mini|Der markante Campanile der Kirche, der zum Teil abgetragen wurde. Er befindet sich am Nordrand des Campo Santa Margherita. mini|Teil der Nordfassade Santa Margherita, auch Santa Margarita, ist eine Kirche im Norden des venezianischen Sestiere Dorsoduro. Die vielleicht bis ins 9. Jahrhundert zurückreichende Kirche befindet sich am Campo Santa Margherita, einem der größten Plätze in der Stadt, und war bis in die Zeit Napoleons eine Filialkirche der Pfarrkirche San Silvestro. Sie war einem der Vierzehn Nothelfer, nämlich der Heiligen Margareta von Antiochia, geweiht. Wenig weiter im Norden befindet sich der Ponte Santa Margherita, eine Brücke, die den Rio de Ca’ Foscari überspannt, benannt nach dem Hauptgebäude der Universität Venedig.
Geschichte Wie bei vielen Kirchen in Venedig entzieht sich die früheste Zeit der Gemeinde genauerer Kenntnis. Einer Überlieferung zufolge soll sie von einem Geniano Busignaco zur Zeit des Dogen Pietro Tradonico gegründetDies behauptet schon Francesco Sansovino in Venetia, città nobilissima et singalore. Descritta già in XIIII libri, Altobello Salicato, Venedig 1604, S. 179v (Digitalisat). und im Jahr 853 vom Bischof von Mauro, dem Bischof von Olivolo und Sohn des Busignaco, geweiht worden sein. In den Quellen erscheint sie erstmals im Jahr 1108. Sie soll eine vergoldete Kuppel besessen haben.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 70.
Santa Margherita war eine dreischiffige Filialkirche von San Silvestro, daher war ihr Pfarrer zu bestimmten Abgaben verpflichtet. Außerdem musste er sich am Karsamstag zur Segnung der Osterkerze nach San Silvestro begeben. Die Stiftskirche mit einem Kapitel, das aus zwei Priestern, einem Diakon und einem Subdiakon bestand, reduzierte sich auf einen Pfarrer, dem manchmal ein Sakristan zur Seite stand.
Der im Jahr 1305 errichtete Campanile diente zugleich als Wohnraum. Flaminio Corner berichtet, ein Schreiben des Notars Zipolato aus dem Jahr 1330 vermerke, dass neben der Sakristei der Kirche, die mit Genehmigung des Bischofs von Castello Angelo Dolfin („Delfino“) errichtet worden war, eine kleine Einsiedelei bestand, in der eine Frau namens Bisina mit Erlaubnis des Pfarrers als Recluse lebte. Von ihrer Einsiedelei gelangte sie über einen schmalen Gang bis zum höchsten Punkt der Hauptkuppel, wo sie durch ein kleines Fenster die Gottesdienste mitverfolgte. Ihr war es erlaubt, in der Nacht vor Christi Himmelfahrt zur Markuskirche zu gehen, um dort den an jenem Tag gewährten Ablass zu erlangen.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 428.
Anfangs eine dreischiffige, basilikaartige Kirche, wurde sie im 18. Jahrhundert von Giovanni Battista Lambranzi (fl. 1687–1700) völlig umgestaltet. Der Campanile war schon 1647 umgebaut worden. Das nunmehr einschiffige Bauwerk wurde mit reichen Schätzen und aufwändigen Altären ausgestattet, während es nach außen große Bescheidenheit ausstrahlte. 1808 wurde der Campanile partiell abgetragen, weil er baufällig war. Er ist seither nur noch 14 m hoch, ähnlich wie die Kirche.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 70.
Auf Anordnung Napoleons wurde die Kirche 1810 geschlossen, ihr Gemeindegebiet fiel an Santa Maria dei Carmini. 1813 wurde die Bodenpflasterung entfernt. Die Kirche diente zunächst als Tabaklager, 1839 wurde dort Marmor aus ebenfalls aufgelösten Kirchen gelagert. Ab 1861 beherbergte es das Atelier des Bildhauers Luigi Borro. Ab 1882 war dort eine evangelische Gemeinde untergebracht. An einer Seite des Gebäudes lehnten sich mehrere Häuser und der Campanile an; die schmucklose Giebelfassade blickt auf die Straße, die nach Norden den Campo Santa Margherita mit dem nahegelegenen Campo San Pantalon auf der anderen Seite des Rio Ca‘ Foscari verbindet. Von 1907 bis 1910 war sie Sitz der Camera del Lavoro, der Gewerkschaft.Giovanni Sbordone: Nella Repubblica di Santa Margherita. Storie di un campo veneziano nel primo Novencento, Portogruaro 2003, S. 75. mini|Giuseppe Magnarin, 1941 Von 1921 bis 1977 beherbergte die ehemalige Kirche ein Kino. Zugleich war das Gebäude Hauptsitz der Firma Cinematografi Giuseppe Magnarin. Das Kirchenschiff wurde für das Kino verkürzt, um Platz für das Foyer und den Kartenverkauf zu schaffen. Es entstanden drei Reihen von Logen und Emporen, und das Presbyterium wurde in eine Bühne umgewandelt. Das Fresko von Antonio Zanchi wurde mit einer Plane abgedeckt.
1987 erwarb die Universität das Kino. Bei den Restaurierungsarbeiten wurden die dekorativen Elemente wiederhergestellt, außerdem das besagte Fresko restauriert. Seit 1994 wird es als Auditorium Santa Margherita genutzt, wo Musikveranstaltungen stattfinden.
Literatur Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 78. Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 1, Giuseppe Orlandelli, Venedig 1824, S. 275–289. (Digitalisat) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 427 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 423 f., n. c („S. Margherita, Parrochie“). (Digitalisat)
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Anmerkungen
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