Jacob Kehinde Coker (* 1866; † 1945) war ein nigerianischer Pionier landwirtschaftlicher Kooperativen sowie Vertreter einer eigenständigen Form des Anglikanismus, der „African Church“. Durch sein Wirken wurde die Yorubaregion in Nigeria vom Kakaoanbau dominiert und vergleichsweise wohlhabend, bevor sie in der Produktionsmenge von der Elfenbeinküste und Ghana übertroffen wurde. Als Begründer der African Church gehörte er zu den Urvätern eines eigenen afrikanischen Selbstbewusstseins, das nicht mehr versuchte, Errungenschaften der Europäer zu imitieren.

Vom Händler zum Kakaofarmer mini|Jacob K. Coker, Gründer der ersten afrikanischen Genossenschaft, Vater des Kakaoanbaus im Yoruba-Land, Vater der „African Church“, um 1922 Coker stammte aus Abeokuta (nahe Lagos) und wurde 1866 geboren. Er begann seine Karriere als Händler in Lagos. Darin war er zwar erfolgreich und konnte die „Rose Cottage“ (Rosenlaube) an der Marina Road erwerben (damals wie heute Nigerias teuerste Immobiliengegend), gehörte jedoch wohl nicht zu den einheimischen Handelsfürsten, die eng mit den britischen Kolonialherren kooperierten (diese auch imitierten) und die Lagos als dominanten afrikanischen Finanzplatz begründeten.

Zu dieser Zeit machte James Davies aus Sierra Leone von sich reden, der (damals äußerst ungewöhnlich) als Dunkelhäutiger und Sohn ehemals Versklavter in der britischen Royal Navy zum Kapitän aufgestiegen war, danach in Lagos zum „Prince of the Trade Princes“ (Prinz der Händlerfürsten) reüssierte, eine Patentochter von Königin Victoria ehelichte, bankrottging, einige Kakaosamen von einem brasilianischen Schiff stahl und als erster Kakaofarmer Afrikas und Brecher des brasilianischen Kakaomonopols zu neuem Reichtum gelangte. Jacob Cokers Zwillingsbruder James hatte eine Tochter von Davies geheiratet – dies könnte Jacob dazu gebracht haben, 1903 ebenfalls auf die Kultivation von Kakao umzusteigen.  

Bis 1907 hatte er in Agege, einem Ort zwischen Lagos und Abeokuta und heute ein Stadtteil von Lagos, 30.000 Kakaobäume gepflanzt. Damit war er nach Rufus Wright der zweitgrößte Kakaofarmer Westafrikas (Davies war 1906 verstorben).

Vom Farmer zum Aktivisten mini|Marina Road in Lagos um 1900, links hinter den Bäumen das Rose Cottage Coker sah sich jedoch nicht als Unternehmer, der seine Konkurrenten so weit wie möglich verdrängte. Er gab sein Wissen und seine Fähigkeiten an junge Landwirte in der Region weiter. Zu diesem Zweck gründete er die Agege Planters’ Union (APU) und wurde deren Sekretär.

Die APU unterstützte Bauern rund um Agege beim Erwerb von Land, bei der Kapitalbeschaffung, der Anwerbung von Landarbeitern und der Durchführung von betriebswirtschaftlichen Schulungen. Der Vorstand wurde jedes Jahr demokratisch gewählt und machte trotz Cokers christlicher Gesinnung keinen Unterschied zwischen Konfessionen und Religionen. Die APU verteilte Kakaoschoten und -samen, stellte Informationen über Schädlinge und Krankheiten bereit, die die Ernten beeinträchtigten, und arbeitete mit der botanischen Station der Kolonialverwaltung in Ebute Metta zusammen. An der Rohstoffbörse in Lagos setzte Kakao aus Agege bald den Qualitätsstandard („best Accra“), und Agege galt als Musterfarm. Die APU experimentierte jedoch auch mit anderen Kulturen wie Mais, Kola, Muskatnuss, Kautschuk usw. Außerdem führte sie spezielle Werkzeuge für die Ernte und den Rückschnitt ein.

Coker fungierte oft selbst als Geldgeber für neue Landwirte und nahm dafür sogar eine Hypothek auf sein Rose Cottage auf. Coker und die APU setzten sich zudem für bezahlte Arbeitskräfte auf den Plantagen ein (zuvor war die landwirtschaftliche Arbeit den Sklaven überlassen worden). Aufgrund des Arbeitskräftemangels zahlten die Kakaobauern ihren Arbeitern bald überdurchschnittliche Löhne. Coker und die APU führten zudem moderne Immobilientransaktionen in der Umgebung von Agege ein. Zuvor war es möglich, vom örtlichen Oba (König) ein Stück Land zur Nutzung zu erhalten, indem man ihm ein paar Flaschen Gin überreichte und ihm einen Anteil an der jährlichen Ernte gab. Innerhalb weniger Jahre wurde der Kauf und Verkauf von Land zur Selbstverständlichkeit, wie man es heute kennt.

Die Einwohner von Agege wurden so zu den „Schrebergärtnern von Lagos“. Im Jahr 1910 befanden sich 66 % der landwirtschaftlichen Flächen im Yoruba-Land in Agege – danach begann Ibadan, zu Agege aufzuschließen. Der Wohlstand von Agege war schon von weitem sichtbar: Die Kakaobauern konnten es sich leisten, ihre Dächer mit Zinkblechen zu bedecken, die die Sonne reflektierten.

Abspaltung von der Anglikanischen Kirche Die Anglikanische Kirche sandte um 1840 bereits Missionare nach Nigeria. Treibende Kraft war hierbei Henry Venn, der Generalsekretär der Church Missionary Society. Venn setzte sich gegen die Sklaverei ein, sah Dunkelhäutige als Brüder und interpretierte das christliche Sendungsbewusstsein vor allem als Entwicklungsarbeit. Er setzte sich auch für die Ernennung des ehemals versklavten Samuel Crowther zum Bischof ein.

1894 jedoch hatte sich jedoch ein anderer Zeitgeist in der Anglikanischen Kirche durchgesetzt. Venn und Crowther waren inzwischen verstorben und der neue Bischof von Lagos, Herbert Tugwell, sah Dunkelhäutige als rassisch minderwertig an und verwehrte jegliche afrikanische Elemente im Gottesdienst. Die rassistische Haltung von Tugwell führte zur Abspaltung eines Teils der Gemeinde, wobei Coker in allen Unterlagen als Anführer genannt wird. Die neue Strömung nannte sich „African Church“ und gründete in der Broad Street 59 von Lagos die Bethel-Gemeinde. Coker blieb bis zu seinem Tod 1945 der zuverlässigste Sponsor der Kirche. Bei der Testamentseröffnung zeigte sich, dass er bereits vor seinem Ableben sein ganzes (früher einmal beträchtliches) Vermögen stückchenweise der African Church geschenkt hatte.

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