Wenzel Kaulich (* 30. Dezember 1790 in Unterwernersdorf; † 24. Juli 1869 in Oberwernersdorf) war ein böhmischer Großhändler, Industrieller und Abgeordneter des Österreichischen Reichsrats von 1848. Als Mitbegründer der mechanischen Flachsspinnerei Kaulich & Pfeifer in Radowenz zählt er zu den frühen Akteuren der industriellen Entwicklung im Braunauer Ländchen.

Leben Kaulich entstammte einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie in Nordostböhmen. Sein Vater Josef Kaulich war Leinwandhändler, und Wenzel Kaulich selbst war als Großhändler und Geschäftsmann tätig. Am 6. Juli 1819 heiratete er Franziska Pich aus der überregional bekannten Ärztefamilie Pich. Er ist sowohl in Ober Wernersdorf als auch in Braunau als Kaufmann und Grundbesitzer nachgewiesen.

Politische Tätigkeit Während der Revolution von 1848 engagierte sich Kaulich politisch. Bei der Wahl zum konstituierenden Reichstag wurde er für den Wahlbezirk Braunau in den Österreichischen Reichstag gewählt und gehörte dort dem rechten Flügel des Parlaments an.

Ab 1848 war Kaulich zudem Bürgermeister von Ober Wernersdorf, ein Amt, das er über mehrere Jahre hinweg ausübte.

Industrielle Tätigkeit Seit den 1850er Jahren war Kaulich Inhaber einer Bleichmacherei und einer Wäscherei. In den 1860er Jahren wandte sich Kaulichverstärkt industriellen Unternehmungen zu. Gemeinsam mit dem Braunauer Unternehmer Franz Pfeifer gründete er 1862 die mechanische Flachsspinnerei Kaulich & Pfeifer in Radowenz in Ostböhmen, einen der frühen maschinell betriebenen Flachsbetriebe der Region. Die Firma wurde am 11. Februar 1865 als Offene Gesellschaft registriert, basierend auf einem Vertrag vom 16. Dezember 1862.

Die Spinnerei gehörte zu den ersten Unternehmen im Braunauer Ländchen, die eine Dampfmaschine für die Flachsverarbeitung einsetzten. Zusätzlich war Kaulich als Bergbauunternehmer aktiv und besaß zwei Gruben in Qualisch.

Durch Heiratsverbindungen und geschäftliche Zusammenarbeit war Kaulichs Unternehmen in das Netzwerk anderer nordböhmischer Textildynastien eingebunden, darunter die Familien Kluge und Pfeifer. Eine zentrale Verbindung entstand durch die Ehe seines Sohnes mit einer Tochter des Industriellen Johann Adam Kluge (1777–1849), wodurch Kluge zum Schwiegervater von Kaulichs Sohn wurde. Nach einem Brand der ursprünglichen Spinnerei wurden mehrere Nachkommen Kaulichs Direktoren der Fabriken Kluges in Trautenau.

Einzelnachweise

Kategorie:Geboren 1790 Kategorie:Gestorben 1869 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Kaisertum Österreich) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Politiker (19. Jahrhundert)