Jari Pekka Sakari Cuypers, seit Heirat 1997 Jari Pekka Sakari Banas (* 7. Juli 1950 in Nastola; † 17. Mai 2025 in Krefeld), war ein in Finnland geborener und in Deutschland wirkender Cartoonist, Comiczeichner, Illustrator und freischaffender bildender Künstler. Sein Werk umfasst unter anderem Illustrationen, Plakate, Postkarten, Publikationen.

Werdegang Jari, so sein Vorname und Künstlername, kam als Achtjähriger an den Niederrhein in der Bundesrepublik Deutschland. Nach Besuch der Volksschule in Goch absolvierte er beim dortigen Werk der Maschinenfabrik Carl Zangs eine Ausbildung zum Betriebsschlosser. Er erlangte die Fachschulreife und studierte ab 1970 an der damaligen Werkkunstschule in Krefeld im Fachbereich Industrie Design.

Die Schwerpunkte seines Schaffens lagen im politisch linken Spektrum, zunächst in den frühen 1970er Jahren für Die Falken (Sozialistische Jugend Deutschlands),SCHLAGLICHTER. Zeitschrift der Sozialistischen Jugend Deutschlands. Die Falken, Landesverband NRW, Jg. 3, Nr. 7, Dezember 1972. Dieser Ausgabe lag das Plakat Wenn die Haifische Menschen wären bei.Beispielsweise Comicstrips in: SJD – Die Falken, Bundesvorstand, Bonn (Hrsg.): FREUNDSCHAFT. Kinderzeitung DER SOZIALISTISCHEN JUGEND DEUTSCHLANDS DIE FALKEN, NR. 3/80. ab den späten 1970er Jahren für Umweltschutzgruppen und seit den 1990er Jahren vor allem für den Kreisverband und die Ratsfraktion Krefeld von Bündnis 90/Die Grünen.Klaus M. Schmidt: Cartoonist Jari Banas ist verstorben. Trauer um Marx-Erklärer, Umweltaktivist und Künstler. In: Westdeutsche Zeitung, Ausgabe Krefeld, 19. Mai 2025.

Bereits im Kindesalter hatte er viel für seine beiden jüngeren Brüder gezeichnet und nach eigenen Angaben sei er in der Schule der Einzige mit einem Micky-Maus-Abo gewesen.Flotter Strich. Der König der Comics. In: Krefelder, Krefelder Szene, November 1993, S. 7. Themen für sein eigentliches Interesse fand er in seiner Studienzeit, als er in Krefeld zunächst im Studentenwohnheim an der Alte(n) Gladbacher Straße und danach in der Wohngemeinschaft Haus Rath wohnte. Beide Umfelder waren politisch links zu verorten. Die Bewohnergruppe im Haus Rath hatte nach dem Einzug in die ehemalige Wasserburg aus der Ruine einen Ort für Bürgerfeste und freie Kulturarbeit gemacht. In der Düsseldorfer Ausgabe der Tageszeitung EXPRESS wurde Jari Cuypers hierzu zitiert: Wir haben jetzt 14 Räume bewohnbar gemacht. Darunter ein Kino mit 50 Plätzen.Werner Zedler: Hauswirt stört den Burgfrieden. Kulturzentrum wird Spekulationsobjekt. In: Express, Ausgabe Düsseldorf, 4. Juli 1981. Etwas blumiger heißt es in der Krefelder Ausgabe der Rheinischen Post: Wo einst die Ritter hausten, später aber Stroh lagerte, hat heute Grafikdesigner Jari Cuypers seine Arbeitsklause.Hans Dieter Peschken: Mietvertrag mit Wohngemeinschaft nicht erneuert. In: Rheinische Post, Krefelder Stadtpost, 24. Juni 1981.

1972–1979 Jaris Illustration Macht die SPD nicht zur Schnecke mit Willy Brandt gezeichnet als Schnecke auf der Titelseite einer Ausgabe der SCHLAGLICHTER im Dezember 1972 war laut eigenem Bekunden seine erste politische Arbeit. Diese Illustration und folgende ähnlich ausgerichtete Zeichnungen nannte er Jarikaturen.

Zu Beginn des Jahres 1976 zog Jari nach Trier, wo er den Grundstein für sein späteres Hauptwerk legte. Er zeichnete dort seine ersten politischen Comics in Zusammenarbeit mit Jürgen Schön, dies waren zwölfseitige Hefte im Piccolo-Format, die in vermutlich sehr kleiner Auflage erstellt wurden.ROTE KEHLE COMIC NR. 1: DIE GEHEIMNISVOLLE LIZENZ! ROTE KEHLE COMIC NR. 2: DER SCHLÜSSEL ZUM SOZIALISMUS. (Das Piccolo-Format ist schmal und querformatig, meist etwa 17 cm × 8 cm. Klassiker wie Akim, Sigurd und Tibor wurden in diesem Format veröffentlicht.) Der ROTE KEHLE COMIC NR. 2: DER SCHLÜSSEL ZUM SOZIALISMUS thematisiert die Diskussion um die verschiedenen politischen Gruppierungen. Die Geschichte handelt von der Wandlung eines den Freitod suchenden Erstsemesterstudierenden, den Marx rettet und ihm dann rät, sich auf den Weg zum Sozialismus zu machen. Der Studierende geht an mehreren politischen Gruppierungen vorbei, so am RCDS, an den Liberalen, an den Jusos, an der KPD, am KBW, MSB, SHB, GIM sowie KB und entscheidet sich für DAS UNDOGMATISCHE ROTE BASIS FRÜHLINGSORCHESTER. Anzumerken ist, dass es sich beim Schlüssel zum Sozialismus um einen Ölsardinendosenöffner handelt.ROTE KEHLE COMIC NR. 2, S. 15 und 22.

Zudem enthält der Comic ein späteres Markenzeichen Jaris, ein Porträt, das Karl Marx vergnügt schmunzelnd mit Bart und Schnäuzer sowie erhobener Faust zeigt. In Trier gestaltete Jari auch Plakate für die Hochschulgruppe der Jungsozialisten in der SPD,DIN A2 doppelseitiges Plakat, Entwurf Jari, Wahlaufruf zu den Stupawahlen 21.–23. Juni 1977. schuf Illustrationen für das Trierer Stadtmagazin SPOT/LITSPOT/LIT, Nr. 10., 3. Jahrgang Oktober 1977, Titelseite. Herausgeber Rainer Breuer. Verlag éditions trèves e.v., Trier. und entwarf den Briefbogen für den Allgemeinen Studentenausschuss der Uni Trier.

Es folgten Veröffentlichungen bei kleineren Verlagen: 1977 erschien die KKW-Fibel,Inge Blankenbach (Hrsg.): KKW-Fibel für Bürgerinitiativen. Herausgegeben von Aktionsgemeinschaft für Umweltschutz Darmstadt e.V. Mit neuen Anti-KKW-Karikaturen von Jari Pekka Cuypers. Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung, Hamburg 1977, ISBN 3-87975-115-3. ein Handbuch für Bürgerinitiativen, die gegen Kernkraftwerke Protest erhoben, und 1978 der erste Umweltkalender.UMWELTKALENDER. Herausgegeben von Aktionsgemeinschaft für Umweltschutz e.V. (AGU-Darmstadt), nach Umbenennung: Initiative zur Förderung des Umweltschutzes e.V. (IFU-Darmstadt), Darmstadt 1978, ab 1988: ISBN 3-922691-13-7. Fast zwanzig Jahre lang wurde, mit Ausnahme des Jahres 1980, fortan jeweils eine weitere Ausgabe des Kalenders herausgegeben. Mit der Publikation Die Geschichte von der Wyhlmaus und anderen Menschen schufen Jari und Wolfgang Hippe den ersten deutschen Comic, der sich dem Thema Ökologie widmete. Im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL heißt es hierzu:

Jari kehrte wieder nach Krefeld in die Wohngemeinschaft Haus Rath zurück und gestaltete für das Filmforum Haus Rath, einer wöchentlich stattfindenden Kinoveranstaltung, bei der vor allem anspruchsvolle Filme gezeigt wurden, mit kurzen Einführungstexten versehene Infoblätter.Beispiel für ein Infoblatt von Juni 1980 siehe Heidi Matthias: Krefeld – meine Wahlheimat. In: die Heimat, Krefelder Jahrbuch, Jg. 80, Krefeld November 2009, ISSN 0342-5185, S. 58–61, hier S. 59, Abb. 3.

1980–1989 1980 erschien Das Kapital. Für Anfänger und Anfängerinnen,Das Kapital. Für Anfänger und Anfängerinnen. Nach einer Vorlage von K. Plöckinger und G. Wolfram. Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung, Hamburg 1980, ISBN 3-87975-185-4. ein Einstiegscomic zum Verständnis des Hauptwerks von Karl Marx. Es ist seine bekannteste Veröffentlichung und wurde wiederholt aufgelegt: zunächst 2012Das Kapital. Für Anfängerinnen und Anfänger. Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung Reprint, Hamburg 2012, ISBN 978-3-89965-514-8. als Reprint anlässlich des vierzigjährigen Jubiläums der Gründung des Verlags für das Studium der Arbeiterbewegung; 2016Das Kapital. Als Jaricomic. Für Einsteigerinnen und Einsteiger. Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung, Hamburg 2016, ISBN 978-3-89965-715-9. anlässlich des 150jährigen Jubiläums der Veröffentlichung des Opus magnum von Karl Marx, Das Kapital, und 2018 anlässlich des 200. Geburtstag von Karl Marx als vollständig kolorierter Jaricomic.Das Kapital. In Farbe. Für Einsteigerinnen und Einsteiger sowie Fortgeschrittene. Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung, Hamburg 2018, ISBN 978-3-89965-798-2. Diese Ausgabe war auch Beigabe eines zehnwöchigen Kombiabos der taz.taz am wochenende, sonnabend/sonntag, 5./6. Mai 2018, medien 33.

1981 wurde Die 68er. GeschichtsComic über Lust & Frust der Linken veröffentlicht.Jari Pekka Cuypers: Die 68er – GeschichtsComic über Lust & Frust der Linken. Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung, Hamburg 1981, ISBN 3-87975-200-1. Laut Comicfachmagazin COMIXENE war Jari zu diesem Zeitpunkt einer der führenden politischen Zeichner der BRD.COMIXENE, Nr. 39, Juni 1981, ISSN 0174-2205, S. 11. Monatlich in Hannover erscheinendes Magazin, 1981 im 8. Jahrgang. Jaris Arbeiten sind durchaus in Beziehung zum Werk von Walter Kurowski zu sehen, dessen politische Karikaturen in den 1970er Jahren von Oberhausen aus nach ganz Deutschland ausstrahlten.Walter Kurowski. Künstler Karikaturist Kulturlegende. Eine Werkschau von 1956-2015. Herausgegeben von Kerrin Postert und Christine Vogt, Duisburg 2021, ISBN 978-3-932236-45-7, S. 107–121. Ab 1982 erschienen Bücher von Jari in Zusammenarbeit mit dem Verleger Gerald Leue in Berlin. Zunächst das Comic-Spielbuch. Starkes Nachschlagwerk für Neue Spiele,Jari Pekka Cuypers, Gerald Leue: Comic-Spielbuch – Starkes Nachschlagebuch für Neue Spiele. Verlag Gerald Leue, Berlin 1982, ISBN 3-923421-21-4. 1983 das Rezeptbuch für Spiele auf Feten, Geburtstagen, StadtteilfestenJari Pekka Cuypers, Gerald Leue: Rezeptbuch für Spiele auf Feten, Geburtstagen, Stadtteilfesten? Verlag Gerald Leue, Berlin 1983, ISBN 978-3-923421-23-7. und 1984 Das Comic-Spiele-Buch Teil 2. Lustige Spiele für lange Abende.Jari Pekka Cuypers, Gerald Leue: Comic-Spiele-Buch Teil 2. Lustige Spiele für lange Abende. Verlag Gerald Leue, Berlin 1984, ISBN 3-923421-22-2.

Zum Thema der großen Volkbefragungen: Mikrozensus und VolkszählungVerena Rottmann, Holger Strohm: Was Sie gegen Mikrozensus und Volkszählung tun können. 25. Auflage. Zweitausendeins, Frankfurt am Main April 1987. erschien 1983 Jaris Comic 1984 Schnüffel Tango,Jari Pekka Cuypers: 1984 Schüffeltango. Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung, Hamburg 1983, ISBN 3-87975-250-8. der auch die Einführung des Strichcodes zum Thema hatte.

Andere Projekte in den 1980er Jahren waren seine Arbeit für ein Zeichentrickfilmstudio in Düsseldorf; für die Maxi-Single Tanz auf dem Vulkan der Musikgruppe Fritz Kids aus Goch ein der Schallplatte beigefügtes Comicheft mit den Texten der vier Musikstücke;Fritz Kids: Tanz auf dem Vulkan. Eigelstein Musikproduktion Nr. 6.20 167-01-1, TELDEC, Telefunken-Decca Schallplatten GmbH, Hamburg 1982. und für Hart an der Grenze, einer weiteren Veröffentlichung von Fritz Kids, die als Audiokassette in einem Schuber veröffentlicht wurde, ebenfalls ein beiliegendes Comicheft.Fritz Kids: Hart an der Grenze. Parzival Musik & Video Produktions- und Vertriebs GmbH, München 1983.

Bis in die Gegenwart wirken Projekte aus der Wohngemeinschaft Haus Rath, so das Café an der Tannenstraße,Johannes Floehr: Vom Billardzimmer zur Seele der Stadt. In: Westdeutsche Zeitung. Wir Krefelder, 24. November 2020, S. 19. (Gastbeitrag: 40 Jahre gibt es „Das Café“ – eine Hommage vom Krefelder Poetry Slammer Johannes Floehr an das Lokal.) bei dem Jari zum Betreiberkollektiv gehörte.

1986 erschien Jaris Comic Zeichen BuchJari Cuypers, Klaus Strzyz: Comic Zeichen Buch. Zeichne deine eigenen Comics! Verlag Gerald Leue, Berlin 1986, ISBN 3-923421-32-X. in Zusammenarbeit mit Klaus Strzyz.Klaus Strzyz und Andreas C. Knigge: Disney von innen. Gespräche über das Imperium der Maus. (Mit einem Vorwort von Carl Barks). Ullstein, Frankfurt am Main und Berlin 1988, ISBN 3-548-36551-5. Das Buch ist als ein Standardwerk anzusehen. Im Comic Jahrbuch 1987 heißt es im Abschnitt über Sekundärliteratur zum Thema Comics: