mini|Karte von 1725 mit den Umrissen der Mühlhäuser Stadtbefestigung Die Stadtbefestigung Mühlhausen in Mühlhausen/Thüringen bestand aus einer Stadtmauer mit einem historisch gewachsenen System von Stadttoren, Wehrtürmen und Wallanlagen. Sie schützte die Stadt vom 13. Jahrhundert bis zum Abriss und der Überbauung im 19. Jahrhundert vor Angriffen und Belagerung. Ihre Reste werden zu den besterhaltenen in Deutschland gezählt. Die Stadtbefestigung (auch als Stadtmauer Mühlhausen bezeichnet) mit ihren erhaltenen Teilen ist Bestandteil des Denkmalensembles Stadtbefestigung / Stadtmauer in der Gemarkung Mühlhausen.Denkmalliste des Landes Thüringen

Geschichte zentriert|mini|500x500px|Ansicht von Mühlhausen um 1650 (mit Fehler: Helstetisch thor. meint Felchtisches (Felchtaer) Tor)Reinhard Jordan: Chronik der Stadt Mühlhausen in Thüringen. Band 1. (- 1525), Danner, Mühlhausen 1900, S. XI. mini|200x200px|Lengefelder Warte (2003) Die Freie Reichsstadt Mühlhausen gehörte um das Jahr 1400 mit etwa 10.000 Einwohnern zu den zwanzig größten Städten Deutschlands. Dort war zu der Zeit ein wohlhabendes und starkes Bürgertum entstanden, welches Rechte und Freiheiten einforderte. Ein Jahrhundert zuvor hatten die geistlichen und weltlichen Machthaber vom Kaiser das Recht erhalten, ihre Städte zu befestigen. Die heutige, noch erhaltenen etwa 2,2 km lange Anlage (von ursprünglich 2,7 km) stammt größtenteils aus dem 15. Jahrhundert. Beim Bau der Stadtbefestigung wurden auch später Mauern der ehemaligen Burg Mühlhausen mit einbezogen. Neben der inneren Stadtmauer, die laut Erfurter Chronik unter Gunzelin von Wolfenbüttel 1211 (nach anderen Quellen 1170) entstand und 1251 vollendet wurde, hatte Mühlhausen noch eine im 14. Jahrhundert errichtete äußere Stadtbefestigung, von der nur das Äußere Frauentor erhalten ist. Die Mühlhäuser Stadtbefestigung ist damit eine der ältesten nichtrömischen Stadtbefestigungen in Deutschland. Sie umschließt die Altstadt auf 2,7 km. Die Mauer besteht größtenteils aus Travertin und hat ein zweischaliges Mauerwerk mit einer Dicke von 1,7 bis 1,8 m, bei einer durchschnittlichen Höhe von ca. 8 m. Einige Turmstümpfe am Hirschgraben wurden ab dem späten 18. Jh. und Anfang des 19. Jh., vornehmlich in der Biedermeierzeit, mit Gartenhäusern überbaut. Die Stadtmauer wurde 1833 mit Einführung der in ganz Preußen angewandten Steinschen Städteordnung zu großen Teilen abgerissen. Von der inneren Stadtbefestigung sind noch das Innere Frauentor sowie 7 vollständige Wehrtürme von ehemals 38, aber auch noch lange Mauerreste vorhanden. Außerdem gab es seit dem 14. Jahrhundert um die Stadt noch ein System von Warten, von dem nur die Lengefelder Warte erhalten ist.

Die Stadtbefestigung Mühlhausen wurde 2017 bis 2020 umfassend saniert und ist seit 2013 im Corporate Design (Stadtlogo) der Stadt verankert.

Innere Stadttore Die 8 inneren Stadttoren (teilweise ehemalige Pforten) waren:

(1) Inneres Frauentor im Westen (einzig erhaltenes Tor; Vortor 1830 abgebrochen) (2) Pfortentor (Eselspforte) im Norden (Vortor 1843, Haupttor 1891 abgebrochen) (3) Burgtor(pforte) im Norden (Vortor von 1618 im Jahr 1801 abgebrochen, Haupttor 1825 abgebrochen) 250x250px|rechts|Plan der Stadtbefestigung von Mühlhausen (4) Inneres Görmartor im Nordosten (1567 neu errichtet; 1611/12 erneuert; Vortor 1822, Haupttor 1850 abgebrochen) (5) Inneres Erfurter Tor im Südosten (1841 inkl. Vortor abgebrochen) (6) Innere Neupforte im Süden (zur jetzigen Brunnenkreßstraße) (1572 erneuert; 1827 abgebrochen) (7) Inneres Felchtaer Tor im Südwesten (inkl. Vortor von 1598 errichtet, im Jahr 1837 abgebrochen)

Äußere Stadttore Von den ehemals 9 Toren der äußeren Stadtmauer ist heute nur noch das Äußere Frauentor erhalten.

(8) Äußeres Frauentor (9) Kaiser- oder Altes Blobachtor oder Schaffentor (Abbruchjahr unbekannt) (10) Ammertor (1817 abgebrochen) (11) Wagenstedter- oder Äußeres Görmartor oder Schindertor (1862 abgebrochen) (12) Klingentor (1867 abgebrochen) (13) Bollstedter Tor (1873 abgebrochen) (14) Äußeres Erfurter Tor (1823 abgebrochen) (15) Äußeres Neupfortentor (1871 abgebrochen) (16) Äußeres Felchtaertor (1825 abgebrochen)

Liste der erhaltenen Stadtbefestigungsteile (Auswahl) Erhaltene sind neben den 2 Tortürmen noch 7 Türme und diverse Turmstümpfe, Schalen und Mauerabschnitte.

BildBezeichnungStraßeBeschreibungLage120x120px|Äußeres Frauentor Weitere BilderÄußeres FrauentorJohannisstraße zwischen Wenige Herrengasse und Thuringiawegim 14. Jahrhundert erbaut120x120px|Inneres Frauentor Weitere BilderInneres FrauentorJohannistraße / Am Frauentor1649 Brand eines Vorgängerbaus, 1652 eingestürzt, 1654/55 Errichtung des heutigen Tores120x120px|RabenturmRabenturmHirschgrabenHöhe 34,2 m, früher Adlerturm genannt, höchster Stadtmauerturm, als Beobachtungsposten genutzt; im 14. Jahrhundert erbaut; 1649 ausgebrannt, 1665 Wiederherstellung des Turms120x120px|HospitalturmHospitalturmHirschgrabenHöhe 15 m, ältester erhaltener Turm, errichtet im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts, halbrund vortretender Schalenturm, in der ursprünglich offenen Stadtseite Fachwerkwand mit dreigeschossiger Fensteranordnung120x120px|TurmstumpfTurmstumpfHirschgrabenbebaut mit dem Wedemeyerschen Gartenhaus (vom Oberamtmann Johann Franz Justus von Wedemeyer um 1811 errichtet)120x120px|TurmstumpfTurmstumpfHirschgrabenbebaut mit dem Frankeschen Gartenhaus120x120px|RondellRondellHirschgrabenRondell (mit Jägerzimmer), 1773 mit Gartenhaus durch Kämmereidirektor Hübner überbaut120x120px|SackgassenturmSackgassenturmHirschgraben120x120px|MitteTurmstumpfHirschgraben(Bildmitte, rechts der Sackgassenturm von außen), bebaut mit dem Münster-Pavillon120x120px|TurmstumpfTurmstumpfHirschgraben / RegengasseTurm 1688 abgenommen, bebaut mit dem Gotischen Haus120x120px|TollturmTollturmKreuzgrabendiente früher oft als Gefängnis, auch wurden hier ... tolle und unsinnige Menschen verwahrt ..., ist als einziger von 6 ehemaligen Türmen am Kreuzgraben (u. a. der 1867 abgebrochene, sogenannte Pulverturm) erhalten120x120px|Turmstumpf Kreuzgraben/KiliangrabenTurmstumpfKreuzgraben/Kiliangraben 120x120px|Fünfeckturm (Lindenbühl)Fünfeckturm (Lindenbühl)Lindenbühl1323 erbaut120x120px|Schalenturm 1 (Lindenbühl)Schalenturm 1 (Lindenbühl)Lindenbühlschmaler Fensterabstand120x120px|Schalenturm 2 (Lindenbühl)Schalenturm 2 (Lindenbühl)Lindenbühlbreiter Fensterabstand120x120px|TurmTurmstumpfHoher GrabenTurmstumpf südlich vom FrauentorRondell (Burg)Kreuzgraben

Literatur Christian Gottlieb Altenburg (Hrsg.: Wilhelm Gottlieb Tilesius): Topographisch-historische Beschreibung der Stadt Mühlhausen in Thüringen aus verschiedenen alten Handschriften zusammengetragen. Röbling, Mühlhausen 1824, S. 137ff. Link Peter Bühner: Die Mühlhäuser Stadtmauer: Geschichte – Bestand – Rundgang. Beltz, Mühlhausen 2021. ISBN 978-3-935547-83-3

Weblinks

Die Mühlhäuser Stadtmauer auf www.muehlhausen.de Die Mühlhäuser Stadtmauer auf mhlhausen-geschichteundmehr.blogspot.com Die Mühlhäuser Stadtmauer auf www.alleburgen.de Die Mühlhäuser Stadtmauer auf www.burgenwelt.org Die Mühlhäuser Stadtmauer auf der Website der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Die Mühlhäuser Stadtmauer auf stadt-land-erleben.de Artikel in der Thüringer Allgemeinen Zeitung über die Aufbauten auf der Stadtmauer

Einzelnachweise

Muhlhausen Stadtbefestigung Stadtbefestigung Kategorie:Liste (Befestigungsanlagen)