Circle 1: Live in Germany Concert ist ein Musikalbum des Quartetts Circle. Die am 28. November 1970 im Parktheater in Iserlohn entstandenen Aufnahmen erschienen 1971 auf CBS Records/SONY. 1996 wurden sie unter Circle 1 (Live in Germany Concert) als Compact Disc erstmals wiederveröffentlicht.
Hintergrund Circle 1: Live in German Concert, später auch veröffentlicht als Circle 1: (Live in Germany Concert) ist ein Live-Album von Circle, einem kurzlebigen Avantgarde-Quartett, bestehend aus dem Multiinstrumentalisten Anthony Braxton, dem Pianisten Chick Corea, dem Kontrabassisten Dave Holland und dem Schlagzeuger Barry Altschul.
Chick Corea und Anthony Braxton arbeiteten eigentlich nicht lange zusammen; doch das Jahr, das die beiden Virtuosen in der vermeintlichen „Free-Jazz-Supergroup“ Circle verbrachten, sollte sich als bemerkenswert erweisen, meinte Seth Colter Walls. 1970 hatte sich Corea dank seiner Zeit in einer besonders wilden Besetzung von Miles Davis’ Fusion-Gruppe als „ein Meister des energiegeladenen, abstrakten Spiels“ hervorgetan, und Braxtons Arbeit mit anderen Chicagoer Avantgarde-Musikern wie Wadada Leo Smith hatte bereits progressive Improvisatoren auf mehreren Kontinenten beflügelt – obwohl Braxton gleichzeitig auch frustriert war über die geringen Chancen, seine ambitionierten klassischen Stücke in New York und Paris aufgeführt zu bekommen. In der Nacht, als er Corea kennenlernte, sah sich Braxton eher „als Schachspieler mit Hang zum Spekulieren denn als professioneller Musiker“.
Die Anekdote besagt, dass Braxton von langjährigen Weggefährten zu einem einmaligen Auftritt überredet wurde. Nach dem Konzert führte Schlagzeuger Jack DeJohnette die Gruppe ins New Yorker Village Vanguard, wo Corea in einem Trio mit Schlagzeuger Barry Altschul und Bassist Dave Holland (ebenfalls ein Davis-Veteran, wie auch DeJohnette) spielte. Braxton spielte daraufhin spontan mit Coreas Band, und als der Abend zu Ende ging, gab ihm der Pianist seine Adresse und lud ihn zu einer Jamsession ein (die Aufnahmen erschienen 1978 unter dem Titel Circulus bei Blue Note Records). Sechs Monate später nahm CBS Records einen Auftritt von Corea, Braxton, Holland und Altschul in Iserlohn auf – formierend ein Quartett namens Circle.
Circle 1: Live in German Concert erschien ursprünglich 1971, zusammen mit der letzten Studio-Session der Band vor ihrer Auflösung (Circle 2: Gathering). CD-Neuauflagen beider Alben erschienen in den 1990er-Jahren über Coreas Label Stretch, gerieten dann aber aus dem Focus. 2016 wurden beide Alben digital verfügbar gemacht. Ein Konzert aus dem Februar 1971 in Paris wurde unter dem Titel Paris-Concert 1972 auf ECM Records veröffentlicht.
Aufgrund eines Tippfehlers der Originalpressung ist der Song „Q & A“ auf dieser Wiederveröffentlichung wieder als „O & A“ geschrieben.
Titelliste Circle 1: Live in German Concert (CBS/Sony – SOPL-19-XJ) Medley: Toy Room / Q and A (Dave Holland) 28:02 There Is No Greater Love (Isham Jones, Marty Synes) 21:06
Rezeption mini|Anthony Braxton (1984) Die auf Line in Germany Concert enthaltenen Titel entsprächen jenen teilt der zweiten Hälfte von Circles anderem Live-Album Paris-Concert; allerdings würde die Band bei diesem Konzert Schönheit und Aggressivität auf die Spitze treiben, meint Seth Colter Walls (Pitchfork Media). Eine lange Suite aus zwei Kompositionen von Holland eröffne das Album. Corea spiele auf „Toy Room“ ein eindringliches Solo-Intro, das die kindliche Nostalgie des Hauptthemas davor bewahre, zu unschuldig zu wirken. Während die Rhythmusgruppe freie Improvisation biete, würde Coreas langes Solo nur kurz die kantige Seite seines Spiels durchscheinen lassen. Braxtons Flöteneinsatz besitze eine ähnlich lyrische Qualität, selbst wenn seine Linien ungewöhnliche Harmonien erzeugen. Corea folge Braxton gelegentlich in freiere Klangwelten, bevor er den Saxophonisten wieder zur zugrundeliegenden Melodie zurückführt. Obwohl das Stück nie wirklich in diese Richtung abdrifte, liege eine fesselnde Dramatik in der Art und Weise, wie die Musiker diese Schönheit ausloten.
Nach einem improvisierten Übergangsteil der Suite folgt [mit „Q & A“] ein weiteres Stück Hollands. Mit seinem eindringlichen, repetitiven Refrain eigne sich nach Seth Colter Walls diese Komposition hervorragend, um die kollektive Kraft von Circle zu demonstrieren. Die Aufnahme aus Deutschland klinge besonders energiegeladen. Schon mit seinem ersten Sopransaxophon-Solo mische Braxton die gesamte Palette seiner „Sprachmusik“ – scharfes Überblasen weiche schnell länger gehaltenen Tönen und dann weiträumigen Attacken. Neben der klanglichen Intensität der Darbietung würde das rasante Jonglieren mit so unterschiedlichen Klangstilen dem Ganzen einen ganz eigenen Hardcore-Charakter verleihen. „Und wenn die Band etwas nachlässt, hält sie die experimentelle Atmosphäre aufrecht, indem sie mit verschiedenen Perkussionsinstrumenten und Pfeifen experimentiert. Später lässt Corea einige kraftvolle Cluster-Akkorde aufblitzen“ (die an Cecil Taylor erinnern würden), und dann helfe Braxton, Hollands Thema erneut zu stürmen, diesmal auf dem Altsaxophon. Er bleibe auch beim Altsaxophon für den häufig gespielten Konzertabschluss der Band, den Standard „There Is No Greater Love“. Der Song habe einen beschwingten Groove – zumindest bis die Band ihn völlig über den Haufen werfe.
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 1971 Kategorie:Livealbum Kategorie:Barry Altschul Kategorie:Anthony-Braxton-Album Kategorie:Chick Corea Kategorie:Dave Holland (Bassist)