mini|hochkant|Karl Kalms als Stadtrat, 1926 Karl Kalms I. (* 24. April 1868 in Braunschweig; † 28. Dezember 1938 ebenda) war ein deutscher Gastronom und Hotelier.Die Darstellung beruht im Wesentlichen auf den im Firmen- und Familienarchiv der Kalms GmbH & Co. KG in Braunschweig verwahrten Unterlagen, Fotos und Zeitungsausschnitten. Daneben haben sich Unterlagen im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel und im Stadtarchiv Braunschweig erhalten.

Leben Kalms war das erste von drei Kindern des Braumeisters Christian Kalms und der Wilhelmine Kalms, geb. Kruse.Kirchenbuch der Evangelisch-lutheranischen Gemeinde St. Martini in Braunschweig. Auszug vom 27.4.1938; Auskunft von Karl Kalms I. betr. die Familienverhältnisse der Familie Kalms an Herrn E. Kramer in Berlin-Steglitz vom 15.3.1934, Maschinenschrift. Beides im Archiv der Kalms GmbH & Co. KG, Braunschweig. Nach dem Besuch der Vierten Mittleren Bürgerschule in Braunschweig und der Lehrzeit bei seinem Onkel Wilhelm Kruse in der Gaststätte Wilhelmsgarten diente Kalms 1888 bis 1890 in der 2. Kompagnie des Hannoverschen Jäger-Bataillons 10 in Goslar und Colmar im Elsass.Im Archiv der Kalms GmbH & Co. KG in Braunschweig vorhanden: Prolog zum Compagnie-Fest der II. Compagnie Hannoversches Jäger-Bataillon No. 10, (Goslar) am 19.3.1890. Doppelblatt, handschriftlich, Tinte [Gedicht auf das letzte Zusammentreffen der Kompanie und deren Abschied nach 24 Jahren aus Goslar. Verlegung der Kompanie nach Elsass-Lothringen. Mit Dank an die zum Fest erschienenen Goslarer Bürgertöchter]. Am Deutschen Jägertag hat Kalms regelmäßig teilgenommen, er fand 1933 im Park Hotel Braunschweig statt. Der Deutsche Jägerbund widmete Kalms auch einen Nachruf in seinem Nachrichtenblatt. Anschließend arbeitete er wieder bei Wilhelm Kruse im Wilhelmsgarten mit. Dieser erwarb als bisheriger Pächter 1894 das Etablissement und erweiterte es in den nächsten Jahren zu einem imposanten Veranstaltungszentrum mit mehreren großen Sälen, Bier- und Speiserestaurant sowie Weinstube.

Im Jahr 1895 machte Kalms sich selbständig und pachtete das Café Lück an der Ecke von Steinweg und Theaterwall gegenüber dem Herzoglichen Hoftheater. Durch Kauf ging es 1896 in sein Eigentum über. Den gastronomischen Betrieb als Kaffeehaus im Wiener Stil und beliebten Treffpunkt für Theaterensemble und Theaterfreunde baute er weiter aus. Neben dem Ladengeschäft und der Gastwirtschaft unter dem Namen „Conditorei Restaurant & Café Lück“ florierte das Unternehmen auch als Versand- und Bestellgeschäft für Konditoreiwaren, Konfitüren und Schokoladen aller Art sowie als Weingroßhandlung. Kalms war seit Mai 1900 Herzoglich Braunschweig-Lüneburgischer Hoftraiteur und seit April 1901 Hoflieferant Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein.

In den ersten Jahren nach der Übernahme erwarb Kalms mehrere Grundstücke in der Nachbarschaft der Mauernstraße und des Theaterwalls hinzu, so dass sich die ihm zur Verfügung stehende Fläche vergrößerte. Dann ließ er 1908 den 1861 von Constantin Uhde errichteten Altbau des Café Lück abreißenBraunschweiger Neueste Nachrichten und Braunschweigische Anzeigen. 2. Juli 1908. und an dessen Stelle, unter Beibehaltung des traditionsreichen Namens, das „Park Hotel Café Lück“ setzen, das nach Plänen des Architekten Otto Eggeling mit Jugendstil-Elementen neu erbaut wurde. Um diese Maßnahme zu finanzieren, wandelte er den Betrieb in eine Aktiengesellschaft um, die zum 1. Mai 1908 begründet wurde, und führte das Unternehmen, dessen Geschäftsführer er war, fortan unter dem Namen „Park-Hotel Café Lück Aktiengesellschaft“. Dem Aufsichtsrat gehörten fünf Braunschweiger Wirtschaftshonoratioren an: Georg Kiehne als vormaliger Inhaber der Lithographischen Anstalt und Etikettenfabrik, der Biergroßhändler Richard Brauwers, der Kaufmann Albert Becker als Geschäftsführer der Konservenfabrik Gebr. Grahe, der Kaufmann Siegmund SeeligSiegmund Seelig (Textilhändler, Hoflieferant, * 1. April 1868; † 4. Juni 1943 im KZ Westerbork in den Niederlanden), vgl. stolpersteine-fuer-braunschweig.de Unterlagen zum Wiedergutmachungsverfahren 1949–1961 beim Niedersächsischen Landesarchiv Wolfenbüttel, NLA WO, 4 Nds, Zg. 22/2003 Nr. 988 und 989.Brunsvicensia Judaica: Gedenkbuch für die jüdischen Mitbürger der Stadt Braunschweig 1933–1945. Redaktion: Richard Moderhack. Waisenhaus-Buchdruckerei und Verlag, Braunschweig 1966, Seite 214. als Inhaber der Einrichtungsfirma P. J. Blanck und der Redakteur Heinrich Ibach für den Verlag Albert Limbach. Eine Rückumwandlung der Firma in Privateigentum mit neuer Konzession erfolgte Ende 1937 aufgrund veränderter rechtlicher Gegebenheiten.

mini|Das Park Hotel Café Lück am Eröffnungstag, dem 15. Oktober 1909 Das Park Hotel wurde am 15. Oktober 1909 eröffnet.Zur Geschichte des Park Hotels bis zum Tod von Karl Kalms 1938 vgl. Albrecht, Seite 244–252. Ergänzt wurde das Unternehmen durch die WeingroßhandlungEngros-Preisliste 1911/12 der Weingroßhandlung Park Hotel „Café Lück“ Aktiengesellschaft Braunschweig, gedruckt, 16 Seiten, Niedersächsisches Staatsarchiv Wolfenbüttel (NLA WO 30 Slg 28 Nr. 131). und seit 1919 durch den Bierverlag für das Staatliche Hofbräuhaus in München. Im Juni 1928 erwarb Kalms noch das Grundstück Theaterwall 2 aus dem Besitz des Seifenfabrikanten Ernst Weber hinzuKaufvertrag für das Grundstück Bd. 43 A Bl. 67 Nr. ass. 3826 (Theaterwall 2), notariell beurkundet von Dr. Alfred Jürgens am 2.6.1928, Reg. Nr. 15442 (Fünfte Ausfertigung im Archiv der Kalms GmbH & Co. KG, Braunschweig). und ließ hier weitere elegante Hotelzimmer für Gäste sowie ein Musikzimmer und Konferenzräume einrichten, die über einen schwebenden Verbindungsgang vom ersten Obergeschoss des Park Hotels aus zu erreichen waren.

Familie Am 17. April 1894 heiratete Kalms Margarethe Nieper, * 30. Januar 1872 in Braunschweig; † 29. Januar 1944 ebenda, die Tochter des Braunschweiger Schlossermeisters Karl Nieper und der Elise Nieper, geb. Breimann. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, die alle beruflich ins Hotelfach einstiegen und das Park Hotel nach dem Tod des Vaters 1938 fortführten:

Elisabeth Kalms, * 28. November 1894 in Braunschweig; † 20. November 1982 ebenda Karl Kalms, * 11. Februar 1896 in Braunschweig; † 3. Februar 1963 ebenda; persönlich haftender Gesellschafter ab 1939 Ilse Kalms, * 22. September 1901 in Braunschweig; † 19. Juni 1981 ebenda Walter Kalms, * 2. November 1906 in Braunschweig; † 10. Januar 1942 in Warschau Hans Joachim Kalms, * 21. Januar 1908 in Braunschweig; † 10. November 1956 ebenda

Öffentliches Wirken Der für das Gemeinwohl engagierte, ebenso tüchtige wie streitbare Kalms wirkte auf regionaler und überregionaler Ebene in den Hotelbesitzerverbänden mit; er war Vorstandsmitglied des Verbandes der Hotelbesitzer des Harzes und der umliegenden Gebiete, Verwaltungsratsmitglied des Reichsverbandes der deutschen Hotels, Restaurants und verwandter Betriebe, außerdem Mitglied im Bildungsausschuss für die höhere Hotelfachschule in Heidelberg, an der seine Söhne Walter und Hans Joachim und später auch sein Enkel Karl Kalms III. die Ausbildung absolvierten, und Juror bei der Internationalen Kochkunstausstellung.

Vor Ort in Braunschweig war er Beirat für das Gastwirtsgewerbe beim Staatsministerium im Land Braunschweig und Vorsitzender der Interessengemeinschaft für das Gastwirtsgewerbe in der Stadt Braunschweig e.V. Der örtlichen Wirtschaft diente er ab 1911 als Mitglied, zeitweise auch als Vizepräsident und Schatzmeister der Industrie- und Handelskammer sowie als Mitglied im Ausschuss des Wirtschaftsverbandes des Landes Braunschweig, zudem war er Aufsichtsratsvorsitzender der von ihm initiierten Braunschweiger Eisfabrik und Aufsichtsratsmitglied des Elektrizitätswerkes wie der Straßenbahnbetriebe.

Insbesondere wichtig war Kalms die Entwicklung des Verkehrswesens und des Tourismus in der Region Braunschweig. Er gründete 1899 zusammen mit anderen Geschäftsleuten den Städtischen Verkehrsverein Braunschweig e.V. „zur Hebung Braunschweigs und seines Fremdenverkehrs“, dessen Vorstands- und später Ehrenmitglied er wurde, hatte es aber immer schwer, politische Anerkennung für die Arbeit dieses Vereins zu finden, wie eine längliche Debatte der Stadtverordneten im Oktober 1905 über die Notwendigkeit von Stadtreklame offenbart.Sitzung vom 12. Oktober 1905. – XI. Unterstützung des Verkehrsvereins. In: Verzeichnis der Verhandlungs-Gegenstände der Stadtverordneten-Versammlung zu Braunschweig im Jahre 1905/1906. , Seite 272–280 (leopard.tu-braunschweig.de PDF)Sitzung vom 28. Juni 1906. – XI. Zuschuss für den Verkehrsverein. In: Verzeichnis der Verhandlungs-Gegenstände der Stadtverordneten-Versammlung zu Braunschweig im Jahre 1906/1907. , Seite 105–108 (leopard.tu-braunschweig.de). Die Verkehrsanbindung der Stadt Braunschweig und ihrer touristisch relevanten Destinationen war einer seiner Arbeitsschwerpunkte. In diesem Interessenbereich arbeitete er in der Zeit der Weimarer Republik auch mit im Landeseisenbahnrat bei der Reichsbahn-Direktion Magdeburg.

Von April 1905 bis März 1911 diente Kalms der Stadt Braunschweig als Stadtverordneter; er wirkte zunächst in der Deputation für das Marktwesen und in der Gewerbesteuer-Kommission mit. Seite 5 f., Sitzung vom 13. April 1905. vergleiche. auch die Ausweitung der Aufgaben der Markthallendeputation in der Sitzung vom 2. November 1906: ebd., Seite 306f. Die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit lagen immer im Bereich von Handel, Gewerbe und Infrastruktur. Mit Blick auf die Hebung des Fremdenverkehrs plädierte er etwa für die Einrichtung eines Tennisplatzes am Bürgerpark Seite 18, Sitzung vom 13. April 1905. und für die Einrichtung eines Stadtbades; Seite 229, Sitzung vom 28. September 1905. Verzeichnis der Verhandlungs-Gegenstände der Stadtverordneten-Versammlung zu Braunschweig im Jahre 1907/1908, Seite 31 f., Sitzung vom 21. April 1907. Verzeichnis über die Verhandlungs-Gegenstände der Stadtverordneten-Versammlung zu Braunschweig im Jahre 1910/1911, Seite 498f., Sitzung vom 9.3.1911, Seite 538–544, Sitzung vom 30.3.1911. er sprach sich aber auch aus für eine finanzielle Unterstützung des VIII. Deutschen Stenographentags in Braunschweig durch die Stadt Seite 158, Sitzung vom 15. Juni 1905. oder einen dauernden Unterhaltszuschuss für den Sportverein „Eintracht“. Seite 195, Sitzung vom 24. August 1905. Aus der ersten Phase im Stadtrat blieb den Zeitgenossen vor allem sein großes Engagement für eine zeitgemäße elektrische Straßenbeleuchtung der aus seiner Sicht sehr rückständigen Stadt Braunschweig im Gedächtnis, ein Antrag, den die Stadtverordneten kontrovers diskutierten und ablehnten. Seite 165, Sitzung vom 15. Juni 1905 (Antrag); Seite 177–184, Sitzung vom 24. August 1905 (Beratung); Seite 438–443, Sitzung vom 18. Januar 1906 (Beratung); Seite 452f., Sitzung vom 15. Februar 1906. Zur besseren Beleuchtung des Platzes um das Hoftheater: 1906/07 Seite 74f., Sitzung vom 31. Mai 1906; Seite 143–145, Sitzung vom 30. August 1906; Seite 347–350, Sitzung vom 7. Februar 1907. vergleiche. Braunschweigische Neueste Nachrichten, ca. 12.8.1906: Sonntag, 12. August 1906 [Gedicht zu Karl Kalms I. Initiative, städtische Beleuchtung auf dem Hoftheaterplatz anzubringen]. Auch der Antrag auf Errichtung eines Musikpavillons auf dem Löwenwall für die regelmäßig stattfindenden Promenadenkonzerte des Verkehrsvereins ging auf seine Initiative zurück. Seite 165, Sitzung vom 15. Juni 1905 (Antrag); Seite 185, Sitzung vom 24. August 1905 (Zurückziehung). Immer wieder befasste er die Stadtverordnetenversammlung auch mit dem Thema Verunreinigung der Oker im Stadtgebiet durch Abwasser.Verzeichnis der Verhandlungs-Gegenstände der Stadtverordneten-Versammlung zu Braunschweig im Jahre 1909/1910, Seite 231f., Sitzung vom 30.6.1909 (und öfter).