mini|Westdorfer Warte Die Stadtbefestigung Aschersleben bestand aus einer Stadtmauer mit einem historisch gewachsenen System von Stadttoren, Wehrtürmen und Wallanlagen. Sie schützte die Stadt Aschersleben vom 14. Jahrhundert bis zum fast vollständigen Abriss und der Überbauung im 19. Jahrhundert vor Angriffen und Belagerung. Die Ascherslebener Stadtbefestigung gilt als eine der besterhaltensten im Bundesland Sachsen-Anhalt. Sie ist als Objektnummer 094 10000 im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt eingetragen.
Geschichte mini|Ansicht von Aschersleben (1700) Aschersleben war 1252 bis 1315 Hauptstadt des Fürstentums Anhalt-Aschersleben. Dort war zu der Zeit ein wohlhabendes und starkes Bürgertum entstanden, welches Rechte und Freiheiten einforderte. Ein Jahrhundert zuvor hatten die geistlichen und weltlichen Machthaber vom Kaiser das Recht erhalten, ihre Städte zu befestigen. Deshalb wurde auf Erlaubnis von Gräfin Elisabeth von Meißen (1264–1332), Witwe Ottos. II. von Anhalt, im Jahr 1322 mit der Errichtung der mächtigen und wehrhaften Stadtbefestigung begonnen, welche bis ca. 1470 andauerte. Die Stadt war seinerzeit nach 5 Stadtvierteln unterteilt: Hohensträßiges, Steinisches, Breitlingisches, Breitesträßiges und Wässerlingisches Viertel, wobei für jedes Viertel mindestens ein Stadttor angelegt wurde. Jedes Viertel hatte Zugang zum damaligen Marktplatz, dem Stephanikirchhof. Zusätzlich gab es ein System von Warten (erstmals 1399 erwähnt) außerhalb der Stadtmauern, die das Herannahen von Feinden melden sollten. Die zentrale Warte bildete der 81 m hohe Stephanikirchturm. Zusätzlich gab es ringförmig um die Stadt 12 Warten. Die Stadtmauer wurde 1833 mit Einführung der in ganz Preußen angewandten Steinschen Städteordnung zu großen Teilen abgerissen. Die heutige, noch erhaltenen 1,8 km lange Anlage (von ursprünglich 2,2 km) stammt aus dem 15. Jahrhundert. Von ehemals 51 Türmen und Schalen (zur Stadtseite offenen Wehranlagen) sind noch 15 vorhanden. Die Stadtbefestigung wurde 1989 umfassend saniert.
Warten Von den ehemals 12 Warten sind heute nur noch 2 erhalten. mini|Plan der Stadtbefestigung von Aschersleben; 1 – Johannistorturm 2 – Hoffmanns Turm 3 – Liebenwahnscher Turm 4 – Rondeel 5 – Stumpfer Turm 6 – Spitze Bastion 7 – Große Schale 8 – Rechteckige Schale 9 – Zwinger (Luisenpromenade) 10 – Rabenturm 11 – Schmaler Heinrich 12 – Schimmelpfennigscher Turm 13 – Krappscher Turm 14 – Rundschale (Jüdendorf) 15 – Turm (Zippelmarkt) 16 – Schuhstiegtor 17 – Dammtor 18 – Hohes Tor 19 – Johannistor 20 – Liebenwahnsches Tor 21 – Sautor 22 – Steintor (1) Westdorfer Warte (auch Pulverturm oder Hexenturm genannt, erhalten) (2) Warte auf dem Wilslebener Hoch (auch Wilslebener Warte genannt, nicht erhalten), erbaut 1446 (3) Blaue Warte (nur Bruchsteine erhalten) (4) Zapitzer Warte – auch Staßfurter Warte genannt (erhalten) (5) Madlitzer Warte – auch Weiße Warte genannt (nicht erhalten) (6) Nulitzer Warte – bei Schierstedt gelegen (nicht erhalten) (7) Badenstedter Warte (nicht erhalten) (8) Arnstedter Warte (nur Warthügel vorhanden), erbaut 1399 (9) Warnbergische Warte (auch Wartenbergische Warte genannt, nicht erhalten) (10) Steinborch (Steinwarte oder Steinhornische Warte genannt, nicht erhalten) (11) Klappwarte (nicht erhalten) (12) Alte Burg (teilweise erhalten)
Stadttore Die acht inneren Stadttore, welche außer dem Johannistor im 19. Jht. abgerissen worden, waren:
Johannistor im Nordosten (einzig erhaltenes Tor), hatte auch ein äußeres Tor (nicht erhalten) Hohes Tor im Nordwesten Steintor im Westen, hatte auch ein äußeres Tor (nicht erhalten) Sautor im Westen, lag hinter dem äußeren Steintor (1494 wurden die Juden durch das Tor vertrieben und danach über dem Tor ein Relief der Judensau angebracht) Dammtor im Süden Wassertor im Süden (außerhalb des Stadtmauerrings) Schuhstiegtor im Süden Liebenwahnsches Tor (auch Breitstraßentor genannt) im Osten, hatte auch ein äußeres Tor (nicht erhalten)
Liste der erhaltenen Stadtbefestigungsteile
BildBezeichnungStraßeBeschreibungLageQuellen120x120px|Johannistorturm Weitere BilderJohannistorturmTie/Ecke Johannispromenade1382 erbaut, quadratischen Grundfläche von 8,2 auf 8,2 Meter bis zur Spitze etwa 42 Meter hoch, diente auch als Warte, 1571 verstärktverweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q26821594|16x16px120x120px|Turm am MarsfeldHoffmanns TurmHinterbreite / Augustapromenadeauch Turm am Marsfeld oder Schraubelscher Turm genannt; Grundfläche 5,46 × 5,46 Meter, Höhe zur Spitze 26,50 Meter, enthielt Verlies mit einem Tonnengewölbeverweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q107264351|16x16px120x120px|Turm am MarsfeldLiebenwahnscher TurmBreite Straße 24erbaut um das Jahr 1447; Grundfläche von 5,67 × 5,74 Meter; Höhe 27,50 Meter bis zur Spitze120x120px|RondellRondellDoktor-Wilhelm-Kültz-Platz1505 und 1583 errichtet; Mauerdicke bis zu 3,70 Meter; Obergeschoss in Fachwerkbauweise im Jahre 1846 auf den bestehenden Mauern aufgesetztverweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q107264353|16x16px120x120px|Stumpfer TurmStumpfer TurmMauerstraßeerbaut 1440120x120px|Spitze BastionSpitze BastionAn der Darre 11120x120px|Große SchaleGroße SchaleAn der Darre 11erbaut 1461120x120px|Rechteckige Schale in der LuisenpromenadeRechteckige Schale in der LuisenpromenadeHohe Straße 13auch Beysescher Turm genannt; Grundfläche 5,27 × 5,30 Meter; Wandstärke 1,30 Meter120x120px|RabenturmRabenturmJohannispromenade / Hohe Straße 9Grundriss 6,30 × 5,84 Meter; Höhe 31 Meter; 4 Stockwerke 120x120px|Schmaler HeinrichSchmaler HeinrichJohannispromenade / Tie 16im Jahre 1442 errichtet, 32 Meter hochverweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q28152344|16x16px120x120px|Schimmelpfennigscher TurmSchimmelpfennigscher TurmJohannispromenade / Tie 221442 erbaut120x120px|Zwinger in der LuisenpromenadeZwinger in der LuisenpromenadeLuisenpromenade120x120px|Krappscher TurmKrappscher TurmRitterstraße 141444 errichtetverweis=https://www.wikidata.org/wiki/Q99482181|16x16px120x120px|Rundschale (Jüdendorf)Rundschale (Jüdendorf)Jüdendorf 11Turm (Zippelmarkt)Zippelmarkt 9120x120px|ElisabethzwingerElisabethzwingerBadstuben / Vor dem Wassertorsüdlich des Dammtores beim Wassertor, schützte vor Eindringlingen vom Flüsschen Eine her; 1519 angelegt
Literatur Adolf Brinkmann, Historische Commision für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt (Hrsg.): Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen. XXV. Heft Die Stadt Aschersleben. Hendel, Halle 1904. Emil Straßburger: Geschichte der Stadt Aschersleben. Hinzenbach, Aschersleben 1905. Beiträge zur Heimatgeschichte der Stadt Aschersleben – Die Stadtbefestigung. Rat des Kreises Aschersleben, Abt. Kultur, Kulturbund der DDR, 1990. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler – Sachsen-Anhalt I – Regierungsbezirk Magdeburg. (Neubearbeitung) Deutscher Kunstverlag, Berlin 2002, S. 44ff. Bernd Sternal: Die Harz – Geschichte. Band 3 Das Spätmittelalter. Books on Demand, Norderstedt 2013, S. 103f. ISBN 978-3-7322-6215-1
Einzelnachweise
Weblinks
Denkmalinformationssystem Sachsen-Anhalt Rekonstruktion der Stadtbefestigung auf www.aschersleben-tourismus.de Die Stadtbefestigung Aschersleben auf www.harz-saale.de Die Stadtbefestigung Aschersleben auf www.myheimat.de Die Stadtbefestigung Aschersleben auf www.alleburgen.de Information zum Elisabethzwinger auf radio-hbw.de
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