Die Lagunen von Villafáfila sind ein überregional bedeutsames und geschütztes Feuchtgebiet in der spanischen autonomen Gemeinschaft Kastilien und León. Die seichten Salzwasserseen sowie die umliegende Steppenlandschaft bilden wichtige Habitate für eine Vielzahl an Vögeln und beherbergen die weltweit größte Kolonie an Großtrappen.

Geographie

Lage Im Nordosten der Provinz Zamora gelegen, erstrecken sich die Lagunen über insgesamt elf Gemeindegebiete, insbesondere die von Villafáfila, Revellinos und Villarín de Campos, sowie über die Verwaltungsgemeinschaft Tierra de Campos in der autonomen Gemeinschaft von Kastilien und León. Die Größe des Schutzgebietes (Reserva Natural) beträgt 32.682 ha.

Geo- und Hydromorphologie Die Landschaft wird von einer weiten, steppenartigen Ebene dominiert in der nur vereinzelte sanfte Erhebungen erkennbar sind. Die Lagunen liegen in einer Senke auf ca. 675 m Höhe und werden sowohl durch Grundwasser wie auch durch Niederschläge und kleinere Bäche gespeist. Diese kleineren oberirdischen Zuflüsse trocknen in den Sommermonaten regelmäßig aus, ebenso wie auch die meisten Lagunen selbst. In den niederschlagsreichen Wintermonaten erreichen die maximalen Wassertiefen in den Seen nur selten mehr als einen Meter, wobei deutlich flachere Bereiche unter einem halben Meter Wassertiefe überwiegen und die Seen an den Randbereichen in weitläufige Feuchtwiesen übergehen. Es werden drei große Lagunen sowie eine Vielzahl weiterer kleinerer Lagunen unterschieden. Die drei größten Lagunen sind die Laguna Grande mit einer durchschnittlichen Wasserfläche von ca. 192 ha, die Laguna de Barillos mit 112 ha und die Laguna de las Salinas mit 70 ha. Bei winterlichen Hochwasserständen fallen die Wasserflächen deutlich größer aus. Über einen oberirdischen Abfluss verfügen nur die beiden letztgenannten Lagunen, in der Form, dass die Laguna de Barillos durch den Río Salado, der hier seinen Ursprung nimmt, in die Laguna de las Salinas entwässert und aus dieser dann der Río Salado weiter nach Süden fließt und später in den Rio Valderaduey einmündet.

Der Untergrund in dieser Feuchtgebietslandschaft wird aus tertiären Ablagerungen des Duero-Beckens gebildet, die mit quartären Schichten aus stauend wirkendem Lehm sowie sandig-lehmigen, flachgründigen Grundwasserschichtkörpern überlagert ist. Bedingt durch den hohen Anteil an Natriumchlorid und anderen Mineralstoffen in den tertiären Gesteinen, weisen die Gewässer hohe Salzkonzentrationen auf und sind reich an gelösten Mengen- und Spurenelementen. Sulfate und Carbonate liegen nur in geringen Mengen vor. Bereits in vorchristlicher Zeit wurde das Salz in den regelmäßig trockenfallenden Lagunen von den Menschen systematisch abgebaut, was heute jedoch nicht mehr praktiziert wird.

Klima Die Region liegt im Übergangsbereich zwischen den ozeanisch-kontinentalen und mediterran-kontinentalen Klimazonen. Die Winter sind kalt, windig und niederschlagsreich, die Sommer sehr heiß und trocken. Die mittlere Jahresniederschlagssumme liegt bei ca. 450 mm.

Schutzstatus und Schutzmaßnahmen Die Lagunen von Villafáfila wurden nach verschiedenen regionalen, nationalen und internationalen Regelungen geschützt. Die erste Ausweisung als Schutzgebiet erfolgte im Jahr 1972 als Zone mit kontrollierter Jagd durch die ehemalige spanische Organisation ICONA. Mit dieser Regelung konnte ein verbesserter Schutz für die Wasservögel erzielt werden. Im Jahr 1987 wurde das Gebiet als Zone mit besonderem Schutz von Vögeln (spanisch ZEPA) ausgewiesen und 1989 folgte die Anerkennung als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung durch die Aufnahme in die RAMSAR-Konvention. Seit 1991 sind die Lagungen als Reserva Natural geschützt und seit 1996 zusätzlich als Reserva Regional de Caza (regionales Jagdreservat) ausgewiesen, wodurch die Jagd innerhalb des Schutzgebietes strenger reguliert wurde. Mit dem Inkrafttreten der europäischen FFH-Richtlinie hat die Regierung von Kastilien und León die Lagunen zum Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung erklärt (spanisch: Lugar de Importancia Comunitaria - LIC) und in das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 integriert.

Sowohl regionale Förderprogramme der autonomen Gemeinschaft von Kastilien und León wie auch EU-Subventionen für nachhaltige Entwicklung tragen dazu bei, dass die Umweltbedingungen für bedrohte Vogelarten, wie die Großtrappe, durch angepasste Landbewirtschaftung verbessert werden. So wird beispielsweise der extensive Getreideanbau und insbesondere auch der Anbau von Luzerne, die für die Großtrappe und andere Steppenvögel eine wichtige Nahrung darstellt, bezuschusst und auch mittels Landerwerb durch die Regierung von Kastilien und León umgesetzt. Auch mit der Sanierung von alten Taubenhäusern (siehe weiter unten unter Menschliche Einflüsse und Nutzungen) werden Maßnahmen zur Habitatverbesserungen angestrebt, von denen u. a. die Rötelfalke oder die Schleiereule profitiert. Im Jahr 1995 wurde ein Informationszentrum eröffnet, das auch über eine weitläufige Außenanlage verfügt und zur Aufklärung, Bildung und Information der Bevölkerung beiträgt (siehe weiter unten unter Touristische Infrastruktur).

Flora Die heute bestehende weitläufige Ebene um die Lagunen wird als Pseudosteppe oder Getreidesteppe bezeichnet. Die ursprünglich natürliche Vegetation bestand aus Laubwäldern mit Steineiche, Erlen, Eschen, Pappeln, Feldulme und Tamariskenbüschen. Diese natürliche Waldvegetation ist weitestgehend verschwunden und durch großflächigen, meist extensiven Getreideanbau ersetzt worden. Etwas verstreut finden sich kleinere Waldgesellschaften aus überwiegend künstlich gepflanzten Kiefern, Steineichen und Hybrid-Pappeln.

Auf naturbelassenen Wiesen, Gras- und Ödland wachsen Ackerwinde, Gestrichelte Winde, Rote Schuppenmiere, Feld-Beifuß, Gemeine Wegwarte, Großer Knorpellatich, Spanisch Golddistel, Gewöhlicher Löwenzahn, Italienische Ochsenzunge, Gewöhnlicher Natternkopf, Wilde Malve, Klatschmohn, Spritwegerich, Breitwegerich, Luzerne, Weißklee, Vogelwicke, Linsenwicke, Futterwicke, Wiesensauerampfer, Feld-Mannstreu, Hundsrose, Brombeere, Pfriemenginster und Gelber Ginster.

Im Uferbereich der Lagunen mit ihren stark schwankenden Salzwasserseeflächen und dementsprechend salzigen Böden können sich vor allem salztolerante Pflanzengesellschaften entwickeln. Dazu zählen Strauchige Sode, Europäischer Queller, Wurmförmiges Salzkraut (Salsola vermiculata), Spieß-Melde, Salz-Schuppenmiere, Strand-Wegerich, Krähenfuß-Wegerich, Zwiebel-Rispengras, Stechende-Binse, Knäuel-Binse, Flatter-Binse, Salz-Binse, Einjährige-Seeheide, Strand-Gerste.

Auch im aquatischen Bereich der Lagunen kommen vorwiegend salztolerante Arten vor, wie Brackwasser-Almleuchteralge, Gewöhnliche Armleuchteralge, Gewöhnliche Teichbinse, Strandbinse, schraubige Salde, Kleine Wasserlinse.

Da das Wasser in den Lagunen durch die hohe Konzentration an Schwebstoffen sehr trüb ist, sind nur geringe Mengen an Phytoplankton vorhanden.

Fauna mini|Großtrappe Die Vogelfauna ist sehr artenreich und beinhaltet auch sehr seltene Arten, wie die Großtrappe, die hier in der weltweit größten Population und Bestandsdichte vorkommt (ca. 3.000 Individuen). Die weitläufige Steppenlandschaft mit extensiven Getreide- und Luzernenfeldern bietet einen idealen Lebensraum für diese Vögel. Auch andere Steppenvögel, wie Zwergtrappe, Sandflughuhn und Triel sind im Gebiet vertreten. Die vielfältigen Landschaftselemente aus trockenen Steppenlandschaften, Lagunen, kleineren Wasserläufen, Feuchtwiesen und Baumgruppen bieten für zahlreiche Vogelarten insbesondere im Frühjahr geeignete Habitate. Zu den hier vorkommenden Arten zählen: Wiesenweihe, Kornweihe, Rohweihe, Merlin, Wanderfalke, Baumfalke, Turmfalke, Rötelfalke, Zwergadler, Waldohreule, Sumpfohreule, Schleiereule, Steinkauz, Mauersegler, Elster, Häherkuckuck, Rabenkrähe, Turteltaube, Ringeltaube, Hausrotschwanz, Kalenderlerche, Wachtel, Schafstelze, Einfarbstar, Steinsperling, Haussperling, Weißstorch.

Entenvögel (insbesondere Stockente, Krickente, Löffelente, Spießente, Schnatterente, Knäkente) stellen die zahlenmäßig stärkste Gruppe der Vögel im Naturschutzgebiet. Auch Rallenvögel sind häufig zu beobachten. Die Graugans überwintert regelmäßig in großer Anzahl von ca. 20.000 bis 40.000 Individuen. Limikolen bilden eine große Artenvielfalt an den Lagunen und im Bereich der Feuchtwiesen. Es wurden u. a. folgende Arten im Gebiet dokumentiert: Kiebitz, Uferschnepfe, Kampfläufer, Alpenstrandläufer, Großer Brachvogel, Stelzenläufer, Rotschenkel, Säbelschnäbler, Trauerseeschwalbe, Weißbart-Seeschwalbe, Lachseeschwalbe, Lachmöwe, Graureiher.

Unter den Säugetieren finden sich Iberischer Hase, Feldmaus, Waldmaus, Rotfuchs, Wolf, Europäischer Dachs, Wildkaninchen, Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus.

Zu den Reptilienarten, die im Gebiet nachgewiesen wurden, zählen: Perleidechse, westliche Eidechsennatter, westliche Erzschleiche, westibirischer Sandläufer, spanische Mauereidechse, Vipernatter.

Da die meisten Lagunen, Flüsse und Bäche in den Sommermonaten austrocknen, können sich keine dauerhaften Fischpopulationen in diesen Gewässern etablieren. Die wenigen permanent wasserführenden Gewässer beherbergen Fischarten wie Iberische Barbe, Schleie, Schwarzer Zwergwels, Forellenbarsch, Achondrostoma arcasii, Cobitis maroccana und auch die beiden invasiven Arten Östlicher Moskitofisch und Gemeiner Sonnenbarsch.

Das Zooplankton ist in den Lagunen sehr vielfältig und bildet eine wichtige Nahrungsquelle für die Wasservögel. Dasselbe gilt auch für die Gruppe der aquatischen Wirbellose, zu denen die nachfolgend aufgeführte Arten zählen, welche in den Lagunen vorkommen: Branchinecta ferox, Chirocephalus diaphanus, Brachipus schaeferi, Daphnia atkinsoni, Daphnia magna, Daphnia pulex, Ceriodaphnia quadrangula, Ceriodaphnia dubia.

Menschliche Einflüsse und Nutzungen mini|Ein typisches Taubenhaus (Palomar) aus Lehm Der Mensch beeinflusst und verändert die Lagunen und die sie umgebende Landschaft schon seit vorchristlicher Zeit. Bereits die Römer haben in großem Umfang die ursprüngliche Waldvegetation abgeholzt, Getreide angebaut und die Lagunen für die Salzgewinnung genutzt. Die zunehmende Intensivierung dieser Landnutzungen führte zu der heute bestehenden Pseudosteppe, die vom Getreideanbau dominiert wird. Es werden vor allem Gerste, Weizen, Roggen, Luzerne und Hafer kultiviert. Die Viehzucht hat wirtschaftlich zwar eine geringere Bedeutung, doch ist die Haltung von Schafen, als die häufigsten Nutztiere in der Region, weit verbreitet. Auch die Zucht von Tauben geht ursprünglich auf die Römer zurück, die sie des Fleisches wegen züchteten und den Kot als Dünger nutzten. Diese Nutzungsform wurde bis in die heutige Zeit beibehalten, davon Zeugen die etwa 180 traditionellen, aus Lehmziegeln oder Stampflehm errichteten, runden oder quadratischen Taubenhäuser (spanisch „Palomares“) im Umfeld des Schutzgebietes. Sie sind innen begehbar, teilweise sehr aufwändig labyrinthartig ausgebildet und mit einer Vielzahl an Nistplätzen versehen. In den letzten Jahrzehnten hat diese Tradition einen starken Rückgang erfahren und viele Palomares sind dem Verfall preisgegeben. Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft und dem damit verbundenen massiven Abbau von Arbeitsplätzen in den 1950er Jahren setzte eine Abwanderung der Bevölkerung in die Städte ein und die Einwohnerdichte sank auf Werte unter 10 Personen pro km² (Gemeinde Villafáfila: 6 Einw./km²). Gleichzeitig brachte die industrialisierte Landwirtschaft auch Belastungen für das Feuchtgebiet mit sich, in Form von erhöhter Bodenerosion, Düngemitteln und Pestiziden.

Touristische Infrastruktur mini|Das Besucherzentrum mit Lagunen und Vogelbeobachtungsstationen