mini|Ansicht der neuen jüdischen Trauerhalle in Altenbochum, Bochum, 2026 Der Jüdische Friedhof Altenbochum ist der Friedhof der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen im Bochumer Stadtteil Altenbochum.
Vorgeschichte Der Jüdische Friedhof Wiemelhausen an der Wasserstraße diente seit 1918 der „als Zentralfriedhof für die israelitischen Mitbürger“.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1913 bis 1924 - S. 121 In den 1990er ist die jüdische Gemeinde durch den Zuzug von jüdischen Bürgern aus den Staaten der ehemaligen UdSSR, wie viele Gemeinden in Deutschland, stark gewachsen. In den 2010er war absehbar, dass aufgrund des Ewigkeitsrechts der belegten Grabstätten, ab 2018 keine Fläche mehr zur Verfügung steht.
Der Hauptfriedhof Bochum wurde in den 1930er Jahren angelegt, und mehrfach erweitert. Über den trennenden Stadtring erfolgte 1971 eine Ausdehnung bis zur Havkenscheider Straße. Dort wurde An der Feldmark in den Jahren 1973/74 im Stil des Brutalismus die Trauerhalle Ost gebaut.In der Literatur wird irrtümlicherweise als Bauzeit des Komplexes Trauerhalle Ost verschiedentlich die erste oder zweite Hälfte der 1960er-Jahre angegeben. So nennt zum Beispiel die Publikation Bund deutscher Architekten, Kreisgruppe Bochum (Hrsg.): Bauen in Bochum. Architekturführer. (= Architektur im Ruhrgebiet. Band 4). Bochum 1986, ISBN 3-920612-32-9, S. 167 als Bauzeit die Jahre 1963–64. Die Akten zeigen jedoch, dass erst 1972 der Ratsbeschluss zum Bau des Komplexes erfolgte und im Anschluss die Ausführung. Sie wurde benötigt, da das neue Gräberfeld lange Wege bei Beerdigungen nötig machte. Von den östlichen Teilen der geplanten Erweiterungsfläche wurden größere Teile durch den Wandel der Beerdigungskultur nicht belegt. Die vorhandene ehemalige Trauerhalle Ost wurde wegen mangelnder Auslastung in den 2010er Jahren geschlossen und 2015 unter Denkmalschutz gestellt.Denkmaleintrag A 699 in die Denkmalliste der Stadt Bochum
Eine Alternative auf dem Friedhof Höntrop wurde verworfen, unter anderem konnte die Trauerhalle aus konfessionellen Gründen nicht gemeinsam genutzt werden, und die Verkehrsanbindung wäre für die verteilte Gemeindestruktur (Herne, Bochum, Hattingen) ungünstig.Beschlussvorlage der Verwaltung, Nr.: 20180773
Im Jahr 2011 wurde vom Rat der Stadt Bochum beschlossen, den östlichen Teil des Hauptfriedhofs der jüdischen Gemeinde als neue Begräbnisstätte zu überlassen. Für die Stadt entfiel damit auch der Pflegeaufwand für die Fläche. Die Gemeinde wollte nicht die Trauerhalle Ost übernehmen, unter anderem wegen der nicht benötigten Aufbahrungsräume und Betriebsgebäude, und der zu erwartenden Folgekosten. Die Betriebsgebäude wurden in den folgenden Jahren abgerissen. In der alten Trauerhalle und den neu gebauten Gebäuden entstand das Fritz-Bauer-Forum, nach Fritz Bauer benannt, dem Juristen jüdischer Herkunft, der maßgeblich an der Verfolgung der Verbrechen der NS-Zeit mitgewirkt hat.
Der jüdische Friedhof mini|Ansicht der Trauerhalle (links) und des jüdischen Friedhofs (oben). Rechts die Baustelle des Fritz-Bauer-Forum. Das etwa 1,4 ha große Gelände wurde 2011 vom östlichen Teil des Hauptfriedhofs Bochum abgetrennt und als neuer jüdischer Friedhof eingerichtet. Die Fläche bietet Planungssicherheit für 100 Jahre. Die Fläche wurde für einen symbolischen Euro überlassen. Weitere Kosten werden von der jüdischen Gemeinde getragen.Karte des geplanten Jüdischen Friedhofs im Ratsinformationssystem der Stadt Bochum Der Friedhof wird in Eigenregie mit eigener Friedhofssatzung, Abwicklung der Kosten etc. betrieben.
Die jüdische Gemeinde entschied sich für den Neubau einer Trauerhalle, welche sich angemessen in die landschaftliche Umgebung einfügt. Sie entstand im Jahr 2020. Der großzügig geöffnete Eingangsbereich öffnet die Trauerhalle zur Straße hin, eine Fensteröffnung auf der Rückseite erlaubt einen Blick auf den Landschaftsraum mit dem Gräberfeld. Eine einheitliche, hochwertige Raumwirkung entsteht durch die klare Materialwahl und durchgängige Gestaltung der Trauerhalle, die bronzefarben ist und eine gefaltete Aluminiumfassade hat. Eine würdevolle, moderne Atmosphäre, die Funktionalität und gestalterischen Anspruch mit Tageslichtführung, gezielten Öffnungen und warmen Holzoberflächen verbindet, wird dabei geschaffen. Die Trauerhalle wurde 2023 mit dem Architekturpreis Bochum (BDA) ausgezeichnet.
Im Eingangsbereich im Westen des Hauptfriedhofs befindet sich die monumentale Architektur aus der NS-Zeit. Die Stilkonzeption der reduzierten Architektur der Trauerhalle im Ostteil steht dem konträr gegenüber.
Siehe auch Liste von Friedhöfen in Bochum Jüdisches Leben in Bochum
Einzelnachweise
Altenbochum Kategorie:Jüdischer Friedhof in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Judentum in Bochum