Das Amerikateichhuhn (Gallinula galeata) ist eine Vogelart aus der Familie der Rallen (Rallidae), die von Kanada bis Argentinien und Chile und den Inseln Hawaiis sowie den karibischen Inseln vorkommt. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.
Merkmale Das Amerikateichhuhn erreicht eine Körperlänge von ca. 32,0 bis 35,0 cm bei einem Gewicht von ca. 310 bis 456 g. Das Männchen ist größer und schwerer als das Weibchen. Dieser Unterschied ist manchmal in freier Natur erkennbar. Das adulte Gefieder ist überwiegend schwarz, wobei der Rücken, die Flanken und die Seitenpartien in eine dunkelgraue Färbung übergehen. Der Schulterbereich, die Flügel und der Bürzel sind bräunlich. Ein auffälliger weißer Streifen zieht sich entlang der Oberseite, den Seiten und den Flanken. Die seitlichen Unterschwanzdecken sind weiß und durch schwarze mittlere Unterschwanzdecken abgegrenzt.
Der Schnabel und ein großes Stirnschild, der sich bis knapp über den vorderen Augenrand erstreckt und meist quadratisch oder am Hinterrand abgeflacht ist, leuchten rot. Die Schnabelspitze ist gelb. Es hat leuchtend gelbe Beine mit rotem Fleck oder eine Art Strumpfband, das schwer zu erkennen ist, im oberen Bereich. Das Gefieder adulter Vögel bleibt das ganze Jahr über ähnlich, jedoch werden Kinn, Kehle und übrige Unterseite hellgrau. Der Schnabel und Stirnschild wirken im Schlichtkleid, also in der Nichtbrutzeit, matter.
Jungvögel sind insgesamt bräunlich grau, wirken matter als Altvögel und sind auf der Unterseite deutlich heller, sowie am Bauch eher weißlich. Außerdem haben sie einen blass gelbweißen Überaugenstreif. Die weißen Flankenstreifen und Muster der Unterschwanzdecken ähneln dem von adulten Vögeln. Der Schnabel und das Stirnschild sind matt grünlich braun, die Beine matt olivgrau.Brett K. Bannor, u. a. (2020)
Lautäußerungen Die Küken vom Schlüpfen bis kurz vor dem Erwachsenwerden stoßen Puh- oder Piep-Piep-Rufe aus. Ebenso wurde der Ruf der Küken als ein hohes, quietschendes Wiah, welches regelmäßig wiederholt wird beschrieben. Die Jungvögel folgen ihren Eltern und rufen dabei mit hoher winselnder Stimme. In Gefangenschaft erklang dann der Ruf wie bei erwachsenen Vögeln nach 54 Tagen. Außer den Alarmrufen sind die Jungtiere eher ruhig.
Erwachsene Vögel geben eine komplexe Vielfalt an Lauten von sich, die ineinander übergehen und in verschiedenen Kombinationen vorgebracht werden. Zu den primären Lautäußerungen gehört Gackern, Krächzen, Jaulen und Glucksen. Das Gackern besteht aus einer Abfolge schriller Töne, wobei die ersten Töne leicht ansteigen und die folgenden Töne in der Tonhöhe abfallen und in einem etwas langsameren Tempo erklingen. Es klingt wie ka-ka-ka-ka-ka-ki-kri-kri-kri-kri. Das Krächzen ist ein explosives, lautes, raues kr-a-a-a in gleichbleibender Tonhöhe. Das Jaulen klingt wie ein schriller hoher Ton, der als Pip beschrieben wird. Das Gackern ist ein leiserer, tieferer Ton, der einzeln oder mehrfach von sich gegeben wird. Es wird als petuk-petuk-petuk oder tot-tot-tot wiedergegeben. Ein leiser Flugruf kek-kek-kek kann dem dreifachen Gackern ähneln.
Im Marschland des Hudson River wurden Lautäußerungen von Ende April gehört. Diese hielten den ganzen Mai über intensiv an, nahmen im Juni stark ab und waren nach Juni nur noch selten zu hören. Am Hudson River riefen die Vögel am intensivsten in der Morgendämmerung und in geringerem Maße in der Abenddämmerung, tagsüber mit geringerer Intensität und nachts nur selten. Aus Massachusetts wurde berichtet, dass der Vogel intensiv am frühen Morgen und am späten Nachmittag, nach Einbruch der Dunkelheit jedoch nur selten, ruft. Vermutlich ist das Gackern ein Revierruf der Männchen. Das Krächzen könnte ein Anlockruf sein. Das Jaulen wird als Alarmruf interpretiert. Das Glucksen hört man, wenn die Eltern die Jungtiere ausführen. Die Stimme des Männchens ist tiefer als die des Weibchens. Ein gurgelndes Geräusch entsteht durch kräftiges Treten im Wasser während der Balz. Auch das Schlagen mit einem oder beiden Flügeln auf das Wasser erzeugt deutliche Spritzgeräusche.
Fortpflanzung mini|Nest des Amerikateichhuhns mini|Brütendes Weibchen des Amerikateichhuhns Nestbau Der Nestbau des Amerikateichhuhns beginnt kurz vor der Eiablage. Aus Ohio ist bekannt, dass der Nestbau seinen Höhepunkt erreicht, wenn die Rohrkolben am höchsten sind und diese eine Höhe von 45 bis 100 cm über dem Wasser erreichen. In den Reisfeldern von Louisiana beginnt der Nestbau sechs bis sieben Wochen später als in den nahegelegenen Sümpfen. Dies ist etwa sieben Wochen nach der Reisaussaat mit einer Höhe der Reispflanzen von 80 bis 90 cm. In den Taro-Feldern auf Hawaii befinden sich 95 % der Nester in Taro-Pflanzen, die mindestens 4 Monate alt waren. In Nordamerika variiert der Beginn des Nestbaus je nach Breitengrad.
Die Brutzeit dauert in den südlichen Bundesstaaten in der Regel 5,5 bis 6,5 Wochen länger als im Norden. In einer Studie in Ohio reichte der Zeitraum für den Beginn des Nestbaus vom 2. Mai bis zum 10. Juli, wobei der Höhepunkt zwischen dem 17. und 31. Mai lag. In Louisiana wurde der Nestbau von der ersten Aprilwoche bis Anfang August begonnen, was einer Brutzeit von 122 bis 131 Tagen entspricht. In South Carolina begannen 52 % von 82 Nestern im Mai.
Das Amerikateichhuhn nistet ganzjährig in Florida und auf den Hawaii-Inseln. Es wird berichtet, dass sie in Pennsylvania und Michigan zwei Bruten pro Saison hervorbringen. Ein Paar in einem künstlichen Zooteich mit Zusatzfutter in Florida brachte sogar fünf Bruten pro Jahr hervor. Es nistet in einer Vielzahl von aquatischen Lebensräumen, darunter Sumpfgebiete mit über dem Wasser ragenden Pflanzen, eutrophe Seen, Reisfelder (Reisanbau, Lotus und Taro), landwirtschaftliche Teiche sowie Gruben und dazugehörige Absetzbecken. In Ohio ist die Nistdichte in halbpermanent überfluteten Feuchtgebieten mit schmalblättriger, ausdauernder, aus dem Wasser ragender Vegetation, einer Fülle von untergetauchten Wasserpflanzen und einem Verhältnis von Bewuchs zu offenem Wasser von 1:1 am höchsten.
Die Aktivität von Bisamratten kann sich positiv auf die Brut von Sumpfhühnern auswirken, da sie ein günstiges Verhältnis von aus dem Wasser ragender Vegetation zu offenem Wasser aufrechterhält. An einem Standort in South Carolina sieht man sie oft in Kolonien von Bootschwanzgrackel (Quiscalus major) nisten.
Die meisten Nester befinden sich in robuster, aus dem Wasser ragender Wasserpflanzenvegetation. Es kann aber auch vorkommen, dass es auf Matten aus schwimmender Vegetation, schwimmenden Pflanzenresten oder schwimmenden Baumstämmen nistet. Es wurde ebenso berichtet, dass es auf toten Baumstümpfen, auf über Kanäle ragenden Bäumen, in Astgabeln von aus dem Wasser ragenden Sträuchern, auf verlassenen oder gelegentlich noch bewohnten Nestern anderer Vögel, an Ufern in Wassernähe und selten in dornigen Reben 60 bis 90 cm über dem Wasser nistet. Das Amerikateichhuhn in Hawaii nistet in Feuchtwiesen und auf offenem, festem Boden an Ufern von Gewässern sowie in aus dem Wasser ragender Vegetation.
Daten aus 183 nordamerikanischen Nistkarteikarten, die eine Identifizierung zumindest bis zur Familie ermöglichten, ergaben folgende Pflanzen, die für den Nestbau benutzt wurden. So waren darunter Rohrkolben, Igelkolben, Echter Eibisch, Sauergrasgewächse, Schilfrohr, Gewöhnlicher Blutweiderich, Gehölze wie Westlicher Knopfbusch, Weiden, Cornus racemosa, Syngonium podophyllum, Herzblättriges Hechtkraut, andere Gräser wie Panicum hemitomon, Panicum repens, Zizaniopsis miliacea, Knöteriche, Flatter-Binse, Seggen, Teichrosen, Wassernabel, Schwertlilien und Dickstielige Wasserhyazinthe. Obwohl Rohrkolben bevorzugt scheinen, befanden sich im Lacassine National Wildlife Refuge, die meisten Nester in einer Mischung aus Panicum hemitomon und Sagittaria lancifolia. Die Nutzung einer Vielzahl robuster, aus dem Wasser ragender Pflanzen als Nestunterlage deutet darauf hin, dass eher die Robustheit der Pflanzen und eine mäßige Wassertiefe bevorzugt werden als die Pflanzenart an sich.
Standort des Nestes Das Nest ist häufig am Rand von aufstrebender Vegetation, aber in der Nähe von offenem Wasser. Beim Nestbau steht es in Konkurrenz zum Zwergsultanshuhn und Indianerblässhuhn, die im gleichen Habitat ihr Nest bauen. Beide Geschlechter beteiligen sich am Bau und an der Pflege der Nester. Es wird berichtet, dass die Männchen den größten Teil des Materials sammeln, während die Weibchen den größten Teil der Anordnung des Materials am Nistplatz übernehmen.
Die Nester sind in der Regel in der über dem Wasser ragenden Vegetation verankert. Der Nestboden besteht aus groben Zweigen oder Stängeln oder aus Blattspreiten von Pflanzen, die sich im Boden festsetzen, die kreuz und quer gebogen werden. Anschließend werden Blätter hinzugefügt und zu einer Nestschale geformt. Der Nestbau beginnt bereits 12 Stunden vor der Ablage des ersten Eies, doch handelt es sich in diesen Fällen lediglich um einen Grundstein, der im Zuge der weiteren Eiablage um Material ergänzt wird. Häufig weisen Nester an einer Seite eine Rampe auf. Gelegentlich wurden die Spitzen der grasartigen Pflanzen zusammengezogen, um einen Bogen über dem Nest zu bilden. In einem Sumpfgebiet in Iowa bestanden die Nester bei 18 von 19 Nestern vollständig aus getrockneten Rohrkolbenstängeln, während in Reisfeldern in Louisiana Nester aus Reisblättern gebaut wurden.
Die Nester sind im Norden größer als im Süden. In Louisiana wurde der mittlere Außendurchmesser mit 24,1 cm, die mittlere Außenhöhe mit 12,0 cm, der mittlere Innendurchmesser mit 12,1 cm und die mittlere Schalentiefe mit 4,5 cm gemessen, in Pennsylvania der mittlere Außendurchmesser 30,5 cm, die mittlere Außenhöhe mit 20,3 cm, der mittlere Innendurchmesser mit 12,7 cm und die mittlere Schalentiefe mit 7,6 cm. Es wurde berichtet, dass die Vögel als Reaktion auf steigendes Wasser nach starken Regenfällen genügend Material hinzufügen, um ein Nest mit einem Durchmesser von 25 cm zu errichten. Es kann vorkommen, dass das Nest für ein Ersatzgelege oder ein zweites Gelege wiederverwendet wird.
Eier Die Eier sind elliptisch oder kurz subelliptisch. Es gibt große Unterschiede in Form und Größe. In Nordamerika wurden Eier 39,0 bis 49,5 × 28.0 bis 33,0 mm gemessen, in Pennsylvania und New Jersey 41,9 bis 53,3 × 30,5 bis 34,5 mm, in Iowa mit 40,0 bis 47,4 × 29,7 bis 33,7 mm und auf Hawaii mit 44,1 mm × 31,5 mm. Aus Miami werden die Eier als rauchgrau mit variablen Markierungen beschrieben. Die Zeichnungen bestehen aus verstreuten Flecken, Punkten und winzigen Sprenkeln. Intraspezifischer Brutparasitismus verzerrt oft die Schätzungen der Gelegegröße, allerdings kann ein einzelnes Weibchen bis zu 10 Eier legen. Legehennen legen alle 24 Stunden ein Ei, bis das Gelege vollständig ist.