Dschainah, das Mädchen aus dem Tanzhaus ist eine Operette in zwei Akten (6 Bildern) mit der Musik von Paul Abraham nach einem Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda für das Theater an der Wien (Uraufführung: 21. Dezember 1935).
Inhalt Die Handlung spielt abwechselnd in Paris und Saigon, und es wird in ihr die Geschichte der Dschainah Lylo (einer Art Geisha bzw. eines sogenannten "Sing-Song-Mädchens") erzählt, die sich in einem Bordell prostituiert und von ihrem Zuhälter vermarktet wird. Der französische Marineoffizier Pierre Claudel verliebt sich in Lylo und heiratet sie. Er ist in Europa jedoch mit einem Mädchen aus Frankreich verlobt. Lylo entscheidet sich nun dafür, einen indischen Maharadscha zu heiraten, als dessen Frau sie nach Paris reist und Pierre dort begegnet.
Entstehung und Aufführungsgeschichte Dschainah kann (kurz nach Franz Lehárs Giuditta) als eine der letzten Operetten gelten, die vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich ihre Uraufführung erlebten.
Die Operette wurde eigens für Michiko Tanaka, damals die Frau von Julius Meinl II. geschrieben. Ursprünglich war die Rolle der Dschainah als Titelrolle eines Tonfilms geplant, die Abraham für eine beträchtliche Gage komponieren sollte. Michiko Tanaka hatte zuvor auch gemeinsam mit Richard Tauber Giacomo Puccinis Madama Butterfly gesungen. In der Uraufführung wurde die Tenorpartie jedoch von dem lettischen Tenor Artur Cavara interpretiert. In weiteren Rollen war das Buffopaar Rosy Barsony und Fritz Steiner zu erleben, außerdem Otto Storm, Maria Waldner, Oskar Pouché, Annemarie Sörensen, Friedrich Kühne, Trude Rosen, Walter O. Stahl, Phillis Fehr. Regie führte Wilhelm Gyimes, Choreograph war Bob Gray, Musikalische Einstudierung Anton Paulik, Dirigent Paul Abraham, die Kostümentwürfe stammten von Gerda Gottstein (Gerdago), die Bühnenbilder von Alfred Kunz.
In vielen Kritiken der Uraufführung wurde Abrahams Partitur als besonders ausgefeilt und effektvoll orchestriert geschildert. In der Wiener Zeitschrift Die Stunde wird sie am 24. Dezember 1935 wie folgt beschrieben: "Die Sing-Song-Musik von Paul Abraham ist Oper, Operette und Revue, eine lärmende, reißerische Partitur ruft das Publikum immer wieder auf, blendende Instrumentation vor allem, dann erst Musik, in der man Abraham erkennt, in einer stürmischen Huldigung vor der „Butterfly“-Melodik Puccinis. Zauber und Süße der Puccini-Musik wirken auch hier zum Gefühl eines üppigen Märchenlandes der Exotik, in dem die vielen Mädchen wie Pflanzen fremder Kulturen wachsen. Abrahams Musik, schwül und oft schwülstig, bereitet hier eine Atmosphäre, in der der geübte Operettenbesucher hochachtungsvoll erregt die Geheimnisse eines chinesischen Sing-Song-Hauses spürt. Und dann, wenn Abraham wieder nach Paris übersiedelt, ergibt sich in seinen Tangos und Liedern selbstverständlich das Faubourg und die Rue de la Paix, wie man sie in der Operette braucht. Wirkungen der Nachtlokalmusik von da und dort."
Die Partitur galt jahrzehntelang als verschollen, wurde aber von Matthias Grimminger und Henning Hagedorn rekonstruiert und 2019 erstmals wieder aufgeführt, zunächst konzertant unter der musikalischen Leitung von Hendrik Vestmann in der Komischen Oper Berlin, eine Aufführung, die 2020 auch in der Philharmonie Köln dargeboten wurde.
Musiknummern (Auswahl) „Heut’ ist ’was los“ „Eine blonde Frau, von der ich träume“ „Mon chère Bogumil“ „Scharfer Wind weht von West“ „Tausend Freuden blüh’n für Dich allein“ „Schön ist die Nacht“ „Tanz für mich, kleiner Schmetterling“ „Heut’ will ich mein Herz verschenken“ „In der Nacht, so um halb zehn“ „Komm’ in den Palmenhain, kleine Aloma“ „Ich hab’ dich viel zu lieb“ „Vive la reine, mondaine“ „Ich möcht’ so gern dich küssen“ „Ohne Liebe kann ein Herz nicht glücklich sein, ein Herz braucht Sonnenschein“ „Dieses kleine Lied, mein Schatz, sing’ ich für Dich“ „Tsching-tschong-tschina“ „Oh, wie wundervoll tanzt my little Dancingdoll“
Literatur Karin Meesmann: Pál Ábrahám. Zwischen Filmmusik und Jazzoperette, Wien 2023, p. 439ff
Weblinks Theaterzettel der Uraufführungsserie Programmheft der Uraufführung 1935 Mitschnitt der konzertanten Aufführung in der Komischen Oper Berlin 2019 Kevin Clarke: Paul Abraham’s “Dschainah – Das Mädchen aus dem Tanzhaus” Revived After 84 Years – (Operetta Research Center), 2019 Werner Häußner: Dschainah, das Mädchen aus dem Tanzhaus Große Operette von Paul Abraham: Dschainah, das Mädchen aus dem Tanzhaus Gastspiel der Berliner Produktion am 12. Januar 2020 in der Kölner Philharmonie
Einzelnachweise
Kategorie:Operettentitel Kategorie:Operette aus dem 20. Jahrhundert Kategorie:Musik 1935 Kategorie:Alfred Grünwald Kategorie:Fritz Löhner-Beda Kategorie:Paul Abraham