mini|Karte der heutigen Topographie mit Eintragung der dokumentierten römischen Fundamentreste im Bereich der Badeinsel sowie mit Rekonstruktion des vermuteten antiken Brückenverlaufs Eine römische Brücke in Budapest überquerte dort, im Bereich der damaligen Doppelstadt Aquincum, in der Antike vermutlich die Donau.

Spuren einer römerzeitlichen Donaubrücke konnten in Budapest bisher nur 1874/1875 beobachtet werden, als im Rahmen der Flussregulierung die kleine Insel Fürdő-sziget („Badeinsel“) ausgebaggert wurde. Dort, etwas nördlich der heutigen Árpádbrücke, konnten der Archäologe Flóris Rómer und der Stadtingenieur Gusztáv Zsigmondy bei den damaligen Baumaßnahmen neben römischen Inschriften und Gebäudestrukturen auch Fundamentstrukturen aus Holzpfeilern freilegen und dokumentieren.

Es handelte sich um vier Konzentrationen von regelmäßig angeordneten, in den Boden gerammten Holzpfählen, deren Zwischenraum mit gestampftem Lehm und Steinen aufgefüllt war. Jeder dieser Pfahlroste war von länglicher Form und 6–8 Pfahlreihen breit. Sie liefen an den Schmalseiten mandelförmig zu, um der Strömung wenig Angriffsfläche zu bieten. Auf den im Boden steckenden Holzpfählen lag als oberer Abschluss eine Schicht horizontal aufgelegter Holzbalken auf. Solche hölzernen Pfeilerfundamente befanden sich bei antiken Brücken unter Wasser und dienten dazu, das Bauwerk im Flussgrund zu stabilisieren. Oberhalb dieser Holzstrukturen folgten die hölzernen oder steinernen Brückenpfeiler. Bei den Bau- und Grabungsmaßnahmen 1874/1875 wurden auch zahlreiche behauene Steine beobachtet, deren möglicher ursprünglicher Bauzusammenhang sich mangels Dokumentation nicht mehr klären lässt.

Diese Fundamente werden seitdem in der Forschung allgemein als Reste der Brückenpfeiler eines römischen Flussübergangs gedeutet. Dieser hätte an dieser Stelle das städtische Zentrum von Aquincum inklusive seinem Legionslager am westlichen Donauufer und den Statthalterpalast auf der heute noch existierenden Hajógyári-sziget („Schiffswerft-Insel“) mit dem östlich der Donau (im „Barbaricum“) gelegenen römischen Vorposten „Transaquincum“ (antiker Name umstritten) verbunden.So werden die Befunde unter anderem interpretiert bei: Bálint Kuzsinszky: Aquincum. Ausgrabungen und Funde. Führer mit einer topographischen und geschichtlichen Einleitung. Budapest 1934, S. 116 und 221; Margit Németh: A rákospataki híd és az aquincumi Dunaszakasz védelmének kérdései [Die Brücke beim Rakosbach und Fragen der Verteidigung des Donauabschnittes im Bereich von Aquincum]. In: Attila Gaál (Hrsg.): Pannoniai kutatások. A Soproni Sándor emlékkonferencia előadásai, Bölcske, 1998. október 7. Szekszárd 1999, S. 141–159; Margit Németh: Wachttürme und Festungen am linken Donauufer. In: Paula Zsidi (Red.): Forschungen in Aquincum 1969–2002 (= Aquincum nostrum. Band 2,2). Történeti Múzeum, Budapest 2003, ISBN 963-93-4023-5, S. 96–99, hier S. 98–99; Klára Póczy: Aquincum. Das römische Budapest. Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3473-7, S. 10–12; Orsolya Láng: A history of the excavation and restoration of relics from the ruins of Aquincum. In: Paula Zsidi (Hrsg.): Archaeological Monuments from the Roman Period in Budapest. Walks around Roman Budapest (= Aquincum Pocket Guide. Band 4). BTM Aquincum Museum, Budapest 2010, ISBN 978-963-9340-85-5, S. 7–11, hier S. 8; Paula Zsidi: The Role of the Danube in the Topography of Aquincum. In: Gyöngyi Kovács, Gabriella Kulcsár (Hrsg.): Ten Thousand Years along the Middle Danube. Life and Early Communities from Prehistory to History (= Varia Archaeologica Hungarica. Band 26). Archaeolingua, Budapest 2011, ISBN 978-963-9911-26-0, S. 241–264, hier S. 257–259; Felix F. Schäfer: Praetoria. Paläste zum Wohnen und Verwalten in Köln und anderen römischen Provinzhauptstädten. Nünnerich-Asmus, Mainz 2014, ISBN 978-3-943904-70-3, S. 233; Kata Rudan: Tárolóvermek a Rákos-pataki késő római erődből adalékok a késő római hadsereg ellátmányának kérdéséhez / Storage pits from the Late Roman fort by the Rákos Stream. Data on the supply of the Late Roman army. In: Magyar Régészet / Hungarian Archaeology. Ausgabe Herbst 2023, S. 27–34, hier S. 28 (online: ungarische Ausgabe, englische Ausgabe). Da die Fundamente nicht genau in einer geraden Linie liegen, müsste die Brücke an dieser Stelle einen Knick gehabt haben. Demgegenüber hat József Attila Csiki die Ansicht vertreten, dass eine angenommene römische Brücke über die Donau weitaus mehr bauliche Reste etwa in Form von Steinbrocken, weiteren Pfahlstrukturen im Flussbett und/oder einem Brückenkopf hinterlassen hätte als heute bekannt sind. Auch hätte ein solch großes Bauwerk in mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Quellen Spuren hinterlassen haben müssen. Aufgrund der Breite der Donau und des im Winter auftretenden Treibeises sei es zudem gar nicht möglich gewesen, an dieser Stelle eine Brücke zu bauen. Plausibler sei, dass die 1874/1875 dokumentierten Pfahlroste zu Mauern gehörten, die von einer auf der dortigen Insel liegenden Festung aus ins Wasser ragten.József Attila Csiki: Állt-e állandó római híd a Dunán Aquincumnál? [Was there a Roman bridge at Aquincum?]. In: Res militares antiquae. Ókori Hadtörténeti és Fegyvertörténeti Konferencia Tanulmányai, Pécs, 2013. február 22–23 (= Specimina nova dissertationum ex Instituto Historiae Antiquae et Archaeologiae Universitatis Quinqueecclesiensis. Supplementband 12). PTE-BTK TTI Régészet Tanszék, Pécs 2013, ISBN 978-963-642-535-7, S. 21–33. Aufgegriffen wurde Csikis Deutung in: Domonkos Csaba: Lehetett-e római híd Aquincumnál? pestbuda.hu vom 16. Oktober 2023, abgerufen am 27. April 2026.

In der Tat sind an beiden Ufern der Donau noch keine Reste der vielfach vermuteten Brücke bekannt geworden. In den 1980er Jahren wurde im Bereich der Hajógyári-sziget nach entsprechenden Spuren gesucht, was aber durch den dortigen Werftbetrieb nur begrenzt möglich war und ohne Ergebnis blieb. Die anderen Bereiche, in denen die Brücke angenommen wird, sind entweder für archäologische Untersuchungen zu stark überbaut oder es sind aufgrund nachantiker Eingriffe in die Landschaft keine erhaltenen Befunde mehr dort zu erwarten; so führt am westlichen Donauufer eine Bahnstrecke entlang, für die im frühen 20. Jahrhundert tiefe Fundamentmauern in die Erde gesetzt wurden. Überreste vormoderner Baustrukturen im Flussbett sind zudem noch nicht systematisch untersucht worden.

Weiter nördlich wurde 1978/1979 am westlichen Donauufer ein noch relativ gut erhaltener antiker Brückenkopf gefunden, der zu einer Brücke vom Donauufer auf die Hajógyári-sziget gehörte.Paula Zsidi: Hídfőállás az aquincumi polgárváros és katonaváros között [Ein Brückenkopf zwischen der Zivilstadt und den Canabae von Aquincum]. In: Attila Gaál (Hrsg.): Pannoniai kutatások. A Soproni Sándor emlékkonferencia előadásai, Bölcske, 1998. október 7. Szekszárd 1999, S. 257–274 (online: ungarischer Text, deutsche Zusammenfassung). Diese Strukturen liegen nicht in einer Linie mit den 1874/1875 beobachteten Pfahlrosten. Sofern die im 19. Jahrhundert dokumentierten Holzpfähle zu einer Donaubrücke gehörten, bleibt die genaue Wegführung über die Donau also unklar: Entweder es könnten zwei kleinere Brücken von Westen auf die Hajógyári-sziget geführt haben, von denen nur eine über das Hauptbett der Donau bis zum Ostufer weiterlief, oder die zwei Teilbrücken des Donauübergangs (vom Westufer auf die Hajógyári-sziget und von dort weiter an das Ostufer) könnten schlicht nicht in einer Linie gelegen haben, was sich etwa durch Verteidigungsgründe angesichts der Lage am Donaulimes erklären ließe.

Literatur József Attila Csiki: Állt-e állandó római híd a Dunán Aquincumnál? [Was there a Roman bridge at Aquincum?]. In: Res militares antiquae. Ókori Hadtörténeti és Fegyvertörténeti Konferencia Tanulmányai, Pécs, 2013. február 22–23 (= Specimina nova dissertationum ex Instituto Historiae Antiquae et Archaeologiae Universitatis Quinqueecclesiensis. Supplementband 12). PTE-BTK TTI Régészet Tanszék, Pécs 2013, ISBN 978-963-642-535-7, S. 21–33. Margit Németh: A rákospataki híd és az aquincumi Dunaszakasz védelmének kérdései [Die Brücke beim Rakosbach und Fragen der Verteidigung des Donauabschnittes im Bereich von Aquincum]. In: Attila Gaál (Hrsg.): Pannoniai kutatások. A Soproni Sándor emlékkonferencia előadásai, Bölcske, 1998. október 7. Szekszárd 1999, S. 141–159 (online). Paula Zsidi: The Role of the Danube in the Topography of Aquincum. In: Gyöngyi Kovács, Gabriella Kulcsár (Hrsg.): Ten Thousand Years along the Middle Danube. Life and Early Communities from Prehistory to History (= Varia Archaeologica Hungarica. Band 26). Archaeolingua, Budapest 2011, ISBN 978-963-9911-26-0, S. 241–264, hier S. 257–259.

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