mini|Louis de Caullery – Blick auf den Petersplatz in Rom anlässlich der Wahl von Papst Clemens VIII. im Jahr 1592, Öl auf Kupfer, um 1600. Petit Palais, Musée des Beaux-arts de la Ville de Paris Louis de Caullery (* um 1580 in Caullery bei Cambrai; † 1621 in Antwerpen) war ein flämischer Maler und Zeichner.

Leben Louis de Caullery, dessen Name in den Quellen auch als Caullery oder Coulery erscheint, stammt vermutlich aus der Ortschaft Caullery in der Nähe von Cambrai im heutigen Nordfrankreich. Ob er ein Nachfahre des 1594 in Cambrai tätigen Miniaturmalers gleichen Namens ist, der bereits 1598 verstorben war, gilt als möglich, ist jedoch nicht gesichert. Mit dem ebenfalls zeitgenössischen Maler, Lautenspieler und Harfenisten Louis van Brussel ist er nicht identisch. mini|Louis de Caullery – Empfang im Schloss. Königliches Schloss auf dem Wawel, Krakau Den Antwerpener Gildeakten zufolge wurde Caullery 1594 als Lehrling bei Joos de Momper verzeichnet, einem der bedeutendsten flämischen Landschaftsmaler seiner Zeit. Im Jahre 1602 erscheint sein Name in der jährlichen Empfangsliste der Gilderegenten Jan Brueghel der Ältere und Otto van Veen als Freimeister, was seinen offiziellen Eintritt in die Antwerpener Kunstwelt markiert. Ein Eintrag von 1608 belegt, dass er zu diesem Zeitpunkt selbst einen Lehrling beschäftigte. Die Gildebücher für die Jahre 1621–22 verzeichnen eine gesonderte Zahlung für Begräbniskosten, woraus sein Tod im Jahr 1621 hervorgeht. Ein Schöffenbrief vom 18. März 1627 über eine Rente auf ein Haus in Cambrai, ausgestellt für die minderjährigen Kinder des verstorbenen Loys Collery und seiner Witwe Maria Adriaenssens, verdeutlicht seine Herkunft und seine dauernde Verbundenheit mit der Stadt Cambrai.

Werk mini|Louis de Caullery – Blick auf das Königliche Kloster San Lorenzo de El Escorial. Ex-Christie's New York Louis de Caullery schuf Szenen der Passion Christi, Mythologien, Allegorien sowie Historien- und Genrebilder, die er regelmäßig mit Stadt- und Parklandschaften verknüpfte. Besonders charakteristisch sind seine vielfigurigen Gesellschaftsszenen und festlichen Aufzüge, die in zwei bildparallelen Reihen in Vorder- und Mittelgrund langgestreckter Bildräume angeordnet sind und an den Seiten häufig zu einem Oval zusammenlaufen. Die Figuren – bei den Männern oft mit unnatürlich angewinkeltem Bein dargestellt, bei den Frauen mit aufgetürmten Frisuren und faltenreichen, die Bauchwölbung betonenden Kleidern – bewegen sich von links nach rechts, mit einzelnen akzentuierten Gegenpolen und einem stets zur Schau gestellten Reichtum und Eleganz. Die Farbpalette bevorzugt Gelb-Ocker-Töne, ein frisches Grün und rote Akzente.

Die damalige Beliebtheit seiner Bilder bezeugen die zahlreichen, noch für das 17. Jahrhundert im Antwerpener Privatbesitz nachweisbaren Werke sowie die Zusammenarbeit als Staffagemaler mit anderen Künstlern, so etwa mit Abel Grimmer. Ein gemeinsames Werk, Festliche Gesellschaft von 1608, befindet sich in der Sammlung des Earl of Stafford in London. Trotz seiner Verwurzelung in der kleinfigurigen flämischen Malerei des ausgehenden 16. Jahrhunderts – mit Bezügen zu Joos de Momper, Lodewijk Toeput und David Vinckboons – erwies sich Caullerys Bildsprache als stilprägend für die nachfolgende holländische Künstlergeneration, darunter Bartholomeus van Bassen für Interieurdarstellungen sowie Willem Buytewech, Dirck Hals und Esaias van de Velde für festliche Gesellschaften in Parklandschaften. mini|Louis de Caullery – Les Cinq sens (Die fünf Sinne, 1620). Musée de Cambrai Inhaltlich und kompositorisch griff Caullery vielfach auf Druckgrafik als Vorlage zurück, insbesondere auf französische, italienische und niederländische Kupferstiche. Von besonderer Bedeutung waren für ihn die Stichserien Hans Vredeman de Vries’ mit Innenraumentwürfen sowie Stadt- und Parklandschaften, die er bis hin zur nahezu vollständigen Übertragung ganzer Kompositionen ins Gemälde nutzte. So geht etwa die Gesellschaft mit Badenden in der Eremitage in Sankt Petersburg, früher Bartholomeus van Bassen zugeschrieben, auf solche Vorlagen zurück. Auch bei der Darstellung bestimmter gesellschaftlicher Ereignisse dienten Kupferstiche als bildfinderische Quelle. Caullery wiederholte zudem eigene Bilddetails und Bildlösungen mehrfach in verschiedenen Werken.

Das von Peter Halm, Bernhard Degenhart und Wolfgang Wegner 1958 vorgeschlagene Zeichnungsœuvre ist in der Forschung umstritten. Während einzelne Münchener Blätter (Staatliche Graphische Sammlung München, Inv. 1133 und 1134) zweifelsfrei von Caullery stammen, wurde eine der zwei Berliner Zeichnungen (Kupferstichkabinett Berlin, KdZ Nr. 4176) inzwischen überzeugend David Vinckboons zugewiesen, während die andere (KdZ Nr. 3362) weder Caullery noch Vinckboons zugeordnet werden kann. Caullerys Zeichnungen beschränken sich auf Figurenstudien und Parkansichten, greifen aber auf das für ihn typische Kompositionsschema des langgestreckten, seitlich begrenzten Bildraums mit vielfiguriger Staffage zurück. Das sogenannte Leningrader Skizzenbuch, trotz stilistischer Nähe, stammt nicht von seiner Hand; die Ausführung der Figuren, insbesondere der Verzicht auf die geschlossene Umrisslinie, widerlegt entsprechende Zuschreibungsversuche.

Werke Caullerys befinden sich unter anderem im Rijksmuseum Amsterdam, im Musée des Beaux-Arts d’Angers, im Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen, in der Galerij Prins Willem V in Den Haag, in der Hamburger Kunsthalle, im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen, auf dem Wawel in Krakau, im Louvre in Paris als Dauerleihgabe in Cambrai, in der Eremitage in Sankt Petersburg sowie im Nationalmuseum Warschau. Die Galerie Jacobs in Den Haag bewahrte La Comédie italienne, und das Kunstgewerbemuseum Prag besitzt Fünf Sinne, monogrammiert und datiert 1618.

Literatur Adolphe Durieux: Les artistes cambrésiens du XIe au XIXe siècle. Imprimerie de Carion, Cambrai 1874. Bob Haak: Das Goldene Zeitalter der holländischen Malerei. DuMont, Köln 1984. Didier Bodart, Les peintres des Pays-Bas méridionaux et de la principauté de Liège à Rome au XVIIe siècle. Institut historique belge de Rome, Brüssel/Rom 1970. Emmanuel Bénézit: Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Gründ, Paris 1976. François-Charles Legrand: Les peintres flamands de genre au XVIIe siècle. Meddens, Brüssel 1963. Horst Gerson, E. H. ter Kuile: Art and Architecture in Belgium, 1600–1800. Penguin Books, Harmondsworth 1960. Jan de Maere, Marie Wabbes: Illustrated Dictionary of 17th Century Flemish Painters. La Renaissance du Livre, Brüssel 1994. Jean Denucé: Inventare von Kunstsammlungen zu Antwerpen im 16. und 17. Jahrhundert. Antwerpen 1932. Peter Halm, Bernhard Degenhart, Wolfgang Wegner: Hundert Meisterzeichnungen aus der Staatlichen Graphischen Sammlung München. München 1958. Philippe Rombouts, Théodore van Lerius: De liggeren en andere historische archieven der Antwerpsche sint Lucasgilde. Antwerpen 1872.

Von Bruegel bis Rubens. Das goldene Jahrhundert der flämischen Malerei. (Ausst.-Kat.), Köln 1993. Music and Painting in the Golden Age. (Ausst.-Kat.), Den Haag 1994. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.

Weblinks

ArtUK

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Flandern) Kategorie:Zeichner Kategorie:Geboren im 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1621 Kategorie:Mann