Gnanatheepam „Gethsie“ Shanmugam (, ; * 1934 in der Region Nawalapitiya) ist eine sri-lankische Lehrerin und psychosoziale Beraterin. Für ihre Arbeit mit Kriegswitwen, Waisen und traumatisierten Kindern wurde sie 2017 mit dem Ramon-Magsaysay-Preis ausgezeichnet.
Leben Shanmugam wuchs als Tochter eines leitenden Angestellten der Teeplantage Craighead auf und verlor ihre Mutter im Jugendalter. Sie besuchte das Mowbray College in Kandy und begann dort 1951 als angehende Lehrerin zu arbeiten. Nach einer Lehrerausbildung in Jaffna heiratete sie Muthuvelu Shanmugam und unterbrach ihre Berufstätigkeit mehrere Jahre. Als ihre Kinder älter waren, nahm sie 1967 am St. Joseph’s College in Colombo eine Tätigkeit als Englischlehrerin auf. Am St. Joseph’s College wurde ihre besondere Zuwendung zu Schülern bemerkt; daraufhin absolvierte sie bei Mervyn Fernando am Aquinas College sowie am Family Studies and Services Institute eine Ausbildung in Beratung.
Wirken Nach ihrem Ausscheiden aus dem St. Joseph’s College im Jahr 1983 begann Shanmugam psychosoziale Arbeit mit Kindern und Familien, die durch den Bürgerkrieg in den Nord- und Ostprovinzen Sri Lankas vertrieben worden waren. Mit Save the Children Norway, auch Redd Barna genannt, übernahm sie führende Aufgaben bei Programmen, Forschung, Ausbildung und Beratung zur psychosozialen Unterstützung in kriegsbetroffenen Schulen. Als tamilischsprachige Fachkraft überschritt sie während des Krieges Grenzen zwischen singhalesischen und tamilischen Gebieten, beriet Betroffene und schulte Lehrkräfte sowie Mitarbeitende von Nichtregierungsorganisationen. Ihre Arbeit in Konfliktgebieten war von Bombardierungen, Durchsuchungen und drohenden Festnahmen begleitet. In Gemeinden entwickelte sie indirekte Schutz- und Unterstützungsprojekte, weil offen ausgesprochene Warnungen vor der Rekrutierung von Kindern Misstrauen und Gefahr auslösen konnten. Kriegswitwen bezeichnete sie zur Vermeidung stigmatisierender Zuschreibungen und Stärkung ihres Selbstwertgefühls bewusst als „Ammas“. Nach dem Tsunami von 2004 bildete sie in einem staatlichen Pilotprogramm 80 Lehrkräfte aus, damit traumatisierte Kinder in Schulen ein stützendes Umfeld vorfanden. In ihrer Arbeit griff sie auch auf Ansätze des Entwicklungspsychologen Karsten Hundeide und der Kinderpsychiaterin Elizabeth Jareg zurück und entwickelte mit ihnen ein Modell der Verwandtenpflege für verwaiste oder von Angehörigen getrennte Kinder in Konfliktgebieten. Shanmugam beschrieb sich nicht als Aktivistin, sondern als jemand, der leise unterstützend arbeitet und Versöhnung vor allem über Kinder und Jugendliche fördert. Ihr wurde der Ramon-Magsaysay-Preis am 31. August 2017 in Manila verliehen. Die Stiftung des Preises würdigte insbesondere ihren Mut und ihre jahrzehntelange Arbeit zum Aufbau psychosozialer Unterstützung für Frauen und Kinder, die als besonders verwundbare Opfer des Krieges gelten.
Einzelnachweise
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