Das Schwert des Ares ist eine bei dem spätantiken Geschichtsschreiber Priskos (ca. 410/20 – um 474) überlieferte sakrale Waffe, die im Zusammenhang mit der Herrschaft des Hunnenkönigs Attila († 453) gestanden haben soll.

Priskos schildert in seinem Gesandtschaftsbericht über die Reise an den hunnischen Hof im Jahre 449, dass Attila ein dem Kriegsgott Ares geweihtes, uraltes Schwert besessen habe, dessen Wiederauffindung als göttliches Zeichen seiner künftigen Weltherrschaft gedeutet worden sei. Neben der knappen Mitteilung des Priskos, die in den Excerpta de legationibus aus dem 10. JahrhundertPriskos, FHG IV, 91, F8. überliefert ist, steht eine ausführlichere Darstellung bei JordanesJordanes, Getica 35,183. († nach 552), der sich ausdrücklich auf Priskos bezieht. Ob das Zitat in den Excerpta eine gekürzte Fassung einer ursprünglich längeren Darstellung ist oder ob Jordanes die Erzählung weiter ausgeschmückt hat, lässt sich nicht eindeutig entscheiden.Cameron Barnes: Sword of Ares, 2023, S. 2f. Der Darstellung bei Jordanes folgend habe ein Hirte das im Boden verborgene Schwert entdeckt, nachdem er der Blutspur eines verletzten Tieres gefolgt sei, und die Waffe anschließend Attila übergeben. Dieser habe den Fund dann als Bestätigung seiner göttlichen Sendung als Weltherrscher gedeutet.

Die Historizität der Geschichte wird unterschiedlich beurteilt. Teils wird die Existenz eines solchen sakralen Schwertes für möglich gehalten und mit vermeintlich weit verbreiteten Schwertkulten eurasischer Steppenvölker in Verbindung gebracht – mitunter gilt das Objekt sogar als zentrales Element der Herrscherrepräsentation Attilas und als wesentlicher Bestandteil seiner Herrschaftslegitimation;Giuseppe Zecchini: Spada di Marte, 2017, S. 139–45; Reinhold Merkelbach: Aus der Zeit des Übergangs vom Mythos zur Historie . In: Ders. Hestia und Erigone Vorträge und Aufsätze, hrsg. v. Wolfgang Blümel u. a., Stuttgart/Leipzig 1996, S. 235–45, hier: S. 239f.; Otto Maenchen-Helfen: The World of the Huns. Studies in their History and Culture, Barkeley 1973, S. 280; Christopher Kelley: Attila the Hun. Barbarian Terror and the Fall of the Roman Empire, Toronto 2008, S. 77f., 252; Mischa Meier: Völkerwanderung. In: Reallexikon für Antike und Christentum, Bd. 33, Lfg. 264, Stuttgart 2026, Sp. 1068–1103, hier: Sp. 1094. Für das Deutungsspektrum vgl. insbes. Cameron Barnes: Sword of Ares, 2023, S. 1. andere Ansätze deuten die Erzählung hingegen als literarisch-ideologische Konstruktion. Vertreter der skeptischen Position betonen, dass die Geschichte in mehrfacher Hinsicht nicht mit den bekannten religiösen und politischen Vorstellungen der Hunnen vereinbar ist. Weder entsprach das Schwert den üblichen Symbolen von Herrschaft, noch passt die Zuschreibung universalherrschaftlicher Legitimation durch einen Kriegsgott zu dem aus anderen Quellen rekonstruierbaren Herrschaftskonzept der Steppenvölker.Cameron Barnes: Sword of Ares, 2023, S. 4–7.

Stattdessen lässt sich die Erzählung, so die skeptische Position, plausibel als Produkt spätantiker römischer Deutungsmuster verstehen. Die Gleichsetzung der Hunnen mit den aus der antiken Literatur bekannten Skythen sowie die Vorstellung eines in Schwertform verehrten Kriegsgottes gehen auf die Rezeption HerodotsHerodot 4,5; 62. und dessen Nachwirkung in der lateinischen Historiographie zurück.Cameron Barnes: Sword of Ares, 2023, S. 7–9. Als Urheber der Erzählung dürfte demnach am Ehesten jener Pannonier im Dienst Hunnen mit dem Namen Constantiolus anzusehen sein, der sie der Gesandtschaft unmittelbar vor ihrer Audienz bei Onegesius, einer hochrangigen Persönlichkeit am Hof, vortrug. Dies geschah offenbar mit der Absicht, diese durch den Rückgriff auf vertraute Topoi zu verunsichern und einzuschüchtern.Priskos, FHG IV, 90–91, F8; Cameron Barnes: Sword of Ares, 2023, S. 9–11. In dieser Perspektive erscheint das „Schwert des Ares“ weniger als historisches Objekt denn als rhetorisches Mittel zur Inszenierung und Steigerung hunnischer Machtansprüche gegenüber den Römern.

Literatur Giuseppe Zecchini: Attila e la spada di Marte. In: I disegni del potere, il potere dei segni, hrsg. v. Claudia Giuffrida/Margherita Cassia, Catania 2017, S. 139–45. Cameron Barnes: Attila and the Sword of Ares. In: Journal of Late Antique, Islamic and Byzantine Studies 2/1–2 (2023), S. 1–11.

Anmerkungen

Kategorie:Individuelles Schwert Kategorie:Attila Kategorie:Spätantike Kategorie:Ares