Tüschenbroich ist ein Ortsteil der Mittelstadt Wegberg im Kreis Heinsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Geographie mini|Stark überhöhtes NNW-SSO-Profil durch die Ortsmitte von Tüschenbroich

Tüschenbroich liegt südwestlich der Stadt Wegberg im Bereich der fluviatilen Sedimente der Schwalm-Nette-Platte, einer Teillandschaft des Niederrheinischen Tieflandes und im internationalen Naturpark Maas-Schwalm-Nette. Überregional bekannt ist es durch die Tüschenbroicher Mühle, einem früher beliebten Ausflugsrestaurant, das am Tüschenbroicher Weiher und Schloss Tüschenbroich liegt. Der Ort liegt in einem schwach ausgeprägten Tal {vgl. das nebenstehende Profil} eines der Schwalmzuflüsse, der aber heute weitgehend verrohrt ist und erst am Ende des Dorfes zu Tage tritt (in der Topographischen Karte von Wegberg {Ausgabe 1954} ist dieser Zufluss allerdings noch zu erkennen). Angeblich existieren drei Quellen im Ortsbereich: eine unter der Kirche, eine im Bereich der ehemaligen Schule und eine im Bereich des ehemaligen Altenpflegehauses.

Das langgestreckte waldhufenartige Dorf beginnt im Südwesten bei einer Höhe von ca. 81 m und endet nach ca. 1 km im Nordosten auf einem Niveau von ca. 75 m. Weite Teile des niederrheinischen Tieflandes – also auch das Gebiet um Tüschenbroich – lagen während der ältesten Eiszeit (Altpleistozän) im Einzugsgebiet von Rhein und Maas, die eine sehr viel größere Breite als heute aufwiesen und erhebliche Mengen von Kies und Sand ablagerten: Dieses Material wird als Hauptterrasse bezeichnet. Auf dieser Hauptterrasse lagerte sich in späteren Eiszeiten feinkörniges, äolisches Material (Flugsand, Sandlöß, Löß) aus den ausgedehnten Schotterflächen dieser eiszeitlichen Flüsse (Rhein/Maas) ab. Sie wurden durch westliche und nordwestliche Winde ost- bzw. südostwärts befördert. Das gröbere Material blieb im deutsch-niederländischen Grenzstreifen liegen, der feiner gekörnte Sandlöß gelangte etwas weiter (z. B. in den Raum um Tüschenbroich), und schließlich lagerte sich in Richtung Erkelenz der echte Löß ab, der aus feinsandigem bis stark feinsandigem Lehm besteht.Paul Blaesen: Die erdgeschichtliche Entwicklung und der geologische Aufbau des Kreises Erkelenz, in: Heimatkalender der Erkelenzer Lande 1962, S. 22 ff. Dies erklärt auch, dass der nördlich der Straße „In Tüschenbroich“ liegende Teil Tüschenbroichs der Hauptterrasse (Sandiger Kies des Elsterglazials (=Elstereiszeit)) und der daran anschließende Teil im Süden von Tüschenbroich, der durch feinsandigen Lehm und lehmigen Feinsand auf sandigem Kies der Hauptterrasse gekennzeichnet ist, geologisch der Weichselvereisung zugeordnet wird. Im direkten Bereich der Straße „In Tüschenbroich“ liegen im Wesentlichen holozäne Sedimente vor.Preußische Geologische Landesanstalt (Hrsg.): Geologische Übersichtskarte von Deutschland. Blatt 108/109: W. Schriel: Erkelenz-Düsseldorf. Maßstab: 1:200.000. Preußische Geologische Landesanstalt, Berlin 1939.Preußische Geologische Landesanstalt (Hrsg.): Geologische Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten. Blatt Wegberg. Maßstab: 1:25.000. Preußische Geologische Landesanstalt, Berlin 1921.

Das kiesige Material der Tüschenbroicher Böden setzt sich aus Gesteinen des Rhein- und Maaseinzugsgebietes zusammen. Es sind vor allem Quarzite, Kieselschiefer, Tonschiefer, Sandsteine und Feuersteingerölle tertiären, mesozoischen und devonischen Alters. Eruptivgesteine des Siebengebirges, der Eifel und des Lahngebietes wie auch Porphyrite aus dem Flussgebiet der Maas sind seltener zu finden. Die charakteristischen hellgrauen, dunklen oder auch braunen, unregelmäßig geformten, kavernösen Feuersteine entstammen der Oberen Kreide des Ardennen-Randes von Aachen bis Maastricht. Eine gewisse Rolle spielen wegen der räumlichen Nähe auch noch Triassische Gesteine vom Eifelrand; besonders rote Sandsteine (Buntsandstein). Die abgerundeten Formen der Gesteine in den Tüschenbroicher Böden deuten eindeutig auf eine Aufschüttung durch Fließgewässer hin (Rhein/Maas).W. Wunstorf, Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten, Blatt Wegberg, Hrsg.: Preußische Geologische Landesanstalt, Berlin 1921.

Im Uhrzeigersinn liegen um Tüschenbroich die Orte Brunbeck, Broich, Watern, Uevekoven, Grambusch, Dieker Hof, Geneiken. Die drei letztgenannten gehören zur Stadt Erkelenz.

Östlich von Tüschenbroich liegt der Tüschenbroicher Wald mit dem Tüschenbroicher Schloss, der Ölmühle und dem Schanzer Hof. Hier findet sich auch das Quellgebiet der Schwalm.

Im Westen führt die Landstraße von Schwanenberg nach Arsbeck am Dorf vorbei. Westlich liegt auch der Gewerbe- und Industriepark Wegberg-Wildenrath, ehemals ein RAF-Flugplatz.

Der Ort besteht hauptsächlich aus der Straße „In Tüschenbroich“, früher „Dorfstraße“. Alle Abzweigungen heißen ebenso. An den Kreuzungen sind nur die Hausnummern angegeben, die in den Stichstraßen liegen. Grundstücke, die nur über die nördlich des Orts verlaufende Umgehungsstraße (landläufig als Grenzlandringzubringer bezeichnet) erreichbar sind, tragen die Bezeichnung „Gerderhahner Straße“. Kulturelles Zentrum des Dorfes ist die Kirche mit Pfarrheim. Daran grenzen die vom Schieß-Sport-Verein Tüschenbroich 1972 e. V. betriebene Schießhalle sowie ein Spielplatz und ein Sportplatz an. Hier trägt der Fußballverein Tüschenbroich United seine Spiele in der Dorfliga sowie Freundschaftsspiele aus. Im Jahr 2024 lebten in Tüschenbroich 451 Personen.

Geschichte mini|„Mairie de Tuschenbroich“ um 1806

Wie fast überall im Erkelenzer Land lassen sich die Anfänge menschlicher Besiedlung auch im Raum Tüschenbroich bis in vorgeschichtliche Zeiten zurückverfolgen. Da aus dieser Zeit keine schriftlichen Urkunden vorliegen, dienen Bodenfunde – v. a. Werkzeuge aus Stein und keramische Erzeugnisse – als Hinweise einer solchen Besiedlung. Friedel Krings geht 1955 noch davon aus, dass die früheste Besiedlung auf die Jungsteinzeit (Neolithikum) zu datieren ist, da am Nordhang der flachen Schwalm-Quellmulde zwischen Tüschenbroich und Brunbeck aus dieser Epoche mehrere Bruchstücke von Beilen, Feuersteinabsplissen und ein roh aus Feuerstein zugeschlagenes und noch nicht geschliffenes Beil gefunden wurde. Er geht nach Rücksprache mit dem damaligen Tüschenbroicher Lehrer Schaffrath weiter davon aus, dass dort eine vorgeschichtliche Werkstätte gelegen hat.Friedel Krings, Zur vorgeschichtlichen Besiedlung des Erkelenzer Landes, hauptsächlich des Schwalm-Quellgebietes, in: Heimatkalender der Erkelenzer Lande 1955, S. 34 ff.

Etwas nordwestlich des Dorfes (nicht weit von den oben beschriebenen Fundorten entfernt) wurde 1988 bei der Kartoffelernte ein offenbar noch deutlich älterer, mittelpaläolithischer (mittlere Altsteinzeit) Faustkeil aus Feuerstein gefunden. 2 weitere mittelpaläolithische Fundstücke wurden von Tüschenbroicher Landwirten zwischen Tüschenbroich und Klinkum gefunden.Olaf Jöris, Ein mittelpaläolithischer Faustkeil aus Wegberg-Tüschenbroich, in: Heimatkalender des Kreises Heinsberg, Jg. 1989, S. 13 ff. Laut Krings muss man sich die steinzeitlichen Siedlungen am hochwassersicheren Terrassenrand vorstellen, wobei diese alten Siedlungsplätze durch die viertausend Jahre währende, intensive Bewirtschaftung vermutlich zerstört wurden: Nur die Steinwerkzeuge überlebten diese Zeiten.

Für das Dorf Tüschenbroich kann die Zeit der Entstehung – so wie bei fast allen niederrheinischen Waldhufensiedlungen – nicht genau angegeben werden, da die urkundlichen Erstnennungen sehr spät liegen und daher wenig über die Zeit der Entstehung aussagen.Herlig Zschocke: Die Waldhufensiedlungen am linken Niederrhein, Wiesbaden 1963, S. 51 Urkundlich wurde die Siedlung erstmals als Thuschinbroc 1172 erwähnt. Tüschenbroich gehörte zu Wassenberg und später zum Herzogtum Jülich. Hier bildete es eine Unterherrschaft, die sich im Besitz wechselnder Adelsfamilien befand. 1624 kaufte Franz von Spiering die Unterherrschaft Tüschenbroich zum Preis von 24.200 Reichstalern. Nachdem die zur Unterherrschaft Tüschenbroich gehörende, ursprüngliche Burganlage im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, ließ Franz von Spiering das heutige Wasserschloss erbauen. Es bildete mit Mühle und Ulrichskapelle den Mittelpunkt der Tüschenbroicher Herrschaft. Bis zum Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 verblieb das Dorf im Eigentum dieser Familie.

Nach 1794 wurde Tüschenbroich mit dem jülichschen Wegberg zu einer Gemeinde zusammengefasst. Diese wurde 1801 durch den Frieden von Lunéville Bestandteil Frankreichs und lag im Kanton Erkelenz, Département de la Roer.

1815 gelangten beide Ortsteile an Preußen, aber erst 1820 wurden sie zur Bürgermeisterei Wegberg vereint.

„Im Jahre 1828 starb die männliche Linie derer von Spierings aus. Das Schloss erbte Ida Natalie von Spiering, geb. 1812.“Geschichte der Gemeinde Wegberg nach urkundlichem Material bearbeitet von Adolf Vollmer, Bürgermeister zu Wegberg nebst einem Anhang enthaltend die ortsstatutarischen und Ortspolizei-Verordnungen, Cöln 1912. Druck und Verlag von Th. Quo „Am 20. Oktober 1834 verkaufte daraufhin Otto Kauwerz als Spezialbeauftragter der Ida Natalia Auguste v. Spiering, der Erbin von Tüschenbroich und Doveren, nach ihrer Hochzeit mit dem württembergischen Grafen Friedrich von Dillen alle ihre in der preußischen Rheinprovinz gelegenen Güter an den Erkelenzer Notar und Gutsbesitzer Hermann Josef Gormanns für 92.000 preußische Taler. Diese Besitzungen umfassten gemäß der Erbteilung vom 6. September 1832 unter anderem die vormalige Herrschaft Tüschenbroich mit Schloss, Mühlen, Teichen, Höfen, Äckern … Gormanns wurde durch den Kauf des Rittergutes Tüschenbroich landtagsfähig. Zehn Jahre nach dem Erwerb erhielt er das passive Wahlrecht als Vertreter der Ritterschaft für den preußischen Provinziallandtag im Regierungsbezirk Aachen-Düsseldorf. Von Hermann Joseph Gormanns, der unverheiratet war, erbte 1860 die Familie des Justizrates Jungbluth den Besitz und von dieser die Familie Krapoll, die Schloss Tüschenbroich noch heute bewohnt.“Das Archiv der Freiherren v. Spiering im Stadtarchiv Wegberg, Inventar bearbeitet von Monika Gussone, Eberhard Lohmann, Peter K. Weber, Brauweiler 2002

1876 wurde das Schloss nach starken Sturmschäden erneuert.

mini|Teil der Grabenanlage in Tüschenbroich, die die Motte des Dursdahler Hofes umgab

Am östlichen Ende Tüschenbroichs, auf der rechten Seite des Tüschenbroicher Baches (der auch als Fußbach bezeichnet wird) ist in den Karten eine Grabenanlage (Grabenanlage Dürselen – Motte) als Bodendenkmal eingezeichnet. Der Dürselener (Dursdahler) Hof lag in der sumpfigen Niederung (Koordinaten: 51.11952, 6.25838). Die Gräben der halbkreisförmigen Anlage mit 70–80 Metern Durchmessern sind 3 bis 6 Meter tief. Im Süden befand sich ein schmaler Zugang. Dieser „Rabeiths Hof zu Durssdal“ (1527) war sogar zum Holzeinschlag am Meinweg berechtigt, heute ist er verschwunden. Er wurde in der Steuerliste von 1397 unter „Rabert van Dursdale“ aufgeführt. In der Tranchot-Karte ist er 1806 noch zusammen mit der halbkreisförmigen Grabenanlage eingezeichnet – in der Topographischen Karte TK25 von 1844 aber nicht mehr. Er ist nach D. Schmitz um 1830 niedergelegt worden. D. Schmiz beschreibt in einem Artikel der Rheinischen Post, dass vor 1646 ein Johann Wilhelm von Hoengen (im Selfkant), genannt Wassenberg zu Wammen, Besitzer des Dursdahler Hofes war, den er von der Erbin des Hofes, Elisabeth von Dürsdahl (Ehefrau des Roermonder Schultheißes), erhalten hat. Es soll früher auch eine Mühle zum Hof gehört haben. „Warum aber 1715 der Hof als Lehenshof der Herrschaft Wickrath aufgeführt wird, ist jetzt noch ungeklärt“Dietmar Schmitz: Rheinische Post, 29.9.2025. Laut D. Schmitz, erhielten die Schwestern des Freiherrn Theodor Joseph von Wassenberg den Dursdahler Hof als Erbe. Der Hof wurde im Übrigen nicht von den Adeligen selbst, sondern von Halfen bewirtschaftet.