Wilhelm Fischer (geb. 10. Mai 1894 in Graslitz; † 10. Oktober 1979 in Wolfhagen) war ein Pädagoge und Maler.

Leben Wilhelm Fischer besuchte in Graslitz im Erzgebirge das Gymnasium. Während des Ersten Weltkriegs wurde er 1914 an der Front eingesetzt, zuerst in die Karpaten, später nach Italien, von wo er verletzt zurückkam. An der Prager Kunstakademie war er Schüler von Karl Krattner. 1920 kam er als Zeichenlehrer des dortigen Gymnasiums nach Krummau. Noch im selben Jahr heiratete er Auguste Schröder. Der 1925 geborene Sohn Willi Fischer jun. wanderte 1948 nach Schweden aus und betätigte sich dort als erfolgreicher Keramikkünstler.Unsere Heimat – Die Stadt Krummau an der Moldau im Böhmerwald, Waldkirchen 1992, S. 472 Wilhelm Fischer sen. wurde in Krummau durch zahlreiche Bilder bekannt und stellte seine Werke in Krummau, Winterberg und später in vielen sudetendeutschen Orten aus.

1930 gründete er zusammen mit Felix Schuster und dessen Ehefrau Emmi die Künstlergilde Krummau an der Moldau. Unter anderen waren auch Lothar Sperl und Anton Peschka, der Schwager des inzwischen berühmten Egon Schiele, an der Künstlergruppe beteiligt, die jährlich eine Ausstellung organisierte.

Im Jahr 1933 entdeckte er in Krummau die sitzende Madonna von St. Thoma, die vollkommen verwahrlost war und verheizt werden sollte. Nach seiner künstlerischen Beratung wurde sie restauriert und am 26. Mai 1936 in der Kirche St. Thoma eingeweiht und ist heute eine bekannte Vertreterin der „Schönen Madonna“. In den 1930er Jahren gab Fischer Böhmerwaldmotive auf Farbpostkarten heraus. Im Jahr 1941 zeigte er in der großen Ausstellung „Das Antlitz des Moldaulandes“ in Linz 32 Ölbilder und 50 Aquarelle. Die Stadt Linz verlieh ihm ihren Kulturpreis. Im selben Jahr richtete er sich in der Prälatur Krummau eine ständige Ausstellung ein und wurde Kunsterzieher an der Lehrerbildungsanstalt Krummau. Viele seiner Bilder gingen an Liebhaber ins sogenannte „Altreich“, unter anderem nach Berlin.

Im Zweiten Weltkrieg leistete er ab 1944 Wehrdienst bei der Marine-Fliegerabwehrartillerie an der Westfront, geriet in britische Gefangenschaft und fand im Februar 1948 seine Familie im hessischen Wolfhagen wieder, wohin die Familie nach 1945 ausgesiedelt worden war. Er nahm seine Arbeit als Maler wieder auf und wurde er auch in der neuen Heimat bekannt und beteiligte sich 1949 wieder an Kunstausstellungen. In den 1960er Jahren entstanden 43 Ortsbilder der Wolfhagener Gegend, die vom Kreisheimatmuseum angekauft wurden. Ferner schuf er Zeichnungen aus Wolfhagen und Umgebung für einen Kunstkalender 1978.

Nachdem er 1979 seine Heimatstadt Krummau und seinen Sohn in Schweden besucht hatte, starb Wilhelm Fischer am 10. Oktober 1979 in Wolfhagen.

Werk „Unter all der Farbigkeit des Werkes von Wilhelm Fischer schwingt eine leise Schwermut, der Hauch der Vergänglichkeit, in mildem Schmerz gefühlt. Er ist der liebenswürdige Schilderer der ihm zur zweiten Heimat gewordenen Stadt Krummau. Stille Winkel und trauliche Plätzchen, romantisch umrankt, sind seine Lieblingsmotive, die er in sauberer Technik mit dem Pinsel festhält. In diesem Sinne ist er ein wahrer Maler der Stille.“Die Künstlergilde von Krummau. In: Unsere Heimat – Die Stadt Krummau an der Moldau im Böhmerwald. Waldkirchen 1992, S. 462 ff.

In einem 2008 erschienenen Buch von Dirk Lindemann sind 850 Bilder des etwa 1500 Bilder umfassenden Werkes von Wilhelm Fischer dokumentiert.

Ehrungen Fischer wurden viele Ehrungen zuteil: 1968 erhielt er den Kulturpreis von Passau, der Patenstadt der Böhmerwälder; 1970 die Verdienstmedaille seiner Heimatstadt Graslitz; im Jahr 1980 richtete Wolfhagen im historischen Renthof eine „Wilhelm-Fischer-Gedächtnisausstellung“ ein. In Wolfhagen wurde auch eine Gedenktafel in der Burgstraße in Höhe des Hauses Nr. 26 angebracht, wo sich in einem heute nicht mehr existierenden Fachwerkhaus der erste Wohnsitz der Familie nach der Vertreibung im Jahr 1948 befand.

Eine Ausstellung im Oberhausmuseum in Passau im Jahre 1993 „Künstler aus dem Böhmerwald“ zeigte u. a. auch Werke von Wilhelm Fischer.Künstler aus dem Böhmerwald in „Hoam!“ Jg. 1993 S. 850

Literatur

Dirk Lindemann: Die Bilder des Malers Wilhelm Fischer. Ein künstlerisches und biografisches Kurzporträt. Litho Verlag, Wolfhagen 2008, ISBN 978-3-9811713-9-6. Josef Heinrich: Der Maler Wilhelm Fischer. In: Sudetendeutscher Kulturalmanach. Band 7, Delp’sche Verlagsbuchhandlung, 1962, S. 142 f.

Weblinks

Český Krumlov - Wilhelm Fischer Gedenktafel für Wilhelm Fischer Bilddokumente Bilddokumente mit Gruppenbild der Künstlergilde Krummau Gruppenfoto des Lehrkörpers des Realgymnasiums Krummau 1936 mit Wilhelm Fischer (5. v. l.) und Felix Schuster (6. v. l.):

Einzelnachweise

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