Die Geschichte von der Schildkröte ist eine indische Fabel und ein buddhistisches Jataka (215: Kacchapa-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 72–74, 503. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Als der Bodhisattva in eine Ministerfamilie wiedergeboren wurde, diente er als Ratgeber des Königs Brahmadatta in Benares, der jedoch zu viel redete. Damals hatten in einem Teich zwei Schwäne und eine Schildkröte Freundschaft geschlossen und so trafen sie die Entscheidung gemeinsam zum Wohnort der Schwäne in die Goldhöhle des Cittakūta-Berges im Himālaya zu fliegen, mit der Bedingung, dass die Schildkröte darüber schweigen müsse. Diese willigte ein, also nahmen die Schwäne jeweils ein Ende eines Stabes in den Schnabel und ließen die Schildkröte in die Mitte hineinbeißen. Sie stiegen in die Luft empor, doch als sie über dem Königspalast waren, zeigten Kinder auf das merkwürdige Trio und riefen ihr Erstaunen aus, woraufhin die Schildkröte etwas erwiderte, sodass sie hinunterfiel und zerschellte. Der Bodhisattva erklärte dem König daraufhin, wie es zu all dem kam und meinte, dass die übermäßig Geschwätzigen in solch ein Unglück stürzen, was sich der König zu Herzen nahm.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 215 (Kacchapa-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von der Schildkröte. Indische Varianten finden sich im Panchatantra (I. Buch, 13. Erzählung), in Sri Somadeva Bhattes Kathāsaritsāgara und im Hitopadeśa (IV. Buch, Rahmengeschichte der 2. Geschichte). Weitere Varianten existieren in Philipp Wolffs Das Buch der Weisen des indischen Philosophen Bidpai (Stuttgart 1839, I, S. 85), Symeon Seths Stephanites kai Ichnēlatēs (1080, Berlin 1697, reprinted in Athen 1851, S. 28, Griechisch), Johann von Capuas Directorium Humanae Vitae (d. 5, b, Latein), das 1483 in Ulm ins Deutsche übersetzt wurde (F., VIII, 6, im Spanischen unter XIX, a zu finden), Agnolo Firenzuolas Discorse degli Animali (1548, S. 65, Italienisch), Anton Francesco Donis La Filosofia Morale (1552, S. 93, Italienisch), Husain ben Ali el Vāiz U’l-Kāshifīs Anvār-i-Suhailī (Ende des 15. Jh., S. 159, Persich), David Sahids Livre des Lumières (Paris 1644, S. 124, Französisch) und dem Werk Cabinet des Fées (XVII, S. 309, Französisch). In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Die schwatzhafte Schildkröte.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 366–367.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 72–74, 503. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 366–367.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tierfabel Kategorie:Schildkröte in der Kultur Kategorie:Jātaka