Die Geschichte vom Kranich ist ein indisches Tiermärchen und ein buddhistisches Jataka (38: Baka-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 56–59, 498–499. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.

Handlung Der Bodhisattva wurde einst in einem Varaṇa-Baum an einem Lotusteich wiedergeboren. Ein anderer Teich trocknete damals langsam aus, sodass die Fische darin in Gefahr gerieten. Da kam ein Kranich daher und dachte sich, dass er all die Fische überlisten und fressen könne. Zu diesem Zweck erzählte er den Fischen, dass er sie alle in einen anderen Teich tragen werde und er nahm einen Einäugigen von ihnen und trug ihn zu dem anderen Teich und wieder zurück, damit dieser den anderen über die gute Tat berichten konnte. Die Fische ließen sich daraufhin auf das Wagnis ein. Der Kranich jedoch fraß sie alle auf.

Zuletzt war nur noch ein Krebs übrig und auch dem bot der Kranich an, ihn zu dem anderen Teich zu tragen. Da verlangte der Krebs von dem Kranich sich an dessen Hals festhalten zu dürfen und als er am anderen Teich all die Gräten der toten Fische sah, schnitt er dem Kranich den Hals durch. Die Gottheit in dem Varaṇa-Baum aber befand diese wunderbare Begebenheit für gut.

Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 38 (Baka-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte vom Kranich. Im Mahābhārata II, Adhyāya 41 und V, Adhyāya 160 ist es ein Kater, der einige Mäuse dazu bringt ihm zu vertrauen und sie dann frisst. Weitere indische Varianten sind aus dem Panchatantra (I, 7), dem Tantrākhyāyika (I, 5), dem Hitopadeśa (IV, 7) und dem Kathāsaritsāgara (IX, 79–90) bekannt. Weitere anderssprachige Varianten finden sich in arabischen und syrischen Übersetzungen des Panchatantras, in Antoine-Isaac Silvestre de Sacys Bīdpāi: Calila et Dimna (Paris 1816, V. Kapitel, Arabisch, Französisch), Philipp Wolffs Das Buch der Weisen des indischen Philosophen Bidpai (Stuttgart 1839, I, S. 41), Husain ben Ali el Vāiz U’l-Kāshifīs Anvār-i-Suhailī (Ende des 15. Jh., S. 117, Persich), Symeon Seths Stephanites kai Ichnēlatēs (1080, Berlin 1697, reprinted in Athen 1851, S. 16, Griechisch), Johann von Capuas Directorium Humanae Vitae (Kapitel 4 b, Latein), das 1483 in Ulm ins Deutsche übersetzt wurde (DV b, im Spanischen unter XIII, 6 zu finden), Agnolo Firenzuolas Discorse degli Animali (1548, S. 39, Italienisch), Anton Francesco Donis La Filosofia Morale (1552, S. 39, Italienisch), David Sahids Livre des Lumières (Paris 1644, S. 92, Französisch), dem Werk Cabinet des Fées (XVII, S. 221, Französisch) und Jean de La Fontaines Werk (X, 4, Französisch). In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Der Reiher und der Krebs.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 363–366.

Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 56–59, 498–499. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 363–366.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tiermärchen Kategorie:Kranich in der Kultur Kategorie:Jātaka