Rudolf Wolfrum (* 7. November 1891 in Germersheim; † 20. April 1982 in Bad Dürkheim) war ein deutscher evangelischer Pfarrer und NSDAP-Funktionär.
Leben Rudolf Wolfrum studierte nach dem Abitur Theologie und trat im Anschluss in den Militärdienst ein. Er diente im Ersten Weltkrieg und kam laut eigener Aussage als Pazifist und Sozialist aus dem Krieg. Er studierte anschließend zwei Semester Sozialwissenschaften und trat im Anschluss ins Pfarramt ein.
Zwischen 1928 und 1934 bekleidete er die Pfarrstelle in der Gemeinde Odenbach. Er gehörte den Deutschen Christen (DC) an und trat zum 1. Juli 1929 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 142.175).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/49610771 Er wurde zum fanatischen Nationalsozialisten und erwarb sich den Ruf eines „Nazipfarrers“. Zugleich war er NS-Gauredner und SA-Führer. Am 6. Dezember 1933 wurde er einstimmig als Nachfolger von Otto Keller in Koblenz als DC-Obmann des Gaus Koblenz-Trier gewählt. Bei einer Gastpredigt in Koblenz verglich er beispielsweise Adolf Hitler mit dem Propheten Jeremia, dem Apostel Paulus und Martin Luther und stellte die vier Personen auf eine Stufe. In einer anderen Gastpredigt nannte er das Streben nach dem „Reich Gottes“ das gleiche wie das Streben nach dem „Reich der Deutschen“. Auch bezeichnete er Hitler als „ein[en] von Gott für das Volk bestellte[en] Wächter“. Zudem trat er in militärischer Uniform bei den Gottesdiensten auf.
Ab 1933 war er Pfarrer in Koblenz. Er galt auch als sehr gewalttätiger Mensch. So ging er während einer Presbyteriumssitzung auf einen Amtsbruder mit einem Stuhl los. Dem bekenntniskirchlichen Pfarrer Brehm schlug er auf offener Straße mit der Faust ins Gesicht. All dies führte zu seinem Ausscheiden aus dem Pfarramt zum September 1939.
Wolfrum war im Anschluss hauptamtlich für die NSDAP tätig. 1940 trat er aus der Kirche aus, sein Wiedereintritt erfolgte erst zehn Jahre später. Es gelang ihm jedoch, einen Sondervertrag zu erreichen, so dass er seine Pensionsbezüge behalten konnte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet er in eine prekäre Lage, da er nicht nur seine berufliche Tätigkeit verlor, sondern auch der mit der evangelischen Kirche geschlossene Vertrag hinfällig wurde. Am 22. Januar 1947 wurde er außerdem verhaftet und in verschiedenen Lagern in Landau und Ludwigshafen interniert. Während der Gefangenschaft fand er zum Christentum zurück und unterstützte seine Mitgefangenen nach Kräften. Trotz seines zum Teil fanatischen Nationalsozialismus und seines Agierens wurde er im Spruchkammerverfahren lediglich als Minderbelasteter eingestuft. Seine Pensionsansprüche erhielt er 1957 zurück. Er wurde von der evangelischen Landeskirche zwar nicht gänzlich rehabilitiert, unterrichtete aber ab 1954 Religion an einem Gymnasium und an einer Berufsschule in der Pfalz.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Gymnasiallehrer (Deutschland) Kategorie:Person (Evangelische Kirche im Rheinland) Kategorie:Evangelischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Person der Deutschen Christen Kategorie:Reichsredner Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:Person (Koblenz) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1982 Kategorie:Mann Kategorie:NSDAP-Mitglied