Die Geschichte von dem seefahrenden Kaufmann ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (466: Samuddavaṇija-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 326–332, 523. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Einmal lebten unweit von Benares tausend Zimmermannsfamilien, die ihren Mitmenschen Versprechungen machten, Geld annahmen, aber nichts Ordentliches zustande brachten. Da sie von ihren Gläubigern bedrängt wurden, blieb ihnen nichts anderes übrig, als in ein anderes Land zu ziehen. Also bauten sie ein großes Schiff und reisten über das Meer. An einer paradiesischen Insel angelangt, ließen sie sich nieder. Auf dieser lebte aber ein Schiffbrüchiger, der ihnen erzählte, dass die Insel hin und wieder von den Göttern aufgesucht werde und sie deshalb ihren Kot und Urin verscharren sollen, sonst würde es ihnen schlecht ergehen.
Die Zimmerleute hielten sich zunächst an das Gebot, labten sich, begannen dann aber zu trinken, wodurch die schöne Insel besudelt wurde. Im Zorn beschlossen die Götter, ihren irdischen Spielplatz durch eine Flut zu reinigen, woraufhin zwei Göttersöhne die Menschen aufsuchten und der eine sie vor der Flut warnte, der andere aber verkündete, dass sie sicher seien. Die tausend Zimmermannsfamilien teilten sich in genau zwei Hälften, von denen der Älteste der einen weise war, der Älteste der anderen aber töricht. Der Törichte vertraute nun darauf, dass ihnen nichts passieren werde, während der Weise für alle Fälle ein Schiff bauen ließ.
Fünfzehn Tage nach der Erscheinung der Göttersöhne überschwemmte eine kniehohe Welle die Insel, was die Leute des törichten Ältesten als reinigend abtaten. Der weise Älteste erkannte jedoch die Gefahr und brachte seine Familien auf das Schiff. Daraufhin überschwemmte eine zweite hüfthohe Welle die Insel, gefolgt von einer dritten Welle in Körpergröße. Dann überkam eine Welle in der Höhe einer Palme die Insel und schließlich eine, die so hoch wie sieben Palmen war. Der Weise Zimmermann fuhr mit seinen Leuten geschickt davon. Der törichte und seine Anhänger aber stürzten ins Verderben.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 466 (Samuddavaṇija-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von dem seefahrenden Kaufmann. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Die glückliche Insel.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 35–44.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 326–332, 523. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 35–44.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka