Charlotte Josephine „Lotte“ Mentzel, geborene Rothschild (* 10. November 1909 in Frankfurt am Main; † 2. August 1944 im KZ Auschwitz), war eine deutsche Designerin, Kunsthandwerkerin und technische Übersetzerin. Sie studierte 1929/1930 am Bauhaus Dessau und wurde 1944 mit ihrer Tochter Ruth über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert, nachdem die Familie seit 1933 im französischen Exil gelebt hatte.

Leben Rothschild war eine Tochter von Heinrich Gotthelf „Henry“ Rothschild und Bertha Merzbach. Sie besuchte die Viktoriaschule in Frankfurt am Main und begann nach dem Schulabschluss im Jahr 1929 ein Studium der angewandten Kunst am Bauhaus in Dessau, bevor sie an die Frankfurter Schule für angewandte Kunst ging. Am Bauhaus lernte sie Albert Mentzel kennen, der später als Albert Flocon bekannt wurde, und das Paar lebte Anfang März 1933 mit der 1932 geborenen Tochter Ruth in einer Frankfurter Heimatsiedlung in Unter den Platanen 15. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet die jüdische Rothschild als Ehefrau Albert Mentzels in eine Verfolgungssituation, die durch die NS-Rassengesetze ab 1935 als sogenannte Mischehe klassifiziert wurde. Die Familie floh 1933 nach Paris, wo sie anfangs auf Unterstützung aus dem Familienkreis angewiesen war; Catherine Anne wurde 1937 und Henri 1939 geboren. Nach Kriegsbeginn wurde Albert Mentzel interniert, trat in die französische Fremdenlegion ein und stieß nach seiner Demobilisierung 1941 in Pibrac wieder zu seiner vor der deutschen Offensive geflohenen Familie. Am 2. Dezember 1941 verloren Charlotte und Albert Mentzel die deutsche Staatsangehörigkeit, und in Toulouse verdiente sie den Großteil des Familieneinkommens. Im Sommer 1944 wurden die beiden jüngeren Kinder versteckt, während Ruth bei den Eltern blieb. Charlotte und Ruth Mentzel wurden am 20. Juni 1944 in Toulouse verhaftet, am 25. Juni in Drancy interniert und am 31. Juli 1944 mit dem Convoi 77 nach Auschwitz deportiert; als offizielles Todesdatum gilt der 2. August 1944.

Wirken Rothschilds Wirken liegt vor allem in der angewandten Gestaltung: Sie entwarf Industriegegenstände und Metallmöbel und arbeitete nach dem Studium als Designerin, Kunsthandwerkerin und technische Übersetzerin. Albert Flocons Erinnerungen verbinden sie mit der Metallwerkstatt und mit zwei Aufführungen des Bühnenkollektivs am Bauhaus im Jahr 1930. Eine 1931 in Die Form publizierte Abbildung eines Schaufensterentwurfs von Otto Rittweger wird in einem Programmtext Elizabeth Ottos mit möglicher Hilfe Charlotte Rothschilds in Verbindung gebracht. Ihre Wiederentdeckung steht im Zusammenhang mit Forschungen zu vergessenen Bauhaus-Frauen, deren Werk und Lebenswege durch Namenswechsel, prekäre Überlieferung und Verfolgung nach 1933 nur schwer rekonstruierbar sind. Der 2021 erschienene Katalog Vergessene Bauhaus-Frauen. Lebensschicksale in den 1930er und 1940er Jahren enthielt einen Beitrag Elizabeth Ottos mit dem Titel Lotte Rothschild – Ein Leben auf der Suche nach der Zukunft. Die Fritz Ascher Gesellschaft stellte Rothschild 2023 in Ottos Vortrag Das fehlende Archiv: Bauhaus-Designer und der Holocaust neben Alice Glaser und Richard Grune als Bauhaus-Angehörige vor, deren Arbeiten und Biografien durch NS-Verfolgung und lückenhafte Archive lange schwer greifbar blieben. In Frankfurt am Main erinnern am alten jüdischen Friedhof ein Gedenkstein für Charlotte und Ruth Mentzel sowie seit 2022 Stolpersteine an der Schumannstraße 10 an Charlotte, Ruth und Albert Mentzel. Die Staatlichen Museen zu Berlin verweisen in ihrer Ausstellung New Woman, New Vision. Women Photographers of the Bauhaus auf eine um 1930 entstandene Fotografie Etel Mittag-Fodors von Albert Mentzel und Lotte Rothschild aus dem Bauhaus-Archiv.

Einzelnachweise

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