Die Ringstraße, kurz: Ring in Wiener Neustadt ist eine Straße, die etwa drei Viertel der historischen Altstadt im Süden, Westen und Nordwesten umgibt. Lediglich im Gebiet des Gartens des Zisterzienserklosters Neukloster, der Wiener Neustädter Burg und des angrenzenden Akademieparks im Südosten ist die Straßenverbindung unterbrochen. Im Südosten beginnend, setzt er sich im Uhrzeigersinn aus den Abschnitten Maria-Theresien-Ring, Ferdinand-Porsche-Ring, Babenbergerring, Baumkirchnerring, Eyerspergring und Corvinusring zusammen.
Geschichte Anfang der 1860er Jahre beschloss der Wiener Neustädter Gemeinderat die Auflassung der Stadtbefestigung; 1862 wurde der Abverkauf der Stadtmauer zwischen Neunkirchner Tor und Kapuzinerkloster an die Eigentümer angrenzender Grundstücke beschlossen. Das Gelände des Zwingers zwischen Neunkirchner Tor und Promenade sollte zur Erweiterung der Promenade genützt werden. Bis 1864 wurden die Stadttore abgebrochen; Teile des Abbruchmaterials wurden zur Aufschüttung des Stadtgrabens verwendet. Auf dem Gelände des zugeschütteten Grabens und des der Stadtbefestigung vorgelagerten Glacis wurde die Ringstraße angelegt; entlang der Straße entstanden verschiedene repräsentative Gebäude, während an der Nordseite des südlichen Abschnitts (Maria-Theresien-Ring) der Stadtpark angelegt wurde.
Beschreibung Die Beschreibung des Ringes beginnt im Südosten an der Kreuzung mit der Neunkirchner Straße und folgt dem Verlauf im Uhrzeigersinn, ungeachtet der in einzelnen Abschnitten gegenläufigen Hausnummerierung, bis zum Ende an der Ungargasse.
Maria-Theresien-Ring (Die Orientierungsnummern verlaufen von Ost nach West.)
Der Maria-Theresien-Ring (benannt nach Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen etc.) beginnt an der Kreuzung mit der Neunkirchner Straße und verläuft in annähernd westlicher Richtung bis zur Bräunlichgasse. Die Nordseite nimmt in ganzer Länge der Stadtpark ein; darin befinden sich nur die Häuser Nummern 4, 6 und 8. An der Südseite liegt zunächst die Anton-Ofenböck-Wohnhausanlage (Nr. 1a–d), gefolgt von einem Abschnitt lockerer Verbauung, dem Bezirksgericht (Nr. 3b) und dem Landesgericht (Nr. 5). An einer platzartigen Erweiterung zweigt in spitzem Winkel die Auffahrt zur Brücke ab, auf der die Puchberger Straße (B 26) über die Südbahn geführt wird. Der Maria-Theresien-Ring endet an der Kreuzung mit der Bräunlichgasse; das Eckgebäude (Nr. 9, Identanschrift Bräunlichgasse 1 – die ehemalige Kammann-Kaserne) dient derzeit (April 2026) als Ausweichquartier für das Alte Rathaus während dessen Renovierung.
Ferdinand-Porsche-Ring (Die Orientierungsnummern verlaufen von Norden nach Süden.)
Die nach dem Autokonstrukteur Ferdinand Porsche, der von 1904 bis 1923 bei den Wiener Neustädter Austro-Daimler-Werken tätig war, benannte Fortsetzung des Rings verläuft in Verlängerung der Bräunlichgasse in ungefähr nordnordöstlicher Richtung, unterquert zunächst die erwähnte Brücke der Puchberger Straße und liegt danach zwischen dem Stadtpark auf der Ostseite und der nördlichen Rampe der Brücke, der Park-and-Ride-Anlage an der Südbahn sowie dem Parkplatz an der Rückseite des Postamtes auf der Westseite. Daran schließt auf beiden Seiten geschlossene zwei- bis dreigeschoßige Verbauung teils aus der Entstehungszeit, teils aus dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts an. Nach der Kreuzung mit der Bahngasse folgt auf der rechten (Ost-)Seite eine eingeschoßige Zeile von Altbauten mit Geschäften und auf der Westseite (links) nach einigen höheren Bauten und einem eingezäunten Gartengrundstück der evangelische Pfarrhof und die evangelische Auferstehungskirche (Hausnummer 4). Auf dieser Seite folgen das Areal der städtischen Bestattung sowie das moderne achtkantige sechsgeschoßige Eckhaus zur Kollonitschgasse. Gegenüber liegt eine geschlossene Zeile teils gründerzeitlicher, teils moderner Gebäude mit bis zu fünf Geschoßen, nach der Einmündung der Doktor-Habermayer-Gasse das Gebäude der Ferdinand-Porsche-Fernfachhochschule und schließlich an der Ecke zur Herzog-Leopold-Straße ein alleinstehender Wohnbau mit elf Geschoßen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Der Ferdinand-Posche-Ring ist als Allee gestaltet, wobei die Baumreihe am westlichen Fahrbahnrand erst nördlich der Abzweigung zur Brücke der Puchberger Straße und der Einfahrt zum Gelände des Postamtes beginnt.
Babenbergerring (Die Orientierungsnummern verlaufen von Süden nach Norden.)
Nördlich der Kreuzung mit Herzog-Leopold-Straße und Kollonitschgasse setzt sich der Straßenzug geradlinig als Babenbergerring (benannt nach dem österreichischen Adelsgeschlecht, während dessen Herrschaft Wiener Neustadt gegründet wurde) fort. Den ersten Block nimmt auf der linken Seite der Esperantopark und auf der rechten das Bundes-Oberstufenrealgymnasium Wiener Neustadt ein. Nach der Kreuzung mit Herrengasse und Pöckgasse folgen links geschlossene mehrgeschoßige Verbauung und rechts erst die Zentrale der Freiwilligen Feuerwehr und danach eine Sporthalle. Anschließend an die folgende Kreuzung mit Frauengasse und Gröhrmühlgasse befinden sich links eine Villa, ein mehrgeschoßiges Wohn- und Geschäftshaus sowie ein villenartiges Wohngebäude, während rechts das Bundesgymnasium Babenbergerring den gesamten Häuserblock einnimmt. Nach der Kreuzung mit der Rudolf-Fischer-Gasse folgt eine Villa in einem Gartengrundstück und danach eine platzartige Erweiterung, welche neben einer kleinen Grünanlage eine Nebenfahrbahn für eine Autobushaltestelle aufnimmt. Gegenüber auf der linken Straßenseite liegt ein großer öffentlicher Parkplatz, der bis zur Martinsgasse reicht. Hier endet dieser Abschnitt des Rings.
Am Babenbergerring setzt sich die zweiseitige Allee fort (nur entlang des Esperantoparks fehlt eine Baumreihe entlang der Westseite). Sie endet auf beiden Seiten am Beginn des großen Parkplatzes vor der Martinsgasse.
Baumkirchnerring (Die Orientierungsnummern verlaufen von Ost nach West.)
Die Fahrbahn der Ringstraße vollführt einen 90-Grad-Rechtsbogen und setzt sich danach in Richtung Ostsüdost fort. Gleich am „Knie“ des Bogens liegt links die Schule am Baumkirchnerring. (Der Name erinnert an Andreas Baumkircher [sic!], einen kaiserlichen Heerführer des 15. Jahrhunderts.) In weiterer Folge ist die Straße auf beiden Seiten von geschlossenen Zeilen mehrgeschoßiger Wohngebäude gesäumt, ehe sich auf der rechten Seite bis zur Stadtmauer und der profanierten Kirche St. Peter an der Sperr der Johannes-von-Nepomuk-Platz öffnet. Gegenüber dominieren weiterhin Wohn- und Geschäftsgebäude. Der Abschnitt endet an der Kreuzung mit der Wiener Straße.
Der Baumkirchnerring ist von der Raugasse bis zum Johannes-von-Nepomuk-Platz als Allee gestaltet.
Eyerspergring (Die Orientierungsnummern verlaufen von West nach Ost.)
Der kurze Abschnitt von Wiener Straße bis Grazer Straße ist nach Matthias Eyrl von Eyrsperg (sic!), Bürgermeister der Stadt im 17. Jahrhundert, benannt. Er verläuft geradlinig zwischen mehrgeschoßigen Häuserzeilen und endet gegenüber der Ein- und Ausfahrt des Parkhauses beim Krankenhaus.
Auch am Eyerspergring ist eine beidseitige Allee angelegt.
Corvinusring (Die Orientierungsnummern verlaufen von Süd nach Nord und setzen sich nach dem Schwenk der Straße Richtung Westen fort.)
Die Fortsetzung der Ringstraße beginnt nicht genau gegenüber der Einmündung des Eyerspergrings in die Grazer Straße, sondern etwa 40 Meter weiter nördlich. Der Name des Abschnitts erinnert an den ungarischen König Matthias Corvinus, der die Stadt 1487 nach fast 17-monatiger Belagerung eroberte. Die Straße verläuft zwischen dem Parkhaus auf der rechten und einem Wohngebäude auf der linken Seite zur Spitalgasse und zu der gegenüber liegenden Einfahrt zum Universitätsklinikum Wiener Neustadt. Danach setzt sie sich innerhalb des Spitalsgeländes als Privatstraße fort, wendet sich nach rechts und führt anschließend geradlinig entlang dem alten Trakt des Krankenhauses bis zur Ungargasse, an der sie – nach dem letzten Häuserblock ab Am Kanal wieder als öffentliche Verkehrsfläche – endet.
Adressen (Unter Denkmalschutz stehende Objekte sind fett geschrieben.)
Maria-Theresien-Ring
Gegenüber dem Anfang: Wasserturm Nr. 1a–d: Wohnhausanlage Anton Ofenböck Nr. 3b: Bezirksgericht Nr. 5: Landesgericht Nr. 9 (Identanschrift: Bräunlichgasse 1): ehemalige Kammann-Kaserne Rechte Straßenseite: Stadtpark
Ferdinand-Porsche-Ring
Nr. 3: Ferdinand-Porsche-Fernfachhochschule Nr. 4: evangelische Auferstehungskirche und Pfarrhof
Babenbergerring
Nr. 2: Bundes-Oberstufenrealgymnasium Wiener Neustadt Gegenüber Nr. 2: Esperantopark Nr. 6: Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt Nr. 9b: Arbeiterkammer Niederösterreich Nr. 14: Bundesgymnasium Babenbergerring
Baumkirchnerring
Nr. 4: Erinnerungstafel am Standort der ehemaligen Synagoge Gegenüber Nr. 6 (Johannes-von-Nepomuk-Platz): Nepomuk-Kapelle Nr. 18: Schule am Baumkirchnerring
Corvinusring
Nr. 3–5: Universitätsklinikum Wiener Neustadt; darin: Reste der Stadtbefestigung Gegenüber Nr. 3–5, anschließend an Am Kanal: Spitalpark
Verkehr Der westliche Halbkreis der Ringstraße ist ein wichtiger Verteiler des Verkehrs zu den einzelnen Bereichen des Stadtgebietes, nicht zuletzt weil eine Durchquerung des historischen Stadtzentrums weder für den Individualverkehr mit Kraftfahrzeugen noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich ist. Dieser Teil des Ringes spielt daher nicht nur für den motorisierten Individualverkehr eine wichtige Rolle, sondern er wird auch (in unterschiedlichen Abschnitten) von allen kommunalen Autobuslinien sowie von regionalen Linien befahren. Der Maria-Theresien-Ring ist überdies von der Neunkirchner Straße bis zum Landesgericht Teil der Puchberger Straße B 26.
Radverkehrsanlagen sind nur teilweise vorhanden. Am Maria-Theresien-Ring fehlen sie (jedoch verlaufen parallel dazu im Stadtpark Radwege). Am Ferdinand-Porsche-Ring und am Babenbergerring gibt es auf beiden Seiten schmale Einrichtungsradwege oder Rad- und Gehwege. Am Baumkirchnerring existiert ein Radweg nur in Fahrtrichtung Grazer Straße, während der Eyerspergring in beiden Richtungen über kombinierte Rad- und Gehwege verfügt.
Hingegen steht der Corvinusring dem allgemeinen Verkehr nur in kurzen Abschnitten zur Verfügung, nämlich von der Grazer Straße bis zur Einfahrt des Universitätsklinikums (wobei ein Ausfahren auf die Grazer Straße nur Rettungsfahrzeugen und dem Radverkehr erlaubt ist) sowie zwischen Ungargasse und Am Kanal. Dazwischen führt der Corvinusring durch das Spitalsgelände und ist nur für den Radverkehr durchgängig, wobei der Abschnitt zwischen Am Kanal und Waisenhausgasse überhaupt als Privatstraße mit reservierten Parkplätzen gekennzeichnet und durch Schranken abgesperrt ist. Dieser Bereich, der an den Spitalpark angrenzt, ist im Gegensatz zu den übrigen Teilen des Corvinusrings mit Bäumen bestanden.
Literatur Wiener Neustadt. Stadtstruktur, S. 2599; Evangelische Kirche, S. 2633; Babenbergerring, S. 2655; Baumkirchnerring, S. 2657; Corvinusring, S. 2659f.; Eyerspergring, S. 2662; Maria-Theresien-Ring, S. 2669. In: Dehio Niederösterreich südlich der Donau.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Verkehr (Wiener Neustadt) Kategorie:Bauwerk in Wiener Neustadt