismus und Krisen zu untersuchen.

Mit Admire Kamudzengere, Charles Bhebhe und Sylvester Mubayi repräsentierte Whabira im Jahr 2017 das Land Simbabwe auf der 57. Biennale di Venezia. Durch die internationale Globalisierung verschwimmen physische Grenzen und werden hinterfragt. Grenzen sind Bestandteil des Lebens, doch Menschen überschreiten sie legal und illegal. Die drei Künstler und Whabira stellten sich Themen wie Identität, Migration, Patriotismus und Zugehörigkeit sowie Konzepten von Hier und Dort, Sehen und Gesehen werden. Dana Whabiras Werk Circles of Uncertainty, eine Serie von zeichnerischen Arbeiten in Papier, kartiert die Erinnerung ihrer Migration. Der Titel ist einem Verfahren in der Flugnavigation entlehnt, wenn ein Pilot sich über die Koordinaten und den Radius des Flugzeugs um die geschätzte Position nicht sicher ist. Ihre Zeichnungen schaffen einen Raum ohne geografische Koordinaten oder Orientierungspunkte, der die Unbestimmtheit und Entwurzelung der Migration verdeutlicht. Black Sunlight (Neon-Lichtskulptur und Klanginstallation) ist in Shona verfasst, die von einem englischen Koloniallinguisten entwickelt wurde, um bestehende Sprachen zu vereinheitlichen. Die Klanginstallation besteht aus zwei Quellen, die aus dem Unterricht in Shona durch einen katholischen Pfarrer stammen und die Identität und Philosophie der simbabwischen Kultur bewusst verfälschen. Whabira verweist auf die Gewalt der kulturellen Übersetzung und die erzwungene und missbräuchliche Einführung dieser Sprache während der Kolonialzeit, die zu einer Verherrlichung der nationalen Identität führte. Mit dem Namen der Installation nimmt sie Bezug auf den Kultroman Black Sunlight von Dambudzo Marechera, der als orts- und zeitunabhängiger Bewusstseinsstrom verfasst ist und die Bedeutung von Macht, die Rolle von Institutionen und Ideologie erforscht. Whabira bezieht diese Geschichte in ihre Auseinandersetzung mit der Formung von Nationalbewusstsein durch Sprache im Kontext ihrer Kultur ein. Suspended in Animation (raumfüllende Skulpturengruppe) untersucht ebenfalls materielle, transnationale, physische, liminale, imaginäre Grenzen, die in Sprache, Identität, Kartografie und Geografie verankert sind.

Studienaufenthalte Dana Whabira war 2022 als Artist in Residence der Akademie der bildenden Künste Wien im Fachbereich Kunst und Digitale Medien bei Constanze Ruhm. Sie bearbeitete in dieser Zeit Themen wie die Rolle der Frau in der Raumproduktion, dem befreienden Charakter von Erotik und Möglichkeiten weiblicher erotischer Macht, der Venus von Willendorf und den Informationen, die in Objekten und Bildern von Frauen kodiert sind. Sie untersuchte mögliche Verbindungen zwischen Österreich und Simbabwe.

Während eine Stipendiums an der Delfina Foundation 2023 untersuchte sie die geschlechtsspezifischen, kolonialen und botanischen Aspekte der wissenschaftlichen Sammlung von Pflanzenmaterial. Ein Fokus lag auf dem Wissen aus der Perspektive afrikanischer Frauen mit erdheilenden Praktiken in Simbabwe.

Einzelnachweise

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