Die Geschichte vom großen König Tugendhaft ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (51: Mahāsīlava-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 195–203, 515. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Als der Bodhisattva als der Sohn des Königs Brahmadatta in Benares wiedergeboren worden und herangewachsen war, bestieg er selbst den Thron und regierte unter dem Namen Großer König Tugendhaft. Seine Regentschaft war gerecht, er verteilte Almosen, hielt die Gebote ein und war voller Geduld, Liebe und Mitleid. In der Stadt gab es jedoch einen Minister, der Verrat gegen ihn übte und daraufhin aus dem Reich Kāsi verbannt wurde, woraufhin er nach Kosala ging und den dortigen König ermutigte, das Reich Kāsi zu erobern.
Der König von Kosala sandte einige kleine Soldatenhorden nach Kāsi, um König Tugendhaft zu testen, und als diese dann beschenkt zurückkamen, beschloss er, sich das Reich einzuverleiben. In Kāsi lebten damals tausend furchtlose Helden, die gegen den Feind antreten wollten. König Tugendhaft verwehrte es ihnen jedoch und so gelang es dem König von Kosala, Kāsi kampflos zu erobern. Die tausend Helden und König Tugendhaft wurden daraufhin auf dem Leichenplatz bis zum Hals eingegraben, damit die Schakale sie fräßen. Zu Mitternacht, als der älteste Schakal sich anschickte, König Tugendhaft in den Hals zu beißen, presste dieser ihn jedoch mit seinem Kinn auf den Boden und klemmte ihn ein. Aus Todesfurcht begann der Schakal, mit seinen vier Füßen zu scharren, sodass der Boden locker wurde und sich König Tugendhaft befreien konnte.
Nachdem auch die Getreuen des Königs befreit waren, erblickten sie zwei Dämonen, die sich um einen Leichnam stritten. Diese baten König Tugendhaft die Teilung vorzunehmen, woraufhin dieser parfümiertes Wasser, um sich zu waschen, feine Gewänder und Speisen sowie das Schwert des Diebeskönigs von ihnen verlangte. Die Dämonen schafften die Dinge herbei. Danach schnitt er den Leichnam entzwei. Gesättigt fragten die Dämonen daraufhin, was sie für ihn tun könnten, und sodann ließ er sich in das Schlafgemach des Diebeskönigs sowie seine Getreuen in ihre Häuser bringen.
Den Diebeskönig weckte König Tugendhaft mit der flachen Seite seines Schwerts auf, der daraufhin furchtsam fragte, wie er in dessen bewachtes Haus gelangen konnte. Da erzählte König Tugendhaft ihm die ganze Geschichte und als der Diebeskönig vernahm, dass sogar die Dämonen die Tugenden des großen Königs kannten, bat er um Verzeihung. Er zog sich mit seinem Heer in sein eigenes Reich zurück und bestrafte den verräterischen Minister.
König Tugendhaft aber sann nach und erkannte, dass er durch seine Anstrengungen nicht nur seine Macht wiedererlangt, sondern auch seinen tausend Getreuen das Leben gerettet hatte.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 51 (Mahāsīlava-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte vom großen König Tugendhaft. Die Geschichte stimmt weitestgehend mit dem Jātaka 303 (Ekarāja-Jātaka) überein. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel König Tugendreich.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 119–126.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 195–203, 515. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 119–126.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka