Carl Hermann Joseph Boll (geb. 13. August 1848 in Ravensbrück, Landkreis Templin; gest. 9. August 1922 in Berlin-Charlottenburg) war ein deutscher Fotograf in Berlin. Das Fotoatelier von Hermann Boll trat vor allem durch die fotografische Reproduktion von Gemälden, Skulpturen und Architekturen sowie durch Fotografien von bildenden Künstlern in deren Ateliers in Erscheinung. Hermann Boll kann auch als ein Pionier der Farbfotografie gelten. Die Firma Hermann Boll war nicht nur ein Fotoatelier, sondern auch ein Kunst-Verlag, der mit fotografischen Kunst-Reproduktionen und mit Verwertungsrechten an Kunstwerken handelte. Das Unternehmen bestand von 1871Das Gründungsjahr 1871 gab Hermann Boll selbst an, zum Beispiel im Berliner Adreßbuch, Ausgabe 1904, S. 170, (Digitalisat) Dagegen soll laut ArtHisoricum.net die Firma Hermann Boll erst im Jahr 1900 gegründet worden sein, siehe: Julia Bärnighausen: DFG-Projekt „German Sales. Primary Market: Galeriepublikationen im deutschsprachigen Raum (1871-1949)“, Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur und Universitätsbibliothek Heidelberg (2023–2025), https://www.arthistoricum.net/themen/portale/german-sales/primary-market, Datum der Fertigstellung: 26. Juli 2024, online. Die Datenbank Berliner Fotografenateliers des 19. Jahrhunderts weist die Firma H. Boll & Co. ab 1872 nach; siehe: Menüpunkt „Ateliers“, Buchstabe „B“, Atelier-Nr. 515, HTW Berlin, FB 5 - SG Museumskunde, Berlin, online bis wahrscheinlich 1943.so Julia Bärnighausen: DFG-Projekt „German Sales. Primary Market: Galeriepublikationen im deutschsprachigen Raum (1871-1949)“, Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur und Universitätsbibliothek Heidelberg (2023–2025), , Datum der Fertigstellung: 26.07.2024: „1943 Wahrscheinliche Auflösung mit Tod der Gesellschafter*innen“

Leben mini|Rückseite eines Porträtfotos mini|Anzeige: Hermann Boll Photographische Reproduktionsanstalt, 1908 mini|Werbe-Anzeige der Photographischen Reproduktions- und Verlags-Anstalt Hermann Boll, Berlin, von 1914 mini|Werbeanzeige des Berliner Fotoateliers Hermann Boll von 1927

Hermann Boll wurde am 13. August 1848 als Sohn der unverheirateten Dorothee Marie Runzel in der Gemeinde Ravensbrück (heute: Fürstenberg/Havel) geboren. Nach der Heirat seiner Mutter mit dem Zimmermeister Joseph Boll wurde Hermann von diesem adoptiert.

Hermann Boll war offenbar Teilnehmer des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71.Personalnachrichten. In: Photographische Mitteilungen, 7. Jg. 1870/71, Heft 79, S. 180, („Hr. Boll und Hr. Scamoni sind auf dem Wege nach dem Kriegsschauplatze.“, )

Wo und bei wem Hermann Boll das Fotografenhandwerk erlernt hat, ist nicht bekannt.

Boll gründete im Jahr 1871So zum Beispiel: Berliner Adreßbuch, Ausgabe 1904, S. 170, (Digitalisat) Dagegen soll laut ArtHisoricum.net die Firma Hermann Boll erst im Jahr 1900 gegründet worden sein, siehe: Julia Bärnighausen: DFG-Projekt „German Sales. Primary Market: Galeriepublikationen im deutschsprachigen Raum (1871-1949)“, Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur und Universitätsbibliothek Heidelberg (2023–2025), https://www.arthistoricum.net/themen/portale/german-sales/primary-market, Datum der Fertigstellung: 26. Juli 2024, online in Berlin eine Photographische Reproductions- und Verlags-Anstalt; wahrscheinlich in der Friedrichstraße 62.Jedenfalls ist das Atelier Boll ab 1872 unter dieser Adresse nachweisbar; siehe Datenbank „Berliner Fotografenateliers des 19. Jahrhunderts“, Menüpunkt „Ateliers“, Buchstabe „B“, HTW Berlin, FB 5 - SG Museumskunde, Berlin, online Er wohnte offenbar in der Luckauer Str. 4 in Berlin-Kreuzberg.Berliner Adreßbuch, Ausgabe 1903, S. 162, (Digitalisat); Berliner Adreßbuch, Ausgabe 1904, S. 170, (Digitalisat) In dieser Zeit war der Fotograf Boll, Friedrichstr. 62, Mitglied des Vereins zur Förderung der Photographie und des Deutschen Photographen-Vereins zu New York.Siehe: Mitglieder-Liste des Vereins zur Förderung der Photographie und des Deutschen Photographen-Vereins zu New-York, a) Berliner Mitglieder. In: Photographische Mitteilungen, 8. Jahrgang, (No. 85—96 der ganzen Reihenfolge.), Verlag von Robert Oppenheim, Berlin 1872, S. 179/180, (Digitalisat). Am 3. Mai 1872 heiratete Hermann Boll in der Neuen Kirche die im pommerschen Demmin geborene Anna Wendel (1845–1932). In den folgenden drei Jahren wurden die drei Söhne des Ehepaares geboren, nämlich: Max (1873–1916), Otto (1874–1943) und Franz (1875–1943), von denen Max und Otto Boll ebenfalls Fotografen wurden. Franz Boll wurde Kaufmann.Im Berliner Adressbuch, Ausgabe 1904, S. 170, Digitalisat, sind Max und Otto Boll als Photographen verzeichnet, Franz Boll als Kaufmann. Alle drei Söhne stiegen im Jahr 1902 als Gesellschafter in die Firma ihres Vaters Heinrich Boll ein.Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, 26. Juli 1902, S. 13, Digitalisat Ganz ähnlich: Berliner Börsen-Zeitung, 23. Juli 1902, S. 18, Digitalisat

Mit der Einrichtung seiner eigenen Photographischen Reproduktions- und Verlagsanstalt in Berlin konzentrierte sich Boll auf zwei wesentliche Geschäftsfelder: zum einen auf die fotografische Reproduktion von Kunstwerken und zum anderen auf Architekturfotografie, sowohl der Gebäude (von außen) als auch der Innenräume.

In den späten 1870er und frühen 1880er Jahren hat Hermann Boll an der mecklenburgischen Ostseeküste und insbesondere auf der Insel Rügen fotografiert.Mehrere Mecklenburg-Fotos von Hermann Boll aus der Sammlung Frank Biederstaedt in: „Rügen, Stralsund und Greifswald anno dazumal“. „Bis zu 140 Jahre alt sind die Fotos, die Frank Biederstaedt gesammelt hat. Sie zeigen Rügen und die Hansestädte Stralsund und Greifswald.“, Ostsee-Zeitung, 05. März 2026, online. Weitere Beispiele für Rügen-Fotos von Hermann Boll bei eBay hier und hier

mini|Werbeanzeige für die Fotoserie „Berlins Prachtbauten“ des Verlages Hermann Boll, Berlin, aus dem Berliner Tageblatt vom 11. April 1886, S. 8 mini|Die neue eingeweihte Königliche Akademie der Künste in Berlin, 1902 fotografiert von Hermann Boll

Eine Fotoserie von Boll mit dem Titel „Berlins Prachtbauten“ erschien 1886.Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe, So., 11. April 1886, S. 8, (Digitalisat): „Wichtig für Architecten. In meinem Verlag erschienen soeben 100 Blatt Berlins Prachtbauten Photographie in Quartformat per Blatt 75 Pf. Hermann Boll, Photograph, Mohrenstr. 59.“

Um 1900 ist Bolls Firma in der Mohrenstraße 59 greifbar.Katalog, Grosse Berliner Kunst-Ausstellung, 1900, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin, 1900, S. IV, Digitalisat Die Fotos für den illustrierten Katalog der großen Berliner Kunstausstellung des Jahres 1900 hat die Firma Hermann Boll, Berlin, Mohrenstraße 59, hergestellt. In den 1900er und 1910er Jahren hat Bolls Anstalt ihr Hauptgeschäft unweit der Anton-Wilhelm-Amo-Straße unter der Adresse Unter den Linden 16 und unterhält eine West-Filiale in der Tauentzienstraße 7b greifbarAnzeige für Hermann Boll, Hofphotograph im Baumeister 9.1911. In seinem Kunst-Salon in den Geschäftsräumen Unter den Linden organisierte Boll auch eigene Ausstellungen, so beispielsweise im Jahr 1905 eine von Akt-Bildern verschiedener Maler, darunter Felix Possart, Paul Gerhart Vowe, Nathaniel Sichel, Bernhard Zickendraht und Ernst Albert Fischer-Cörlin.Solinger Kreis-Intelligenzblatt, Sa., 11. November 1905, S. 10, Digitalisat und im Frühjahr 1906 eine Einzelausstellung mit Werken von Curt Agthe.Siehe: Paul Lindenberg, „Berliner Stimmungsbilder“, in: Solinger Kreis-Intelligenzblatt, Sa., 03. Februar 1906, S. 1, Digitalisat Seine Weihnachtsausstellung des Jahres 1906 zeigte Werke Berliner Künstler, unter anderen von Wilhelm Bröker, Hans Dahl, Themistokles von Eckenbrecher, Berthold Genzmer und Franz Hoffmann-Fallersleben.Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Di., 04. Dezember 1906, S. 2, Digitalisat

In Eigenwerbungen bezeichnet sich Bolls Firma als »Spezial-Anstalt für Gemälde-Reproduktionen, Aufnahmen von Bildwerken sowie Architekturen u. Innenräumen; Vergrößerungs-Anstalt« und warb mit seiner Abteilung für Farbenphotographie. Auf dem Gebiet der Kunstfotografie konzentrierte sich Boll in erster Linie auf die fotografische Reproduktion von Kunstwerken und war unter zeitgenössischen Künstlern gut eingeführt. So wird im Bericht über das Kostümfest im Verein Berliner Künstler im Februar 1902 berichtet, dass Hermann Boll prächtige Aufnahmen gefertigt habe 1900 stellte er in einer Ausstellung des Deutschen Photographen-Vereines in Berlin eine größere Anzahl von Fotografien von Kunstwerken aus.Ausstellung des Deutschen Photographen-Vereines in Berlin. (Schluss von Seite 598.). In: Photographische Correspondenz, 37. Jahrgang 1900, Nr. 482, November 1900, ab S. 652, S. 657, Digitalisat: „Eine grössere Anzahl vorzüglicher Reproductionen von Gemälden etc. führt uns Hermann Boll-Berlin vor.“

Ab mindestens 1899Katalog Grosse Berliner Kunst-Ausstellung 1899. Rudolf Schuster, Berlin, 1899, S. IV Die photographischen Aufnahmen für den illustrierten Katalog der großen Berliner Kunstausstellung des Jahres 1900 sind von der Firma Hermann Boll, Berlin, Mohrenstraße 59, die Clichés von H. S. Hermann und von Meisenbach, Riffarth & Co. in Berlin hergestellt. In den Ausstellungskatalogen bis einschließlich 1898 sind weder der Fotograf noch die Hersteller der Druckvorlagen genannt. war Boll über Jahre der Fotograf der Kataloge der großen Berliner Kunstausstellung. In seiner Werbeanzeige im Ausstellungskatalog von 1909 schreibt Boll. dass sein Atelier bis dato bereits mehrfach für vorzügliche Leistungen in der Reproduktion-Photographie »prämiiert« worden sei.Grosse Berliner Kunstausstellung 1909 Katalog. Berlin, 1909 Auch Auktionshäuser wie das von Paul Cassirer und Hugo Helbing verließen sich bei ihren Auktionskatalogen immer wieder auf Hermann Boll als Fotografen.siehe z. B. die Katalog zur Versteigerung der Sammlungen Richard von Kaufmann (Digitalisat des Katalogs der italienischen Gemälde (1917)) oder Wilhelm Gumprecht Auktionskatalog 1918.

Daneben verwendeten auch mehrere Künstler Bolls Fotografien für die Herstellung von Katalogen ihrer Werke. So ließ z. B. Sonia Gramatté, die Witwe des jung verstorbenen Expressionisten Walter Gramatté, ein Jahr nach dem Tod ihres Ehemannes 1930 zwei Folianten mit Fotografien seiner Werke von Hermann Boll in doppelter Ausfertigung anfertigen. Die Negative dieser Fotos wurden zwar im Zweiten Weltkrieg vernichtet, jedoch konnten auf der Grundlage der beiden einzigen erhaltenen Alben im Jahr 1981 Abbildungen der Ölbilder und Aquarelle Gramattés neu veröffentlicht werden.Im Vorwort dieser Veröffentlichung heißt es: „Die vorliegende Veroeffentlichung der Oelbilder und Aquarelle von Walter Gramatté verdankt ihre Entstehung eigentlich zwei grossen Foliantern mit Fotographien, die Sonia Gramatté im Jahre nach dem Tode ihres Mannes vom Fotografen Hermann Boll in Berlin herstellen ließ. ´Sie hatte meines Wissens diese zwei schweren Alben in doppelter Ausfertigung bestellt, von denen sie ein Paar den damaligen Goennern ihrer Kunst und Konzerte in Amerika, dem Ehepaar Max Adler in Chicago, als Zeichen ihrer Dankbarkeit gab, waehrend sie das zweite Paar fuer sich behielt. Ueber den Verbleib des Adlerischen Exemplars habe ich trotz mehrfacher Nachforschungen weder bei der Familie noch in amerikanischen Museumskreisen keine Spur finden koennen. Es ist durchaus moeglich, dass sie durch die gegenseitigen Missverstaendnisse, und die durch die politischen Verhaeltnisse der 1930er Jahre enstandene Entfremdung der beiden Teile untergegangen sind. Ich habe aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie eines Tages doch noch irgendwo in Chicago oder in Kalifornien, wohin sich die einzelnen Mitglieder der Familie Adler zurueckgezogen hatten, auftauchen.“ In: Walter Gramatté. Bilder und Aquarelle, Winnipeg 1981.