mini|Antonio Visentini: Grundriss der Kirche von etwa 1760, Royal Institute of British Architects, RIBA32316 mini|Ausschnitt aus einem Plan Lodovico Ughis aus dem Jahr 1729 mit der Bezeichnung „S. Mattio“ Die Kirche San Mattio, auch San Matteo oder San Matteo di Rialto, war eine dem Evangelisten Matthäus geweihte Kirche im historischen Zentrum der Stadt Venedig, genauer im Sestiere San Polo, westlich der Rialtobrücke. Sie ging auf das 12. Jahrhundert zurück und wurde 1818 abgerissen. Außer dem Ramo S. Matio erinnert baulich nur wenig an die Kirche.
Geschichte Die Kirche wurde vom Patriarchen von Grado auf einem Grundstück errichtet, das ihm im Februar 1156Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 358. von einem Leonardo Corner geschenkt worden war. Seitdem unterstand sie der Rechtsprechung von Grado, deren Vertreter sich im benachbarten San Silvestro befand. Der Patriarch behielt das dauerhafte Recht, den Pfarrer zu ernennen, während die Gemeindemitglieder einen Seelsorger wählen konnten. 1166 erhielt die Kirche eine Schenkung von einer „Matrona“ namens Sidiana Sanudo, so dass sie auf dem neuen Grundstück ein Haus für den Pfarrer bauen konnte.
Die vernachlässigte Kirche wurde übergangsweise der Familie Querini zur Verwaltung übertragen. Am 25. Mai 1436 übertrug Papst Eugen IV., der der venezianischen Familie Condulmer angehörte, das Patronatsrecht über die Kirche der Scuola di San Michele dell’arte dei Becheri, der Metzgerzunft, die zugleich das Recht erlangte, den Pfarrer zu wählen.
Die Kirche wurde mehrfach renoviert, wie noch im Jahr 1615. San Mattio war keine der großen, vermögenden Gemeinden, aber sie lag im Handelszentrum der Stadt. Neben den etablierten Botteghe, den Geschäften der Ladeninhaber, verkauften auch Hökerer um Rialto, die in der Zeit der Reformation von den Behörden mit einem zunehmenden Misstrauen beäugt wurden; noch mehr aber befanden sich hier die Unterkünfte und Gaststätten, in denen sich Nichtvenezianer trafen. Dabei traten reformatorische Prediger auf, wie etwa im Jahr 1540 in San Mattio, als die Regierung gegenüber derlei Bestrebungen noch weniger intolerant war.Rosa M. Salzberg: The Margins in the Centre: Working around Rialto in Sixteenth-Century Venice, in: Andrew Spicer, Jane L. Stevens Crawshaw (Hrsg.): The Place of the Social Margins, 1350-1750, Routledge, New York 2017, S. 135–151, hier: S. 144.
Ab 1735 wurde die Kirche binnen weniger Monate, wie Flaminio Corner vermerkt, neu gebaut. Dem Pfarrer Niccolò Milesi war es gelungen, eine hinreichende Menge an Spenden einzuwerben, und so konnte das neue Bauwerk am 1. August 1736 geweiht werden. Am 24. September 1743 wurde die Kirche vom Patriarchen von Venedig, Alvise Foscari, erneut geweiht.
Mit der Aufhebung zahlreicher geistlicher Institute unter Napoleon wurde auch San Mattio geschlossen und sein Gemeindegebiet der Kirche San Silvestro übertragen. 1818 wurde das Bauwerk abgerissen.
Literatur Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 358 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 361 f., n. 93 („S. Mattio di Rialto, Parrochie“). (Digitalisat)
Weblinks
Parrocchia di San Matteo, Venezia, Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche (SIUSA), archive.org, 6. März 2019
Anmerkungen
Mattio Mattio Kategorie:Matthäuskirche Mattio Kategorie:Erbaut 1736 Kategorie:Ersterwähnung 1156 Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Zerstört in den 1810er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien