Der Muschelprinz (Sankha Kumār) ist ein bengalisches Märchen.Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 253–276, 444–446.
Handlung Einst hatte ein großer König drei Frauen, die ihm jedoch keine Kinder gebaren. Da suchte ihn ein Sannyāsi, ein Heiliger, auf und verkündete ihm, dass er ihm Söhne verschaffen könne, wenn er denn bereit sei, ihm einen zu überlassen. Nachdem der König eingewilligt hatte, überreichte ihm der Sannyāsi eine Medizin, die, von den drei Frauen eingenommen, für drei Söhne sorgte, wobei der der jüngsten jedoch eine Muschel war. Diese händigte er dann dem Sannyāsi aus, der sie zerbrach, sodass ihr ein schöner Prinz entstieg, den er mitnahm.
Der Sannyāsi nahm diesen mit zu seiner Hütte, die an einer Opferstätte für die Schlangengöttin Nāgeshvari Debi und einem Teich stand und zog den Muschelprinzen, der Sankhakumār hieß, dort sorgfältig heran, verbot ihm jedoch den Teich aufzusuchen. Als Sankhakumār aber das Alter der Reife erreichte, erkundete er das Gewässer, wo er Berge von Schädeln und Skeletten fand. Die Schädel sprachen zu ihm und meinten, dass sie einhundert Prinzen seien, die der Sannyāsi geopfert habe und auch er bald geopfert werden würde, wenn er den Heiligen nicht enthaupte. Auch baten sie ihn darum sie mit dem Blut des Enthaupteten zu begießen, wodurch sie ins Leben zurückfinden würden. Sankhakumār tat, wie ihm geraten wurde und so kehrten die einhundertundein Prinzen heim.
Sein Vater verheiratete ihn dort mit Lalhira, dem roten Diamant, woraufhin sich das Paar bei Lalhiras Eltern niederlassen wollte. Unterwegs lauerten ihnen jedoch Räuber auf, die das Mädchen raubten. Als diese sich später um sie stritten, schlug Lalhira vor einen Pfeil abzuschießen, wobei derjenige, der ihr diesen zurückbringen würde, sie haben könne. Die Räuber wetteiferten anschließend um das Ergattern des Pfeils, wodurch Lalhira die Flucht gelang.
Im Königreich Urubelā angelangt, verkleidete Lalhira sich als ein Sannyāsi, um die Tochter des dortigen Königs, Jayābati, von einer seltsamen Krankheit zu heilen. Alle, die daran scheiterten, ließ der König jedoch ins Gefängnis werfen, wo sich auch die einhundert Prinzen befanden. Lalhira fand heraus, dass die nächtlichen Krämpfe Jayābatis von einer in ihrem Körper lebenden kleinen Schlange der Nāgeshvari Debi stammten. Sie bat den König alle Irren des Landes zu versammeln, um mit ein wenig Blut der Irren eine tantrische Zeremonie abzuhalten, sodass sie ihren Sankhakumār wiederbekam, der, ob des Verlustes von Lalhira, den Verstand verloren hatte. Danach vernichtete sie die Schlange mit besprochenem Pulver, woraufhin Jayābati geheilt war.
Um dem Sannyāsi zu danken, traf sich auch die Königin mit Lalhira, wodurch ihre Verkleidung enttarnt wurde. Auf Lalhiras Bitte hin willigten König und Königin aber freudigen Herzens ein auch ihre Tochter dem Sankhakumār zur Frau zu geben, woraufhin dieser die einhundert Prinzen befreite und mit seinen beiden Frauen, Lalhira und Jayābati, in seiner Heimat, glücklich und zufrieden, regierte.
Hintergrund Das Märchen stammt aus Shibratan Mitras Nishir Kathā (Calcutta 1934) und wurde zwischen 1909 und 1914 aufgezeichnet. In Heinz Modes und Arun Rays Bengalische Märchen (Leipzig 1984) erhielt es den deutschen Titel Der Muschelprinz. Eine weitere Variante findet sich in Bibhuti Bhusan Ghosh Mouliks Banganārir Bratakathā (Panchthupi 1926), in der die Göttin Mangalchandi für das Glück des Muschelprinzen sorgt. Diese wurde von Mouliks Mutter Indumati Debi erzählt und bekam im Deutschen den Titel Die Geschichte von der Göttin der Gefahr verliehen.
Literatur Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 253–276, 444–446.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Bengalisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen