mini|Villa Drevenstedt, 2014 Die Villa Drevenstedt ist eine denkmalgeschützte Villa in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
Lage Die Villa befindet sich im Magdeburger Stadtteil Sudenburg auf der Nordwestseite der Halberstädter Straße an der Adresse Halberstädter Straße 40.
Architektur Die anderthalbgeschossige Villa wurde 1870 im Stil des Spätklassizismus errichtet. Sie entstand auf rechteckigem Grundriss, auf einem hohen Sockel und ist mit einem flachen Walmdach bedeckt. Mit ihrer Längsseite ist die Villa breit gelagert und zur Straße hin ausgerichtet. Die Fassade ist siebenachsig ausgeführt, wobei die jeweils äußeren beiden Achsen als flache Seitenrisalite hervortreten. Die Fensteröffnungen sind im Erdgeschoss als stehende Rechtecke angelegt und mit Pilastern gerahmt. Im Mezzanin bestehen kleine, quadratische Fenster zwischen denen Stuckfelder und kurze Pilaster angeordnet sind.
Die schmalen Gebäudeseiten sind in besonderer Weise repräsentativ gestaltet. Auf der Ostseite besteht der Eingang mit einer Portalädikula, nach Westen zur Gartenseite hin ist die Fassade tempelfrontartig gestaltet und mit einer großen, an einen Portikus erinnernden Loggia versehen. Verteilt über das Gebäude finden sich zahlreiche Verzierungen, darunter Mäander, Akanthuswerk und Anthemionfriese. Die Fenster des Halbgeschosses sind in einen Metopen-Triglyphen-Fries eingelassen.Ullrich: Industriearchitektur in Magdeburg, 2003, S. 266.
Das Gebäudeinnere ist mit einer repräsentativ angelegten Raumfolge versehen. Allerdings besteht ein korridorartiger Stichflur, der dem repräsentativen Anspruch nicht ganz gerecht wird. Die Decken sind zum Teil mit üppigem Stuck verziert.
Die Gestaltung gilt als harmonisch und wohlproportioniert. Insgesamt wirkt der Bau ruhig-blockhaft und erinnert mit seinem eher flachen Dach an klassische italienische Villen. Das Gebäude gilt als prägend für das Straßenbild und eine der am qualitätsvollsten gestalteten Villen der Stadt. Die Villa wird als wichtiges Zeugnis großbürgerlicher Wohnkultur der Gründerzeit und der Lebensmittelindustrie Magdeburgs betrachtet.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 243.
Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist die Villa unter der Erfassungsnummer 094 70029 als Baudenkmal verzeichnet.Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Mitglied des Landtages Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen) vom 24. Februar 2026 Drucksache 8/6626 (KA 8/3520) Entwicklung des Denkmalbestandes, Seite 252.
Geschichte Die Villa wurde 1870 für den Fabrikanten Wilhelm Jordan errichtet, der eine Fabrik für Zichorien-, Schokoladen und Zuckerwaren betrieb. Der Entwurf stammte von Maurermeister Grobecker, der auch den Bau durchführte. Hinter der Villa befanden sich ausgedehnte Fabrikanlagen, die jedoch nicht erhalten sind.
Später befand sich hier der Sitz der Konservenfabrik Albert Drevenstedt & Co., auf die der Name der Villa zurückgeht. Ein weiter Standort war die Halberstädter Straße 128. Gründungsjahr des Unternehmens war 1912.
1930 wurde im Warenzeichenblatt der Geschäftsbetrieb des Unternehmens wie folgt bezeichnet: Konserven- und Nährmittelfabrik. Waren: Fischkonserven, Fleischkonserven, Saucen. Weitere Produkte waren unter anderem Marmeladen, Gurken und Pflaumenmus.
Im Jahre 1937 waren Albert Drevenstedt und Willy Sondershausen Inhaber der Firma.
Die Konserven- und Nährmittelfabrik Albert Drevenstedt & Co. konnte nach 1945 zunächst weiter produzieren. Nach dem Tod von Drevenstedts Tochter Ingeborg John (1970), die den Betrieb zuletzt führte, wurde der Betrieb verstaatlicht. Die Villa wurde später von der Sparkasse genutzt und diente danach als Versicherungsgebäude.Dehio. Sachsen Anhalt I, S. 623. Heute ist sie Sitz einer Bildungseinrichtung.
Literatur Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 14: Landeshauptstadt Magdeburg. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 243. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen Anhalt I. Regierungsbezirk Magdeburg. Bearbeitet von Ute Bednarz, Folkhard Cremer u. a. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2002, ISBN 3-422-03069-7, S. 623 (Google Books). Sabine Ullrich: Industriearchitektur in Magdeburg. Brauereien, Mühlen, Zucker- und Zichorienindustrie (Publikationen des Fachbereiches Stadtplanung und Vermessung, Heft 78). Magdeburg 2003, S. 266 (magdeburg.de (PDF), siehe PDF-Seite 68).
Weblinks
Eintrag Albert Drevenstedt & Co. im Klockhaus, 1892.
Einzelnachweise
Drevenstedt Villa Drevenstedt Villa Drevenstedt Drevenstedt Drevenstedt Kategorie:Ehemaliger Lebensmittelhersteller (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1912 Villa Drevenstedt Kategorie:Erbaut 1870