mini|hochkant|Wappen derer von Tubeuf Tubeuf (auch Tuboeuf oder Tubœuf) ist der Name eines normannischen Uradelsgeschlechts. Es gehört zu den ältesten Geschlechtern der Normandie. In Frankreich ist das Geschlecht erloschen. Ein letzter Spross wanderte im Jahr 1742 nach Erlangen im damaligen Fürstentum Bayreuth aus. Prominente Familienmitglieder sind der französische Bischof Michel Tubeuf, sein Bruder, der königliche Finanzverwalter Jacques de Tubeuf, sowie der Forstwissenschaftler Carl von Tubeuf und dessen Bruder, der Offizier Anton von Tubeuf. Einige Familienmitglieder waren Wissenschaftler, andere in militärischen Diensten.
Geschichte Nach Angaben des Gotha (Freiherrliche Häuser, 1867) reichen die ersten Nachrichten über die Familie Tubeuf bis in das 12. Jahrhundert zurück. Nach einem jüngeren Jahrgang (1941) derselben Bücherreihe wird die Stammreihe bis 1249 zurückgeführt. In jenem Jahr erscheinen die Pariser Kanoniker Raimund und Heinrich Tubeuf (Raimundo & Henrico Tubeuf canonicis Parisiensibus).Gallia Christiana, Band 7, 1744: Kirchenprovinz Paris, erster Teil, Sp. 677 (Google Bücher). Von einem Pariser Domherren „Heinrich genannt Tuebeuf“ wird auch für das Jahr 1277 berichtet.Friedrich Eginhard Schiern: F. Schiern's Uebersicht der Auswanderungen der Normannen aus der Normandie nach Italien und der ersten Eroberungen derselben in Neapel und Sizilien. Minden 1851, S. 39 (Google Bücher). Der Freiherrenstand der Familie ist bis ins Jahr 1571 zurück nachweisbar, ein konkretes Diplom liegt aber nicht vor.
Das Stammgut ist die ehemalige Baronie Tubeuf bei L’Aigle in der Normandie.
Michel Tubeuf (1602–1682), Sohn von Simon Tubeuf, war 1653–1664 Bischof von Saint-Pons-de-Thomières und 1664–1682 Bischof von Castres. Am Bischofspalast von Castres ist sein Bischofswappen noch heute sichtbar. Sein Bruder Jacques de Tubeuf (1606–1670) war Berater des Königs in seinen Räten und Finanzverwalter sowie Präsident der Rechnungskammer (Chambre des Comptes). Nach diesem ist das Hôtel Tubeuf, ein Stadtpalais in der Rue des Petits-Champs 8 in Paris, benannt, das er 1641 kaufte und umbaute. Das Stadtpalais ist heute Teil des Site Richelieu der Bibliothèque nationale de France.
Der ab 1787 letzte männliche Spross der französischen Tubeuf, Simon Charles Baron de Tubeuf (1715–1807), Sohn des Pariser Parlamentsrats Simon-Joseph Tubeuf (1686–1767) und der Marie Catherine-Charlotte du Soul de Beaujour, war bereits 1742 nach Erlangen im Fürstentum Brandenburg-Bayreuth gezogen. Ein 1723 von François de Troy gefertigtes Porträt seiner Mutter, die zuletzt mit dem Parlamentsrat Louis Le Pestre verheiratet war, hängt in der Staatsgalerie Stuttgart. Simon Charles de Tubeuf hatte nach einem Duell sein Regiment, das im Österreichischen Erbfolgekrieg in Böhmen eingesetzt war, verlassen müssen und war in den Hofdienst des Markgrafen Friedrich von Bayreuth (1711–1763) eingetreten. Simon Charles (im Deutschen nun Simon Karl) war markräflicher Hauptmann, Kammerherr sowie Bau- und Operndirektor. Er heiratete 1751Thomas Engelhardt: Die Kunst des Porträts aus Erlanger Sammlungen: eine Ausstellung des Stadtmuseums Erlangen vom 23.11.2008 bis 15.2.2009, Stadtmuseum Erlangen, 2008, S. 78. Frederike von Weitershausen (1722–1780), Tochter des markgräflich bayreuthischen Ministers Freiherr von Weitershausen.Wilhelm Zils: Geistiges und Künstlerisches München in Selbstbiographien, 1913, S. 371. 1768 kaufte er von Familie von Bünau ein Adelspalais in der Erlanger Friedrichstraße. Das Wappen der Familie Tubeuf mit der Devise „DEO ET VIRTUTI“ befindet sich noch heute im Dreiecksgiebel des Hauptgebäudes. Ein Jahr später, 1769, kaufte er vom Obristen Ludwig Johann Ernst von Holleben und dessen Ehefrau Margareta Charlotte von Stürzel das Rittergut Beerbach und zog mit seiner Familie dorthin. Nur wenige Jahre nach dem Tod von Friederike (1780) verkaufte Simon Charles de Tubeuf das Rittergut Beerbach für 60.000 Gulden an Ansbach-Bayreuth und zog nach Erlangen, wo er 1807 nach einer recht schillernden Karriere, als Geheimer Rat verstarb. Wie die Landesfürsten Friedrich III., Friedrich Christian und Alexander war er Freimaurer und gehörte der von Friedrich III. gegründeten Bayreuther Großloge Zur Sonne an.Bernhard Beyer: Geschichte der Grossloge "Zur Sonne" in Bayreuth: Die Mutterloge. Von 1741–1811, 1954, S. 88.
Sein jüngerer Bruder Simon Claude Amable Baron de Tubeuf (1725–1787), wie sein Vater Rat des Pariser Parlaments, heiratete Elisabeth Louise Richard (1736–1781). Sie hatten drei Kinder: Elisabeth Christiane de Tubeuf (1771–1829), Simon Claude de Tubeuf (1776–1786) und Henriette Amable Elisabeth de Tubeuf de Blanzat. Letztere war mit dem Abgeordneten Adrien-Jean-François Duport verheiratet. Auch Simon Claude Amable Baron de Tubeuf muss zwischenzeitlich im Fürstentum Bayreuth tätig gewesen sein. Ein Schild mit seinem Wappen befindet sich in der Bayreuther Ordenskirche St. Georgen. Es trägt die Inschrift „Messire Simon Claude Amable Baron de Tubeuf, Chevalier Seigneur, Baron de Ver et de Blanzat, Loche, Moranse, Corancé, la Bertaudièrre au Gant et autres lieux. Conseiller honoraire de Sa M(ajesté) très Chrétienne en sa Cour de Parlament et Chevalier de l'orde de l'aigle rouge de Brandenbourg 1768“ (deutsch: „Herr Simon Claude Amable, Baron von Tubeuf, Ritter, Herr, Freiherr von Ver und Blanzat, Loche, Moranse, Corancé, La Bertaudière au Gant und anderen Orten. Ehrenrat Seiner Christlichsten Majestät am Hof des Parlaments und Ritter des Ordens vom Roten Adler von Brandenburg 1768“). Später jedoch war er in Ver-lès-Chartres ansässig, wo er auch beerdigt wurde.
Nach Gründung des Königreichs Bayern 1806 und dem Verkauf des Fürstentums Bayreuth an Bayern 1810 wurde Simon Charles’ Sohn Simon Friedrich Carl Freiherr von Tubeuf (1752–1819) am 20. Januar 1819 in den Adel des Königreichs Bayern immatrikuliert. Er war rheinpfälzischer Forstmeister und ansbachischer Kämmerer („ansbach. Km.“). Zu seinen Nachfahren zählen u. a. der Forstwissenschaftler Carl von Tubeuf (1862–1941), nach dem die Tubeufstraße in München-Allach benannt wurde, und dessen Bruder, der Offizier Anton von Tubeuf (1870–1950).
Stammfolge Die sichere Stammfolge beginnt mit Simon Tubeuf, Anwalt beim Parlement de Paris:
Wappen
Blasonierung: In Silber drei (2:1) fliegende schwarze Adler. Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken eine schwarze zwischen zwei silbernen Straußenfedern. Als Schildhalter zwei widersehende goldene Löwen. Der Wahlspruch lautet: Deo et virtuti (dt.: Gott und der Tugend).
Im 17. Jahrgang (1867) des Gothaischen Genealogischen Taschenbuchs der Freiherrlichen Häuser, worin das Wappen erstaufgenommen wurde („Erste Aufn. 1867“), und teilweise zuvor noch in den Siebmachers Wappenbüchern (1854 und 1878), ist stattdessen von „gestümmelte[n] schwarze[n] Krähen mit offenen Flügeln“ die Rede. Kneschke (1870) spricht von „gestümmelte[n], schwarze[n] Vögel[n] mit ausgespreizten Flügeln“. Johannes Baptista Rietstap blasoniert das Wappen wie folgt: „D’argent à trois corbeaux mornés de sable dans l’attitude d’aigles héraldiques.Bis hier (also ohne Blasonierung der Helmzier und sonstiger Prachtstücke) ist es auch der Wortlaut in: Annuaire héraldique. Contenant la nomenclature de toutes les familles françaises et étrangères existant actuellement en France en possion dún blason avec les noms, qualités, résidences des membres connus líndication de leurs alliances, Paris 1895, S. 489. Casque couronné. Cimier trois plumes d’autruche une de sable entre deux d’argent. Supports deux lions d'or“Johannes Baptista Rietstap: Armorial général. Précédé d'un dictionnaire des termes du blason, Band 2, Gouda 1887, S. 947. (deutsch: „In Silber drei schwarze Raben in der Haltung heraldischer Adler. Gekrönter Helm. Helmzier: drei Straußenfedern, eine schwarze zwischen zwei silbernen. Schildhalter: zwei Löwen in Gold.“).
In Frankreich kommen auch Varianten mit den Vögeln in gestürzter Position vor.Gaston Rouanet: Castres, hier et aujourd'hui, 1982, S. 59. Ebenfalls in Frankreich lautet eine Blasonierung: „Armes: d'argent à trois faucons volants de sable“ (Wappen: Silber mit drei schwarzen fliegenden Falken). Der wilhelminische Heraldiker Maximilian Gritzner stellte hingegen explizit heraus, dass es sich um Krähen handele: „Krähen (Tafel XIX. Fig. 1.) Als solche (2. 1. aufwärts fliegend) werden die 3 Vögel im Wappen der Freiherrn Tubeuf in Bayern erklärt“.Grosses und allgemeines Wappenbuch in einer neuen. Einleitungsband. Abt. A, B, Teil 2, Handbuch der heraldischen Terminologie, von Maximilian Gritzner, Nürnberg 1890, S. 90.
Literatur Karl Heinrich von Lang: Supplement zum Adelsbuch des Königreichs Bayern. Ansbach 1820. S. 74 (digitale-sammlungen.de). Konrad Tyroff: Wappenbuch des gesammten Adels des Königreichs Bayern, Band 4. Nürnberg 1821. Tfl. 30. (Google Bücher) Johann Christian von Hellbach: Adels-Lexikon, Band 2 (L–Z). Ilmenau 1826. S. 613 (Google Bücher). Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, Band 4 (Spaur–Z). Regensburg 1866. S. 101 (digitale-sammlungen.de). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 9 (Steinhaus – Zwierlein). Leipzig 1870. S. 304 (Google Bücher). J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch: Carl August von Grass, A. u. U. von Bierbrauer-Brennstein: Der Adel in Baden. Nürnberg 1878. S. 80 (uni-heidelberg.de) u. Tfl. 47 (uni-heidelberg.de). Otto Titan von Hefner: Der blühende Adel des Königreichs Bayern. Nürnberg 1854. S. 61 (digitale-sammlungen.de) u. Tfl. 65 (digitale-sammlungen.de). Johannes Baptista Rietstap: Armorial général. Précédé d'un dictionnaire des termes du blason, Band 2, Gouda 1887, S. 947 (Google Bücher) (französisch). Henri Victor Rolland: Planches de l’Armorial général de J.–B. Rietstap, Vol. 6 (T–Z), Lay Haye 1938, Tfl. LVII (delpher.nl) (französisch). Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser: Band 17. Gotha 1867. S. 977–978 (digitale-sammlungen.de). Band 43. Gotha 1893. S. 971 (Google Bücher). Band 87. Gotha 1937. S. 561–562 (Google Bücher Vorschau). Band 91. 1941. S. 511–512. Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels, Band 134. Adelslexikon 15 (Tre–Wee). C. A. Starcke, Limburg an der Lahn 2004. S. 68–69 (Google Bücher Vorschau) Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels: Franz-Josef zu Hohenlohe-Schillingsfürst (Hrsg.): Band 4. Neustadt a. d. Aisch 1953. S. 264–265. Band 12. Neustadt a. d. Aisch 1978. S. 447–449. Band 16. Neustadt a. d. Aisch 1986. S. 451–453. Band 20. Neustadt a. d. Aisch 1994. S. 493–495. Band 24. Neustadt a. d. Aisch 2002. S. 552–554. Band 29. Stegaurach 2012. Band 33. Altötting 2020.
Einzelnachweise
Kategorie:Französisches Adelsgeschlecht Kategorie:Bayerisches Adelsgeschlecht Kategorie:Stammliste