Mabelle Arole (; * 26. Dezember 1935 in Jabalpur, Madhya Pradesh; † 1999) war eine indische Ärztin und Vorreiterin der gemeindenahen Gesundheitsversorgung. Zusammen mit ihrem Ehemann Rajanikant Arole gründete sie 1970 in Jamkhed im indischen Bundesstaat Maharashtra das Comprehensive Rural Health Project, für das beide 1979 den Ramon-Magsaysay-Preis erhielten.
Leben Sie lernte Rajanikant Arole 1954 am Christian Medical College in Vellore kennen, wo beide Medizin studierten. Beim Abschluss an dieser Hochschule belegte Mabelle Arole den ersten und Rajanikant Arole den zweiten Rang ihrer Klasse. Nach dem Studium arbeiteten beide zunächst in ländlichen Regionen Karnatakas und Maharashtras und von 1962 bis 1966 an einem freiwilligen Krankenhaus in Maharashtra. Anschließend gingen sie mit einem Fulbright-Stipendium in die Vereinigten Staaten, absolvierten klinische Weiterbildungen und erwarben an der Johns Hopkins University in Baltimore einen Masterabschluss in öffentlicher Gesundheit. Nach ihrer Rückkehr entschieden sie sich bewusst für Jamkhed, eine arme und von Dürre geprägte Region nahe dem Herkunftsgebiet Rajanikant Aroles. Mabelle Arole starb 1999; ihre Kinder Ravi und Shobha führten das Projekt später weiter.
Wirken Arole und ihr Ehemann begannen in Jamkhed zunächst mit kurativer Medizin, weil die Bevölkerung akute Behandlung erwartete und dieses Angebot Vertrauen in ihr späteres Gesundheitsprogramm schuf. Aus dieser Arbeit entwickelte sich das Comprehensive Rural Health Project, das Gesundheitsversorgung mit sauberem Wasser, Sanitärmaßnahmen, Ernährung, Landwirtschaft, Frauenförderung und dem Abbau von Kastengrenzen verband. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Ausbildung von Frauen aus den Dörfern zu Dorfgesundheitsarbeiterinnen, die von ihren Gemeinden ausgewählt wurden, Schulungen erhielten und für Schwangerschaftsvorsorge, Impfungen, Gesundheitsaufklärung, einfache Behandlungen und die Überweisungen schwerer Fälle zuständig waren. Mabelle Arole und ihre Tochter Shobha Arole gehörten zu den Personen, die diese Gesundheitsarbeiterinnen am Zentrum in Jamkhed ausbildeten. Das Programm setzte gezielt auf Frauen, die häufig arm, illiterat oder Angehörige benachteiligter Kasten waren, und führte medizinische Aufgaben mit dem Aufbau von Selbstvertrauen und lokaler Autorität zusammen. Das Modell verringerte in Projektdörfern Kindersterblichkeit, Mangelernährung, fehlende Schwangerschaftsvorsorge und Stigmatisierung von Tuberkulose- und Leprakranken deutlich. Die Ramon-Magsaysay-Preisstiftung würdigte das Ehepaar Arole dafür, in einer armen Region West-Zentralindiens eine selbsttragende Bewegung für Gesundheit und wirtschaftliche Verbesserung geschaffen zu haben. Jamkhed wurde so zu einem über die Grenzen Indiens hinaus zu einem einflussreichen Modell gemeindenaher Primärversorgung, das Gesundheitsarbeiterinnen und Fachleute aus vielen Ländern inspirierte. Neben dem Ramon-Magsaysay-Preis erhielten Rajanikant und Mabelle Arole für ihr gemeinsames Werk im Jahr 1990 den Padma Bhushan National Award for Social Service; 2005 folgte für das Projekt zudem der Mother Teresa Memorial National Award for Social Justice.
Einzelnachweise
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