Der Katzensteg war eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt.
Lage und Verlauf mini|Blick von Norden durch die Stephansbrücke, links das Haus Stephansbrücke 15, links hiervon die historische Einmündung des Katzenstegs auf die Stephansbrücke Die Straße befand sich in der Magdeburger Altstadt. Sie zweigte von der Ostseite der Stephansbrücke, gegenüber der Einmündung der Kleinen Marktstraße zwischen den Häusern Stephansbrücke 15 und 16 ab. Der schmale Steg verlief von dort aus nach Osten in Richtung Elbe den Höhenunterschied hinab, bis er auf die Stadtmauer traf. Dort bog der Steg in einem rechten Winkel nach Norden ab und verlief auf der Innenseite der Stadtmauer weiter. Schließlich mündete sie von Süden kommend auf die Straße Magdalenenberg ein.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 232
Hausnummern waren für den Katzensteg nicht vergeben.
Geschichte Eine erste urkundliche Erwähnung liegt aus dem Jahr 1313 als cattenstich vor. Der Name blieb in Verwendung, wobei unterschiedliche Formen, wie auch KatzenstiegeRalph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 138 genutzt wurden. Die Bezeichnung Katzensteg wurde auch für den etwas weiter südlich in ähnlicher Lage verlaufenden Krummen Berg verwandt. Vor 1631 bestanden am Steg sieben Grundstücke, sechs davon waren privat, das siebente der Schneidergesellenkrug. Für das Jahr 1631 wurden sechs Eigentümer genannt. Es waren der Leineweber Nickel Reifenhauer, Joachim Dreves (falsch auch Dreß), Bartold Schneider, Peter Banneke (auch Panneko), Hans Schumann und Georg Benthin. Anders als in anderen Bereichen der Stadt sind für die Grundstücke am Katzensteg keine Kaufverträge überliefert. Möglicherweise waren sie erblos oder verlassen. Denkbar ist auch, dass Verkäufe nur mündlich gegen Barzahlung vorgenommen wurden. Im Jahr 1683 waren zwei Häuser, eine unbewohnte Hütte und sieben Stätten verzeichnet, wobei von vier Stätten die Eigentümer unbekannt waren. 1689 legte die wallonisch-reformierte Gemeinde zwischen Katzensteg und Magdalenenberg einen Friedhof an. Der Zugang zum Friedhof erfolgte von oben, vom Katzensteg her. Bis um 1700 waren zumindest drei der Stätten zur Stephansbrücke 15 gekommen. Bis auf eine Stätte waren auch alle anderen Stätten an angrenzende Grundstücke angegliedert. 1718 drohte die Friedhofsmauer einzustürzen, so dass eine Neuerrichtung der Mauer erforderlich war. In diesem Zusammenhang wurde der untere Teil des Katzenstegs eingezogen. Das obere Ende wurde so zur Sackgasse.
Der Eigentümer des Eckhauses Stephansbrücke 15, der ehemalige Bürgermeister Christoph Breitsprache, erhielt vom Rat die Erlaubnis den oberen Zugang zum Katzensteg durch ein Tor zu schließen, um so eine Sicherung gegen Diebstähle zu erreichen.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 232 Allerdings war Breitsprache selbst bereits 1712 verstorben, so dass hier wohl schon ein Rechtsnachfolger tätig wurde. Nur die beiden Anlieger durften den Weg nun noch nutzen. Später kam es durch diese Situation zu einem heftigen Streit zwischen den beiden. Im Jahr 1867 erwarb der Eigentümer der Nummer 15 vom Rat das Recht an dem bis dahin formal noch öffentlichen Weg.
Noch Anfang der 1930er Jahre bestand zwischen den Häusern Stephansbrücke 15 und 16 ein ganz schmales, oberstes Stück des ehemaligen Wegs.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 232 f.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bereich stark zerstört. Im Zuge des sich in der Zeit der DDR nicht an die gewachsene Stadtstruktur haltenden Wiederaufbaus der Stadt, verschwand auch die ursprüngliche Stephansbrücke, so dass auch das oberste Stück des Stegs nicht mehr erhalten ist. Der Bereich des Katzenstegs ist heute Teil der Grünanlage zwischen Stephansbrücke und Knochenhauerufer.
Historische Häuser des Katzenstegs Nachfolgend werden die Grundstücke des Katzenstegs tabellarisch aufgeführt. Die angegebenen Nummern sind jedoch fingiert und dienen lediglich der Zuordnung der Information. Eine konkrete räumliche Zuordnung ist mit der Nummerierung nicht verbunden, da die konkrete Lage der Grundstücke größtenteils unklar ist.
Hausnummer Name Bemerkungen Bild Einmündung auf die Stephansbrücke (historisch) Stephansbrücke 15 Stephansbrücke 15 siehe Hauptartikel 120px|Stephansbrücke 15, vor 1945 1 (fingiert) Schneidergesellenkrug Das Haus lag hinter der Stephansbrücke 15. Es diente nicht nur als Krug, sondern auch als Krankenhaus. Wohl nach der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631 lag das Grundstück 1682 immer noch wüst. Dann erwarb es der ehemalige Bürgermeister Christoph Breitsprache und nahm es als Garten zu seinem Haus Stephansbrücke 15. 2 (fingiert) Im Jahr 1683 war der Sackträger Andreas Hahn Eigentümer. 1703 veräußerte der Makler Andreas Hahn das mit einem Häuschen bebaute Grundstück an den ehemaligen Bürgermeister Christoph Breitsprache, dem auch die Stephansbrücke 15 gehörte. Von ihm erwarb es der Steuermann Christoph Pitschel, der es 1715 für 150 Taler an den Prediger Johann Ludwig Stubenrauch veräußerte. Stubenrauch hatte von 1704 bis 1711 im Haus gelebt.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 138 Von Stubenrauch kauften es 1719 die deutsch-reformierte und die wallonisch-reformierte Gemeinde. Sie gliederten das Grundstück an den von ihnen betriebenen benachbarten Friedhof an. Einmündung auf den Magdalenenberg (historisch) 3 (fingiert) Das Haus lag am unteren Ende des Katzenstegs, möglicherweise ist es mit der Nummer 4 identisch. Die Witwe von Mathias Golmann veräußerte die Brandstätte im Jahr 1651 für neun Taler an den Tagelöhner Joachim Müller. Er entrichtet 1652/1653 für das Haus eine Steuer und war zu diesem Zeitpunkt der einzige Steuerzahler des Katzenstegs. 4 (fingiert) Das Gebäude lag am unteren Ende des Katzenstegs, möglicherweise ist es mit der Nummer 3 identisch. Im Jahr 1716 wurde auf dem Grundstück vom Maurergesellen Johann Albert Meyer ein neues Wohnhaus errichtet. Er war bis 1727 Eigentümer. Nach dem Jahr 1732 war das Grundstück nicht mehr nachweisbar. Stephansbrücke 16 Zum grünen Aprikosenbaum siehe Stephansbrücke 16
Literatur Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 232 f.
Einzelnachweise
Kategorie:Innerortsstraße in Magdeburg Kategorie:Ersterwähnung 1313 Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Magdeburg Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg