mini|Pariser Friedensforum (2018) Der Pariser Friedensforum (englisch: Paris Peace Forum; französisch: Forum de Paris sur la Paix) ist eine 2018 gegründete internationale Organisation zur Förderung multilateraler Zusammenarbeit und globaler Governance. Die jährlich in Paris stattfindende mehrtägige Veranstaltung bringt Staats- und Regierungschefs, internationale Organisationen, Unternehmen sowie zivilgesellschaftliche Akteure zusammen, um Lösungsansätze für globale Herausforderungen zu entwickeln. Dabei sollen auch konkrete Projekte erarbeitet werden.
Geschichte Das Pariser Friedensforum wurde im Jahr 2018 auf Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron ins Leben gerufen. Anlass war der 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs, der mit zahlreichen internationalen Gedenkveranstaltungen in Paris begangen wurde. Das Pariser Friedensforum entstand aus dem Grundsatz heraus, dass „eine schlecht regierte Welt schnell zu einer Welt im Krieg werden würde“Premier forum pour la paix à Paris Les Echo, wie Justin Vaïsse, der damalige Präsident des Forums, erklärte. Auf dem Botschaftertreffen am 29. August 2017 sprach der französische Präsident Emmanuel Macron davon, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit sei, und führte als Beispiele den syrischen Bürgerkrieg und den russisch-ukrainischen Krieg an. Angesichts dieser Entwicklungen forderte er konkrete Schritte zur Stärkung des Multilateralismus und zur Wahrung des Friedens.
Die erste Ausgabe des Pariser Friedensforums fand vom 11. bis 13. November 2018 im Rahmen der Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Waffenstillstands statt. Im Rahmen der dreitägigen Veranstaltung wurden 120 Projekte zur globalen Governance vorgestellt und rund 6.000 Besucher empfangen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres und Präsident Emmanuel Macron hielten Reden. Insgesamt waren über 60 Staats- und Regierungschefs anwesend. Themen waren neben Frieden auch Themen wie der Klimawandel und die Herausforderungen durch populistische Bewegungen. So sagte Kanzlerin Merkel, dass Nationalismus und Populismus den Frieden in Europa bedrohen würden. In den Folgejahren entwickelte sich das Forum zu einem festen Bestandteil der internationalen Konferenzlandschaft. Insbesondere während der COVID-19-Pandemie wurden digitale Formate integriert und beispielsweise Initiativen zur globalen Impfstoffverteilung diskutiert.
Zielsetzung Das Pariser Friedensforum verfolgt das Ziel, konkrete Projekte zur Lösung globaler Probleme zu identifizieren, zu fördern und international zu vernetzen. Im Zentrum steht die Stärkung multilateraler Kooperation in Bereichen wie Sicherheit, Entwicklung, Umwelt- und Klimaschutz sowie digitale Governance. Ein wesentliches Merkmal des Forums ist seine projektorientierte Arbeitsweise. Jährlich werden aus hunderten Bewerbungen Projekte ausgewählt, die innovative Ansätze zur Bewältigung globaler Herausforderungen bieten. Diese Projekte erhalten im Rahmen des Forums Sichtbarkeit, Zugang zu Finanzierungspartnern und Unterstützung bei der internationalen Skalierung.
Darüber hinaus dient das Forum als Plattform für politischen Dialog auf höchster Ebene. Neben offiziellen Reden und Panels finden informelle Treffen zwischen politischen Entscheidungsträgern statt, die zur Vertrauensbildung und Konfliktprävention beitragen sollen. Ziel ist es, Staats- und Regierungschefs, internationale Organisationen, lokale Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen, Unternehmen, Medien, Gewerkschaften, religiöse Gruppen und Bürger unter einem Dach zu versammeln und in den Dialog treten zu lassen. Die Veranstaltung bietet dafür eine Vielzahl von Formaten, darunter Debatten und Vorträge, Podiumsdiskussionen, Rundtischgespräche, Workshops sowie Projektpräsentationen.
Organisation Das Forum ist ein gemeinnütziger Verein nach französischem Recht („loi 1901“), der als gemeinnützige Einrichtung anerkannt ist. Es wird von drei internationalen Gremien geleitet und von seinen Partnern weltweit finanziert. Die Finanzierung erfolgt durch eine Mischung aus öffentlichen und privaten Mitteln, darunter Beiträge von Regierungen, internationalen Organisationen, Stiftungen und Unternehmen. Die Organisation wird von drei Leitungsgremien geführt, dazu gehören:
Generalversammlung (General Assembly): legt die wichtigsten rechtlichen und haushaltspolitischen Leitlinien des Vereins fest, genehmigt dessen Jahresabschluss und ändert dessen Satzung. 2026 saßen in der Generalversammlung Organisationen wie u. a. die Europäische Kommission, das Aga Khan Development Network, das Auswärtiges Amt, das Spanische und Französische Außenministerium, Microsoft, die Mo Ibrahim Foundation und die Open Society Foundation, welche jeweils einen Vertreter in deren Sitzungen entsenden. Exekutivkomitee (Executive Comitee): trifft alle Entscheidungen bezüglich der Aktivitäten des Vereins und insbesondere hinsichtlich der Organisation seiner jährlichen Veranstaltung. Er gestaltet das Programm, genehmigt Partnerschaftsvereinbarungen und entscheidet über neue Mitgliedschaften. Die Zusammensetzung überschneidet sich mit der Generalversammlung, so sind auch hier die Europäische Kommission, Microsoft, das Aga Khan Development Network, die Mo Ibrahim Foundation und die Open Society Foundation vertreten. internationaler Lenkungsausschuss (Steering Committee): unterbreitet dem Exekutivkomitee Empfehlungen zu den strategischen Ausrichtungen des Vereins und all seinen Aktivitäten, einschließlich der Organisation der jährlichen Veranstaltung. Er setzt sich aus etwa fünfzehn Persönlichkeiten aus Politik, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaft zusammen, die für drei Jahre ernannt werden. Eine wichtige Rolle spielt darüber hinaus der sogenannte Kreis der Partner (Circle of Partners). Dieser bringt die öffentlichen und privaten Förderer des Forums, internationale Organisationen und Medienpartner zusammen. Sie unterstützen das Forum und geben Empfehlungen zu dessen strategischer Ausrichtung ab. Das Forum arbeitet mit einem breiten Netzwerk institutioneller Partner zusammen, insgesamt mehrere Dutzend Organisationen. Dazu zählen z. B. die Gates Foundation, die Rockefeller Foundation, die International Crisis Group, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, OpenAI, der Europarat, die OECD, mehrere UN-Organisationen (UNESCO, ILO, Weltbank, UNDP) und Medienhäuser wie CNN oder AFP.
Liste der Treffen #DatumVeranstaltungsortThema/Motto111.–13. November 2018Grande Halle de La Villette„Better Governance for a World at Peace“211.–13. November 2019Grande Halle de La Villette„Supporting Multilateralism“311.–13. November 2020 virtuell„Bouncing Back to a Better Planet“411.–13. November 2021Grande Halle de La Villette„Mind the Gaps: Improving Global Governance in the Times of Covid-19“511.–12. November 2022Grande Halle de La Villette„Riding out the Multicrisis“610.–11. November 2023Grande Halle de La Villette„Seeking Common Ground in a World of Rivalry“711.–12. November 2024Palais de Chaillot„Wanted: a Functioning World Order“829.–30. Oktober 2025Palais de Chaillot„New Coalitions for Peace, People and the Planet“ Neben dem Haupttreffen im Winter findet auch jeweils ein kleineres Treffen im Frühling statt.
Kritik Kritik wurde auch an der Finanzierung der Veranstaltung geäußert, zu der unter anderem Technologiegiganten wie Google und Microsoft beigetragen hatten. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Diskussionen in diesem Forum einseitig seien und sich auf die Eliten beschränkten, die sich einig seien, anstatt auch diejenigen einzubeziehen, die dem Multilateralismus ablehnend gegenüberstanden. So war US-Präsident Donald Trump bei dem Debüt des Forums abwesend, obwohl er am Morgen des 11. November an einer Gedenkfeier am Arc de Triomphe teilgenommen hatte.
Einzelnachweise Kategorie:Friedenskonferenz Kategorie:Politische Organisation (Paris) Kategorie:Internationale Organisation (Paris) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 2018
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