mini|Julian Tokarski Julian Tokarski (Geburtsname: Wiktor Bożek; * 25. Dezember 1903 in Czersk, Masowien; † 15. August 1977 in Warschau) war ein Politiker der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR), der unter anderem Minister für Schwerindustrie (1950 bis 1952), Minister für Maschinenbau (1952 bis 1955) und Minister für Automobilindustrie (1955 bis 1956) sowie zwischen 1959 und 1965 Stellvertretender Ministerpräsident der Volksrepublik Polen war.

Leben Der als Wiktor Bożek geborene Julian Tokarsk, Sohn von Józef und Wiktoria, arbeitete als Dreher und war seit den 1920er Jahren in der kommunistischen Bewegung aktiv. 1921 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Polens KPP (Komunistyczna Partia Polski) und gehörte von 1927 bis 1929 dem Zentralkomitee und dem Sekretariat des Zentralkomitees des Verbandes Kommunistischer Jugend in Polen KZMP (Komunistyczny Związek Młodzieży Polski) als Mitglied an. Er lebte ab 1929 in der Sowjetunion, war Mitglied der Kommunistische Allunions-Partei (Bolschewiki) (WKP(B)) und besuchte die Internationale Lenin-Schule. Er diente in den Jahren 1943/44 als Offizier in der Armia Berlinga, den polnischen Militäreinheiten in der UdSSR (Polskie Siły Zbrojne w ZSRR) unter General Zygmunt Berling. 1944 wurde Mitglied der Polnischen Arbeiterpartei PPR (Polska Partia Robotnicza) und stellvertretender Kommandeur des 1. Panzerkorps für politische und pädagogische Angelegenheiten in der Polnischen Volksarmee (Ludowe Wojsko Polskie) und bekleidete 1945 dieselbe Position im Korps für Innere Sicherheit KBW (Korpus Bezpieczeństwa Wewnętrznego).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 arbeitete Tokarski in lokalen sowie zentralen Parteiapparaten in der Volksrepublik Polen und fungierte zwischen 1947 und 1948 als Erster Sekretär des PPR-Komitees der Woiwodschaft Warschau. Auf dem Gründungsparteitag der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza) vom 15. bis 22. Dezember 1948 wurde er Kandidat des Zentralkomitees (ZK) und fungierte zwischen 1948 und 1949 als Sekretär sowie 1949 als Erster Sekretär des PZPR-Komitees der Woiwodschaft Warschau, ehe er zwischen 1949 und 1950 stellvertretender Leiter der Organisationsabteilung des ZK war. Am 10. Mai 1950 wurde er auf einem Plenum des ZK erstmals zum Mitglied des ZK der PZPR gewählt und gehörte diesem Parteigremium bis zum V. Parteitag (11. –16. November 1968) an. Nachdem er vom 19. Januar bis zum 18. April 1950 Erster Sekretär des Parteikomitees von Warschau war, fungierte er zwischen April und Oktober 1950 als Leiter der Personalabteilung des ZK.

Ab 1950 hatte Julian Tokarski zudem zahlreiche Staatsämter inne und war in den Regierungen von Bolesław Bierut und Józef Cyrankiewicz als Nachfolger von Kiejstut Żemaitis zunächst zwischen dem 17. November 1950 und dem 23. Februar 1952 Minister für Schwerindustrie (Minister przemysłu ciężkiego) sowie im Anschluss vom 23. Februar 1952 bis zu seiner Ablösung durch Roman Fidelski am 16. April 1955 Minister für Maschinenbau (Minister przemysłu maszynowego).„Die neue Regierung der Volksrepublik Polen“, in: Neues Deutschland vom 23. November 1952 Er fungierte zudem zwischen dem 16. April 1955 und dem 7. Juli 1956 noch als Minister der Automobilindustrie (Minister przemysłu motoryzacyjnego).

mini|Grabstätte von Julian Tokarski auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau Am 20. November 1952 wurde Tokarski für die PZPR zudem Mitglied des Parlaments Sejm und vertrat in der ersten Legislaturperiode bis zum 20. November 1956 den Wahlbezirk „Nr. 65 Tarnobrzeg“. Nach seinem Ausscheiden aus dem Ministerrat war er zwischen 1957 und 1959 Direktor des Halbleiterwerks „Tewa“ sowie des Werks für Sekundärprodukte in Warschau und fungierte 1959 kurzzeitig als stellvertretender Leiter der Wirtschaftsabteilung des ZK. Im Anschluss wurde er am 27. Oktober 1959 im dritten Kabinett Cyrankiewicz Stellvertretender Ministerpräsident (Wiceprezes Rady Ministrów) und verblieb in diesem Amt bis zum 14. Dezember 1965.„Veränderungen im Ministerrat“, in: Neues Deutschland vom 28. Oktober 1959„Julian Tokarski bei Bruno Leuschner“, in: Neues Deutschland vom 1. August 1964

Er wurde am 15. Mai 1961 abermals Mitglied des Sejm und gehörte diesem bis zum 29. April 1969 an, wobei er in der dritten Legislaturperiode (1961 bis 1965) den Wahlbezirk „Nr. 9 Białystok“ sowie in der vierten Legislaturperiode (1965 bis 1969) den Wahlbezirk „Nr. 75 Legnica“ vertrat. Er war zwischen 1965 und 1969 Mitglied des Kommunikations- und Verkehrsausschusses des Sejm und gehörte nach seinem Ausscheiden aus der Regierung vom 14. Dezember 1965 bis zum 27. Juni 1969 dem Staatsrat (Rada Państwa) als Mitglied an. Auf dem V. Parteitag (11. –16. November 1968) wurde er schließlich noch Mitglied der Zentralen Parteikontrollkommission ZPKK (Centralna Komisja Kontroli Partyjnej) der PZPR und gehörte diesem Gremium bis zum VI. Parteitag (6. –11. Dezember 1971) an.

Für seine Verdienste in der Volksrepublik Polen wurde Tokarski mehrfach ausgezeichnet und erhielt unter anderem den Orden Erbauer Volkspolens (1964), Orden des Banners der Arbeit Erster Klasse, das Offizierskreuz, Kommandeurkreuz und das Kommandeurkreuz mit Stern des Ordens Polonia Restituta (1964), das Silberne Kreuz des Ordens Virtuti Militari, den Orden des Grunwald-Kreuzes Dritter Klasse sowie zahlreiche weitere Medaillen und Abzeichen.

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Einzelnachweise

Kategorie:Stellvertretender Regierungschef Kategorie:Minister (Polen) Kategorie:Sejm-Abgeordneter (Volksrepublik Polen) Kategorie:KPP-Mitglied (1918–1938) Kategorie:Mitglied der Polska Partia Robotnicza Kategorie:PZPR-Funktionär Kategorie:Politiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Ordens Polonia Restituta (Komtur mit Stern) Kategorie:Träger des Ordens des Roten Banners der Arbeit Kategorie:Träger des Ordens Virtuti Militari (1943–1989) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1977 Kategorie:Mann