mini|Marcus Wallenberg (1960er Jahre) Marcus „Dodde“ Wallenberg Jr. (* 5. Oktober 1899 in Stockholm; † 13. September 1982 ebenda) war ein schwedischer Bankier, Unternehmer und Mitglied der schwedischen Familie Wallenberg. Er war der einflussreichste Vertreter der schwedischen Industrietradition und der schwedischen Wirtschaft im 20. Jahrhundert. Er war von 1946 bis 1958 Vorstandsvorsitzender der Stockholms Enskilda Bank und leitete und sanierte über ein halbes Jahrhundert lang, von den frühen 1930er Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1982, viele der größten Unternehmen Schwedens. Der Wirtschaftshistoriker und Autor Ronald Fagerfjäll bezeichnete ihn deshalb als Europas mächtigsten Bankier des 20. Jahrhunderts.

Laufbahn Wallenberg wurde am 5. Oktober 1899 in Stockholm, Schweden, als Sohn von Marcus Wallenberg und seiner Frau Amalia (geb. Hagdahl) sowie als Bruder von Jacob Wallenberg geboren. Er legte 1917 das Studentexamen ab, wurde 1919 Reserveoffizier und schloss 1920 sein Studium an der Handelshochschule Stockholm ab. Wallenberg studierte Bankwesen und hatte von 1920 bis 1925 verschiedene Anstellungen in Genf, London, New York City, Paris und Berlin. Wallenberg war ein begeisterter Tennisspieler und wurde 1920 und 1926 schwedischer Hallenmeister im Herreneinzel. Er nahm in den 1920er Jahren an den Wimbledon Championships sowie am Davis Cup teil. Daneben war er auch ein begeisterter Segler und nahm an den Segelwettbewerben der Olympischen Spiele 1936 teil. Mit dem schwedischen Boot belegte er in der 8-m-Klasse den vierten Platz.

Wallenberg wurde 1925 stellvertretender Direktor der Stockholms Enskilda Bank und war dort ab 1927 stellvertretender Geschäftsführer und Vorstandsmitglied. Daneben war er teilweise in mehr als einem Dutzend Vorständen großer schwedischer Unternehmen gleichzeitig vertreten. Dazu gehörte u. a. die Wallenberg-Holding Investor AB, deren Ausrichtung er maßgeblich prägte, aber auch Unternehmen wie Ericsson oder Saab. Daneben übte Wallenberg noch zahlreiche gesellschaftliche und politische Funktionen aus. So war er 1939 bis 1943 war er Vorsitzender der schwedischen Delegation in der Ständigen Schwedisch-Britischen Regierungskommission sowie ab 1943 Mitglied der Ständigen Schwedisch-Britisch-Amerikanischen Regierungskommission und von 1940 bis 1944 Mitglied der schwedischen Kommission für die schwedisch-finnischen Handelsverhandlungen. Ab 1933 war er außerdem Mitglied im Schiedsausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich 1933 Während und vor dem Zweiten Weltkrieg war er an Verhandlungen über den schwedischen Handel mit NS-Deutschland beteiligt. Für eine Kontroverse sorgte die enge wirtschaftliche Kollaboration des Wallenberg-Imperiums mit den Nazis (z. B. zwischen Stockholms Enskilda Bank und der Bosch-Gruppe).Ulf Olsson: Stockholms Enskilda Bank and the Bosch Group, 1939-1950

Nach dem Tod seines Bruders Jacob Wallenberg am 2. Februar 1946 übernahm Marcus Wallenberg Jr. die Position des Geschäftsführers (verkställande direktör) der Stockholms Enskilda Bank, die er bis 1958 innehatte. 1963 gründete er die Marianne and Marcus Wallenberg Foundation. Neben seinem überragenden Einfluss auf die schwedische Wirtschaft der Nachkriegszeit verfügte er auch über beste internationale Kontakte. Von 1960 bis 1963 war er Vorsitzender des Rates der europäischen Industrieverbände (CEIF) und von 1962 bis 1964 Mitglied des Wirtschafts- und Industriebeirats der OECD. Wallenberg war außerdem von 1965 bis 1967 Vorsitzender der Internationalen Handelskammer (ICC). Von 1954 bis zu seinem Tod im Jahr 1982 war er Mitglied des Lenkungsausschusses der Bilderberg-Gruppe. Wallenberg war von 1969 bis 1971 Mitvorsitzender des ICC-UN/GATT Wirtschaftlichen Beratungsausschusses. Zwischen 1969 und 1971 war er Vorsitzender der Stockholms Enskilda Bank, als die Bank mit der Skandinaviska Banken fusionierte und die Skandinaviska Enskilda Banken entstand. Dort war Wallenberg von 1972 bis 1976 ebenfalls als Vorsitzender tätig.

Familie Wallenberg war zwischen 1923 und 1935 mit der Schottin Dorothy Mackay verheiratet, mit der er drei Kinder hatte, Marc Wallenberg (1924–1971; der wiederum der Vater von Marcus Wallenberg war), Peter Wallenberg Sr. (1926–2015) und Ann-Mari Wallenberg (1929–2019). 1936 heiratete er Baronin Marianne De Geer af Leufsta, die zuvor mit einem Bernadotte verheiratet gewesen war.Marcus Wallenberg Find a Grave

Weblinks

Davis-Cup-Statistik von Marc Wallenberg (englisch)

Einzelnachweise

Marcus Kategorie:Bankier Kategorie:Unternehmer (Schweden) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Davis-Cup-Spieler (Schweden) Kategorie:Regattasegler (Schweden) Kategorie:Olympiateilnehmer (Schweden) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1936 Kategorie:Schwede Kategorie:Geboren 1899 Kategorie:Gestorben 1982 Kategorie:Mann