Looksmaxxing (Kofferwort aus den englischen Wörtern Looks (Aussehen) und -maxxing (Maximierung)) ist eine Online-Praxis zur Selbstoptimierung, bei der es um die Maximierung der eigenen körperlichen Attraktivität geht. Der Begriff ist ein Neologismus, der in den 2010er Jahren in Incel-Foren geprägt wurde. Zuvor war er nur in obskuren Internetforen gebräuchlich, wurde jedoch Anfang der 2020er Jahre vor allem von männlichen Content-Erstellern auf TikTok populär gemacht. Looksmaxxing wird häufig mit der Black-Pill-Ideologie der Manosphere in Verbindung gebracht. Diese vertritt die Ansicht, dass Frauen bei der sexuellen Selektion in erster Linie auf äußere körperliche Merkmale wie Körpergröße und Attraktivität achten, während Eigenschaften wie Freundlichkeit und Persönlichkeit ignoriert oder sogar abgelehnt werden. Looksmaxxing umfasst ein sehr breites Spektrum an Methoden zur Verbesserung des Aussehens. Diese reichen von harmlosen Praktiken wie Hautpflege und Fitnessstudio-Besuchen (Softmaxxing) bis hin zu extremeren Eingriffen wie invasiver Schönheitsoperationen und der Einnahme von Anabolika (Hardmaxxing).

Das Konzept wird von Kommentatoren im Allgemeinen als wertend und schädlich für seine Anhänger, die sogenannten Looksmaxxer, kritisiert. Communities und Influencer, die mit dieser Praxis in Verbindung stehen, bewerten das Aussehen von Personen, ohne Rücksicht auf deren allgemeines Wohlbefinden zu nehmen. Dies kann zu negativen psychischen Folgen wie Körperdysmorphen Störungen und Suizidgedanken führen. Zudem hat die zunehmende Popularität des Konzepts Bedenken hinsichtlich seines Potenzials aufkommen lassen, hegemoniale Männlichkeit zu fördern.

Konzepte

Softmaxxing Beim Softmaxxing, einem Teilbereich des Looksmaxxing, werden nicht-invasive und einfache Methoden angewendet, um geringfügige Verbesserungen des Aussehens zu erzielen. Dazu gehören Haut- und Körperpflege, die Wahl der Kleidung sowie allgemeine Fitnessmaßnahmen wie Gewichtskontrolle und Sport. Auch weitere, weniger konventionelle Praktiken fallen unter den Begriff Softmaxxing. Beliebte Beispiele sind „Mewing“, bei dem die Zunge an den Gaumen gesaugt wird, um die Kiefer- und Gesichtsstruktur zu verbessern, sowie „NoFap“, bei dem aus vermeintlich körperlichen und geistigen Vorteilen auf Masturbation verzichtet wird. Solche Praktiken tauchen aufgrund ihres Nischencharakters häufiger in der Looksmaxxing-Diskussion auf.

Praktiken im Zusammenhang mit Softmaxxing wurden zuvor durch Zeitschriften wie GQ, Esquire und Men’s Health populär gemacht, die Tipps zu Hautpflege und Frisuren geben.

Hardmaxxing mini|rechts|Schönheitseingriffe der Kiefer- und Gesichtschirurgie wird unter Looksmaxxern häufig vorgeschlagen und diskutiert. Ein weiterer Teilbereich ist das Hardmaxxing, bei dem es um extremere Praktiken geht, mit denen erhebliche Veränderungen des Aussehens und der Gesichtsstruktur angestrebt werden. Dazu gehören die nicht bestimmungsgemäße oder illegale Einnahme von Substanzen wie anabole Steroiden, Peptiden, menschlichem Wachstumshormon, Aromatasehemmern, Medikamenten zur Gewichtsreduktion usw., um eine größere Körpergröße, ein maskulineres Aussehen und mehr Muskelmasse zu erreichen, extreme Diäten bis hin zur Hungerkur, um einen niedrigen Körperfettanteil zu erreichen, sowie die Hautaufhellung, um einen helleren Hautton zu erzielen, der als erstrebenswerter angesehen wird, und die Durchführung kosmetischer Eingriffe wie Kieferoperationen und Nasenkorrekturen.

Eine besonders zweifelhafte Praxis ist das sogenannte „Bonesmashing“, bei dem das eigene Gesicht gegen Gegenstände wie einen Hammer geschlagen wird, um ein „markantes Aussehen“ zu erzielen. Diese Praxis wird oft im Zusammenhang mit Looksmaxxing beschrieben, gilt unter Looksmaxxern jedoch als Insiderwitz. Dennoch gibt es auf TikTok viele Bonesmashing-Tutorials mit genauen Anleitungen. Quellen bezeichnen sie als Fehlinformation.

Andere Konzepte Männer, die sich mit Looksmaxxing beschäftigen, suchen oft nach anderen, die ihr Aussehen bewerten, wobei sich einige in anonymen Foren engagieren, die mit der Incel-Subkultur in Verbindung stehen. Diese Bewertung wird zusammen mit dem wahrgenommenen Status und Reichtum als „sexueller Marktwert“ (auch bekannt als SMV) angesehen. Wer die Attraktivität einer Person einschätzen möchte, achtet in der Regel auf verschiedene Gesichtsmerkmale. Eines der Merkmale, auf die bei Männern geachtet wird, sind „Jägeraugen“ (Hunter Eyes), was sich auf eine neutrale/positive Neigung der Augenwinkel, wenig bis gar keine Sichtbarkeit des oberen Augenlids und tief sitzende Augenbrauen bezieht, was der Augenpartie eines Raubtiers ähnelt. Weitere Merkmale, auf die geachtet wird, sind eingefallene Wangen, eine ausgeprägte Jawline und „gespitzte Lippen“. Um diese Merkmale zu erreichen, wenden manche Methoden wie das bereits erwähnte „Mewing“, das Reiben im Augenbereich oder chirurgische Eingriffe an.

Personen, die eine niedrige Bewertung erhalten, werden oft wegen ihres Aussehens schikaniert. Zu den Formen der Schikane gehört unter anderem die Anstiftung zum Selbstmord, die in manchen Rechtsordnungen als eigenständiges Delikt verfolgt wird. In diesen Communities wurden zusätzliche Begriffe geprägt, um andere zu dominieren. Zu diesen Ausdrücken gehören „Mogging“, bei dem man aufgrund des Aussehens Dominanz über eine andere Person behauptet, und „Y-pilled“ zu sein, was bedeutet, dass man sich selbst als männlicher als der andere betrachtet und eine Abwandlung des Begriffs „Redpilled“ darstellt. Obwohl der Begriff „Mogging“ im Zusammenhang mit Looksmaxxing verwendet wird, um das eigene Aussehen als besser als das eines anderen zu bewerten, kann dieser Begriff auf schädliche Weise genutzt werden. Junge, leicht beeinflussbare Kinder, die den Begriff in den sozialen Medien verwenden, um ihr Aussehen im Vergleich zu dem ihrer Freunde zu beschreiben, könnten dies falsch auffassen, was später zu Unsicherheiten bei einer ganzen Generation von Kindern führen könnte. Der Begriff leitet sich zudem von „AMOG“ ab, einem Akronym für „Alpha Male of the Group“ (Alpha-Mann der Gruppe). Diese Verstärkung einer toxischen Männlichkeitskultur macht die Fortschritte zunichte, die bei der Akzeptanz vieler Formen des Geschlechtsausdrucks und der Aufweichung von Geschlechterrollen erzielt wurden.

Geschichte Die Praxis des Looksmaxxing entstand in den 2010er Jahren in Incel-Communities, in denen der sexuelle Erfolg der „Chads“ (Der perfekter Mann) auf ihre vermeintlichen genetischen Vorteile zurückgeführt wurde. Die drei wichtigsten Foren, in denen Looksmaxxing im Zusammenhang mit der Black-Pill-Ideologie entstand, waren die Websites PUAHate.com, Sluthate.com und Lookism.net (die „PSL-Foren“). Diese übergreifende Online-Community wurde als „PSL-Community“ bekannt. Neben ihrem Fokus auf Looksmaxxing und Black-Pill-Ideen lehnten diese Websites auch die Mainstream-Dating-Kultur und feministische Perspektiven ab. Looksmaxxing wurde als Strategie zur sozialen Anerkennung dargestellt. Sie beinhaltet insbesondere die Anpassung an die als dominant wahrgenommenen männlichen Schönheitsideale, um Frauen anzuziehen. In diesen Foren wurde eine eigene Maßeinheit zur Bewertung des Aussehens etabliert: die sogenannte PSL-Skala (die für „Perceived Sexual Levels“ steht, aber auch als Abkürzung für jedes der drei Hauptforen in der Reihenfolge dient).

Die PSL-Skala unterscheidet sich vom traditionellen numerischen Attraktivitätsbewertungssystem „x von 10“ dadurch, dass sie einen streng hierarchischen und systematischen Rahmen verwendet, der ausschließlich zur Messung der Attraktivität des Gesichts dient. Sie nutzt in der Regel eine Skala von 1 bis 8 und wurde mit dem Ziel entwickelt, zu interpretieren, wie Frauen Männer wahrnehmen. Viele der mit Looksmaxxing verbundenen Begriffe und Fachausdrücke haben ihren Ursprung in diesen Foren. Die drei „PSL-Foren“ existieren mittlerweile nicht mehr, doch das Looksmaxxing verbreitete sich über die Manosphere-Communities hinaus und hielt Einzug in die breitere Online-Kultur, wo es Anfang der 2020er Jahre auf Plattformen wie TikTok an Popularität gewann.

Im Gegensatz zu den früheren Diskussionen in Foren, die enger mit der „Black-Pill“-Weltanschauung verbunden waren, wurde „Looksmaxxing“ in den frühen TikTok-Inhalten oft als Selbstverbesserung dargestellt – manchmal unter Einbeziehung von selbstironischem Humor. Bis Mitte der 2020er Jahre wurde die Black-Pill-Ideologie im Mainstream-Diskurs jedoch zunehmend mit dieser Praxis in Verbindung gebracht. Der Kick-Livestreamer Clavicular gilt als der bekannteste Vertreter der Looksmaxxing-Szene. Durch die Förderung extremerer Formen des Looksmaxxing hat er die Szene einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Rezeption Looksmaxxing wird seit seinen Anfängen in der Incel-Subkultur mit dieser in Verbindung gebracht. In einem Beitrag für The Conversation vertritt Jamilla Rosdahl, Dozentin und Forscherin am Australian College of Applied Psychology, die Ansicht, dass diese Praxis junge Männer durch die TikTok-Algorithmen zu Incels macht. Zur Beliebtheit von Looksmaxxing unter jungen Menschen insgesamt schrieb sie: „Wenn junge Menschen das Gefühl haben, ihre Umgebung nicht kontrollieren zu können, wenden sie sich möglicherweise Trends wie Looksmaxxing zu, da sie hier Kontrolle ausüben können.“ Sie führt dies auf verschiedene reale Probleme wie eine instabile Wirtschaftslage und die steigende Zahl junger Männer, die Schwierigkeiten haben, eine Beziehung einzugehen, zurück. In einigen Fällen berichten Männer, die sich dieser Praxis widmen, von Vorteilen wie dem Finden einer Freundin und positiver Bestätigung durch Gleichaltrige, nachdem sie ihr Aussehen verbessert haben. Allerdings ist solch ein Lob stets mit Kritik vermischt, was dazu beiträgt, eine gemeinsame Sichtweise mit weniger attraktiven Mitgliedern aufrechtzuerhalten, die sich alle dem männlichen Ideal untergeordnet fühlen.

Mehrere Methoden des Looksmaxxing, darunter „Mewing“ und „Bonesmashing“, wurden von Ärzten kritisiert und als Fehlinformationen abgetan. In Bezug auf „Mewing“ argumentierten Forscher, dass es an Belegen für eine Veränderung der Gesichtsstruktur mangelt. Gesichtschirurgen kritisierten „Bonesmashing“ und wiesen auf das Risiko von Knochenbrüchen, Fehlstellungen im Gesicht, neurovaskulären Verletzungen, Gesichtsdeformitäten und Sehstörungen hin. Ärzten wurde empfohlen, Patienten, die sich für Looksmaxxing interessieren, dabei zu unterstützen, sichere von schädlichen Schönheitspraktiken zu unterscheiden, und ihnen nahezulegen, Looksmaxxing-Praktiken nur dann durchzuführen, wenn dies auf medizinisch vertretbare Weise geschieht.

Clavicular propagiert in Interviews und in den sozialen Medien ein Bewertungssystem für Looksmaxxing: die „PSL-Skala“. Sie weist Männern eine numerische Bewertung zu und teilt sie anschließend in drei Kategorien ein: „Subhuman“ (Untermensch), „Normie“ und „Chad“. In ihrer Kritik im New Yorker schreibt die Journalistin Becca Rothfeld: „Die moralischen Einwände gegen das ‚Looksmaxxing‘ sind zahlreich, schwerwiegend und offensichtlich. Ein System, das Menschen als ‚subhuman‘ einstuft, ist verachtenswert, ganz zu schweigen von den rassistischen Beleidigungen, zu denen sich Looksmaxxing-Anhänger regelmäßig hinreißen lassen.“ Sie zitiert zudem ein aktuelles Interview, in dem Clavicular „zustimmend feststellt, dass Brad Pitt Mutter Teresa ‚moggt‘.“