Die Geschichte von Kusa ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (531: Kusa-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 265–300, 520–521. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Einst herrschte im Reich Malla in der Stadt Kusāvati ein gerechter König namens Okkāka, der mit seiner Gemahlin Sīlavati, die Tugendhafte, keine Kinder bekommen konnte. Ob des fehlenden Thronerben wurde das Volk unruhig und so ließ der König, auf dessen Druck hin, seine Tänzerinnen für sieben Tage zu Freimädchen erklären, doch niemand vermochte sie zu schwängern. Da wurde vom König verlangt auch die Königin freizugeben. Kurz bevor sie aber unter die Männer trat, nahm der Gott Sakka sie mit in den Himmel der dreiunddreißig Götter, wo er den Bodhisattva, der nach einer dort verbrachten Lebenszeit hoffte in einer höheren Götterwelt wiedergeboren zu werden, dazu überredete noch einmal als Mensch zu leben. Auch einen zweiten Göttersohn besprach er so, woraufhin Sīlavati zwei Söhne bekommen sollte, den Bodhisattva, den er weise aber hässlich schuf und den anderen, der schön aber töricht geriet. Sakka gab Sīlavati daraufhin ein Kusa-Gras und kehrte mit ihr auf Erden zurück, wo er ihr im Schlafgemach den Nabel berührte, was zur Empfängnis führte.
Als Prinz erhielt der Bodhisattva den Namen Kusa, während sein Bruder Jayampati genannt wurde. Aufgrund seiner Hässlichkeit wollte Kusa später jedoch nicht heiraten, also ersann er eine List, erschuf ein wunderschönes Bildnis eines Weibes und verlautbarte, dass er nur ein Mädchen gleich dieser Schönheit zur Frau nehmen werde. Im ganzen Jambu-Erdteil suchte man danach, bis man im Reich Madda in der Stadt Sāgala doch fündig wurde. Dort herrschte ein König, der acht wunderschöne Töchter hatte. Die schönste jedoch hieß Pabhāvati, die Strahlenreiche, die dem Kusa sodann zur Frau gegeben wurde, mit der Bedingung, dass sich die beiden nur Nachts und erst nachdem sie empfangen hat, bei Tageslicht sehen dürfen. Kusa wurde daraufhin König und begann danach zu begehren Pabhāvati im Hellen zu sehen, sodass sie seine Hässlichkeit sah, die der Bodhisattva wegen einer Sünde in einem früheren Leben erhalten hatte, und ihn verließ.
Kusa reiste daraufhin seiner Frau nach Sāgala hinterher, wo er als einfacher Mann seine Laute süß spielte und für die Prinzessin die schönsten Werke in der Kunst der Töpferei, des Korbflechtens, des Blumenbindens und des Kochens anfertigte, doch ihr Herz blieb hart. Ob seines Leidens beschloss Sakka dann sich Kusa zu erbarmen und so schickte er Nachricht an sieben Könige, sie mögen Pabhāvati zur Gattin nehmen. Vor den Toren Sāgalas waren diese dann erzürnt, als sie erfuhren, dass auch andere die Botschaft erhalten hatten. Hatten sie doch einjeder für sich gedacht, dass nur er allein zur Heirat eingeladen worden war. Also forderten sie die Auslieferung der Pabhāvati an sie alle oder die Stadt würde zerstört werden, sodass ihr Vater keine andere Möglichkeit sah, als seine Tochter in sieben Stücke zu zerteilen. Aus Todesangst bat Pabhāvati Kusa um Verzeihung und so gab sich der große König zu erkennen, um den sieben kleineren Königen entgegenzuziehen, die sich daraufhin bestürzt unterwarfen. In seiner Weisheit aber vermählte er sie mit den sieben Schwestern Pabhāvatis.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 531 (Kusa-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von Kusa. Im Mahāvastu (Buch der großen Begebenheiten) ist das Jātaka in zwei Versionen überliefert. Dramatisch verarbeitet wurde es in Rabindranath Tagores Rājā (Der König der dunklen Kammer, München 1921), das sich auf Rajendralala Mitras Sanskrit Buddhist Literature of Nepal (Calcutta 1882) bezieht. Alagiawanna Mohottālas poetische Version in altsinghalesischer Sprache wurde 1868 in Colombo veröffentlicht und 1871 in London von Th. Stelle als An Eastern Love Story ins Englische übersetzt. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Kusa und Pabhāwatī.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 157–198.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 265–300, 520–521. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 157–198.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka