Die Postgeschichte von Berlin umfasst die Geschichte des Postwesens in Berlin. Im philatelistischen Sinne bezeichnet „Berlin“ jene Briefmarkenausgaben, die aufgrund politischer Verhältnisse für die faktisch betrachtete „Enklave“ West-Berlin erschienen. Seltener umfasst der Begriff auch die Bärenmarken (für Groß-Berlin nach 1945) oder jegliche Ausgaben mit Berlin-Bezug.
mini|hochkant=1.6|Letzter Briefmarkenblock (Michel-Katalog-Nr. Block 8) der Deutschen Bundespost Berlin vom 15. Januar 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins. Exemplar mit aufgedrucktem Sonderstempel (Briefmarkenblocks der Deutschen Bundespost Berlin)
Situation bis 1945
Postaktivitäten
mini|Berliner Straßenpostwagen, um 1890
Straßenpostdienst in Berlin um 1890 Ende der 1880er Jahre wurden Reformen im innerstädtischen Postbetrieb notwendig, um dem hohen Postaufkommen der Großstadt gerecht zu werden, da täglich etwa 300.000–400.000 Stadtbriefe in Berlin ausgeliefert wurden. Trotz der Unterstützung einer stark genutzten privaten Post, die den lokalen Briefverkehr bereits erheblich entlastete, sah sich die kaiserliche Reichspostverwaltung in Berlin veranlasst, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um die Zustellzeiten weiter zu verkürzen und den wachsenden Anforderungen des Berliner Postverkehrs zu entsprechen.
Am 1. November 1889 führte die Berliner Reichspostverwaltung daher eine Neuerung im Stadtbriefverkehr ein, die eine schnellere Zustellung ermöglichte. Durch eine neue Einteilung der Stadt wurde Berlin in elf Segmente unterteilt, die jeweils von speziell konstruierten Straßenpostwagen bedient wurden. Diese Wagen verkehrten tagsüber kontinuierlich zwischen dem Stadtpostamt und den ihnen zugeordneten Postämtern und ermöglichten eine stündliche Abholung und Zustellung der Sendungen. Die durchschnittliche Zustellzeit für Stadtbriefe verkürzte sich dadurch um mindestens eine Stunde auf nur noch zwei bis drei Stunden.
Die neuen Straßenpostwagen waren omnibusartig und mit Sortierregalen ausgestattet, in denen die Postsendungen bereits während der Fahrt nach Postämtern geordnet werden konnten. Die Wagen waren mit Fenstern und Lampen versehen, um auch bei Dunkelheit einsatzfähig zu sein. An der Rückseite befand sich ein Briefeinwurf, sodass eilige Briefe auch während der Fahrt eingeworfen werden konnten. Der Schaffner sortierte die Sendungen während der Fahrt und übergab diese sortiert am Stadtpostamt, wodurch die Verteilung an die lokalen Postämter beschleunigt wurde. Im Stadtpostamt wurden ebenfalls Sendungen für die jeweilige Route der Straßenpostwagen entgegengenommen, die dann an die Postämter auf der jeweiligen Route ausgeliefert wurden, was den Ablauf weiter optimierte.
1920er Jahre Zwischen 1925 und 1928 entstand das neue Gebäude der Oberpostdirektion Berlin nach Entwürfen von Willy Hoffmann in der Dernburgstraße 50. Die Oberpostdirektion wurde in der Zeit des Nationalsozialismus in Reichspostdirektion umbenannt. Weitere Postgebäude entstanden in den 1920er Jahren mit dem Wohnhaus Herbartstraße 21/22 und dem Hedwig-Rüdiger-Haus.berlin.de
Briefmarken für Berlin Bei Einführung der Briefmarken lag Berlin wie das ganze Königreich Preußen im Bereich der preußischen Staatspost. Dementsprechend waren für Berlin folgende Briefmarkenausgaben maßgeblich: Marken von Preußen 1850–1867 (gültig bis zum 31. Dezember 1867, mit Ausnahme von zwei Marken für den Innendienst, die noch bis 28. Februar 1869 verwendet wurden.) Marken des Norddeutschen Bundes 1868–1870 (gültig bis zum 31. Dezember 1871 mit Ausnahme einer Marke für den Hamburger Stadtbezirk und zweier Innendienstmarken, die bis 31. Dezember 1874 gültig blieben.) Marken des Deutschen Reiches 1871–1945
Im Ersten Weltkrieg, von 1914 bis 1918, wurden auf dem Gelände der Trabrennbahn in Ruhleben etwa 4000 britische wehrfähige Männer interniert. Für die Nachrichtenübermittlung innerhalb des Lagers wurde eine Lagerpost (R.X.D. = Ruhleben Express Delivery) gegründet, die in der Zeit vom 19. Juli 1915 bis zum 3. April 1916 existierte und eigene Briefmarken herausgab. Dabei handelt es sich allerdings um keine reguläre Postinstution, sondern um eine private Spielerei, die von der Lagerleitung erst geduldet, dann aber verboten und der Initiator bestraft wurde. Seit 1. April 1900 waren im Deutschen Reich keine Privatpostanstalten mehr zulässig, ausgenommen für Pakete und schwere Güter, Geldverkehr oder nicht adressierte Drucksachen. Bis dahin hatte es in der Stadt seit 1876 noch über ein halbes Dutzend meist kurzlebige Privatpostanstalten gegeben, alle mit eigenen Briefmarken, dabei ab 1884 die außerordentlich erfolgreiche Berliner Packetfahrt Gesellschaft (später Actiengesellschaft), die als Spedition auch nach 1900 weiterbestand und insgesamt über 200 eigene Briefmarken ausgegeben hat und in den 1920er Jahren in der Schenker AG aufging.
1945–1948 Das Festhalten der nationalsozialistischen Führung an einer sinnlosen Fortsetzung des längst verlorenen Kriegs führte zur Schlacht um Berlin. Frauen und Kinder wurden als Ersatz für Postmitarbeiter, die sich im Krieg befanden, herangezogen. Zwei Briefmarkenausgaben des „Grossdeutschen Reichs“ gelangten auf dem Luftweg von der Staatsdruckerei in Wien noch nach Berlin, verwendet werden konnten diese nur auf Briefen innerhalb einiger Postämter Berlins, da kein postalischer Kontakt mehr ins übrige Deutschland bestand.
Noch bis zum 21. April 1945 traf Bahnpost aus dem Westen ein, das Postscheckamt buchte noch, bis zum 26. April 1945 wurden Briefkästen geleert und Briefe zugestellt. Erst in einer Verfügung vom 14. Mai 1945 der Reichspostdirektion Berlin hieß es: „Jede dienstliche Handlung im Post- und Fernmeldebetrieb hat vorerst zu unterbleiben“. Dennoch waren die verbliebenen Mitarbeiter der Post aufgerufen, zur Arbeit zu erscheinen, um die notwendigsten Aufräumungsarbeiten durchzuführen.
Nach der Kapitulation wurde am 19. Mai 1945 die Zuordnung des Post- und Fernmeldewesens in Groß-Berlin zum Magistrat vollzogen, damit wurde Betrieb und Verwaltung eine städtische Angelegenheit. Berlin war zu dieser Zeit ausschließlich von sowjetischen Truppen besetzt. Erst am 4. Juli 1945 zogen Amerikaner und Briten ein. Die Franzosen folgten am 12. August, ihnen waren nachträglich am 30. Juli 1945, auf Beschluss vom 12. September 1944 in London, die aus dem britischen Sektor abgetrennten Verwaltungsbezirke Reinickendorf und Wedding zugesprochen worden. Groß-Berlin unterstand nun der Alliierten Kommandantur.
Seit dem 18. Mai 1945 bestand eine nicht öffentliche Stafettenpost. Postalisch wurde der Gelddienst, Postanweisungen und Postscheckdienst wieder am 22. Juni aufgenommen. Seit dem 2. August 1945 gab es einen eingeschränkten, offiziellen Postdienst in Groß-Berlin. Zugelassen waren nur Postkarten. Briefsendungen bis 1000 Gramm waren nur von Behörden und öffentlichen Betrieben abzusenden. Als Postwertzeichen wurden die Berliner Bärenmarken mit der Ausgabelandsbezeichnung Stadt Berlin eingeführt.
Briefmarkenausgaben bis zur Währungsreform
Der Magistrat der Stadt Berlin beschloss am 20. Mai 1945 die Ausgabe erster eigener Briefmarken nach dem Ende des Krieges. Magistratsmitglieder hatten Grafiker gebeten, Entwürfe vorzulegen, die die neue politische Ausrichtung in wenigen Symbolen zum Ausdruck bringen sollten. Aus den Entwürfen wurden schließlich die als „Bärenserie“ oder „Bärenmarken“ (Hauptmotiv war der Berliner Bär) bezeichneten Postwertzeichen ausgewählt. Die Vorlagen stammten von Heinz Schwabe und Alfred Goldammer, die das Berliner Wappentier einfach (5-, 8- und 20-Pfennig-Wert), mit Spaten (6-Pfennig-Wert), mit Ziegelstein (10-Pfennig-Wert) und mit Balken (12-Pfennig-Wert) abbildeten. Der 30-Pfennig-Wert stellt eine junge Eiche dar, die Halt an Ruinen sucht; das Motiv beruht auf einer Skizze der Ruinen des Belle-Alliance-Platzes. Die Erstausgabe erfolgte je nach Wert zwischen 9. Juni und 18. Juli 1945. Die Marken waren bis zum 31. Oktober 1946 in (Groß-)Berlin gültig.
Weitere in Berlin verwendete Briefmarkenausgaben waren: AM-Post-Marken gültig vom 8. Dezember 1945 bis zum 31. Dezember 1946 in allen Sektoren, vorher nur in den Westsektoren Gemeinschaftsausgaben des Alliierten Kontrollrates bis zum 23. Juni 1948.
Die Bärenserie leitet im Michel-Katalog das Sammelgebiet SBZ ein (Michel-Nummern 1–7), obwohl es eigentlich eine Ausgabe aller Alliierten war und somit auch als Gemeinschaftsausgabe verstanden werden könnte.
Im Jahr der Währungsreform 1948 Die Sowjets richteten ihre Zentralverwaltung für die sowjetische Besatzungszone in Personalunion bei der Magistratspost ein. Damit sollte erreicht werden, dass die Berliner Magistratspost unter die Verwaltung der Sowjets kam. Das Gerangel endete schließlich mit der Verlautbarung der alliierten Kommandanten, dass der Magistrat gegenüber der Reichspost die Stellung eines Kurators habe und dies so bleiben werde, bis die Reichspost neu organisiert sei. Bis dahin müsse der Leiter der Reichspost ein gewähltes Mitglied des Magistrats sein.
Die Briten und Amerikaner hatten ihre Bizone, die Russen wandelten die bisherige Postverwaltung zur Hauptverwaltung Post- und Fernmeldewesen der Deutschen Wirtschaftskommission für die sowjetische Besatzungszone, ansässig in Ost-Berlin, um. Ihr unterstellt waren die Oberpostdirektionen Dresden, Erfurt, Halle, Potsdam und Schwerin. Man zeigte keine Hemmungen mehr, wenigstens den Sowjetischen Sektor von Groß-Berlin als unter seiner Regie stehend zu betrachten.
Im Jahr 1948 zeigte sich, dass die Sowjetunion kein großes Interesse an einer Viermächteverwaltung Berlins hatte. Immer wieder wurde der Zugang zum Westen unterbrochen. Technische Schwierigkeiten, der schlechte Zustand der Brücken und Schleusen, waren ebenso unglaubwürdige Begründungen wie die Abwehr von Flüchtlingen aus Westdeutschland in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ). Konkret wurde man am 20. März 1948, als die sowjetische Delegation den Kontrollrat verließ und damit die Viermächteregierung Deutschlands beendete. Am 16. Juni 1948 zog die sowjetische Delegation demonstrativ aus der Sitzung der Alliierten Kommandantur Berlin aus. Zu dieser Zeit wurde der Paket- und Päckchenversand zwischen Berlin und den vier Besatzungszonen unterbrochen, der im Mai 1947 zugelassen worden war. Wieder waren die Begründungen äußerst fadenscheinig. Einen Paketverkehr zwischen der Ostzone und den Westzonen gab es noch nicht. Die Ostzone bot den Berlinern die Dienste der Ostpost an, um einem Missstand abzuhelfen, da ja die Magistratspost offensichtlich unfähig sei. West-Berliner sollten ihre Pakete in den Westen offen in den Ostsektoren aufgeben, auf eine Inhaltskontrolle wollte man nicht verzichten. Einen nennenswerten Erfolg hatte das Angebot nicht. Und so sammelten sich bis zur Eröffnung der Luftbrücke 500.000 Pakete an.
Die Währungsreform in Westdeutschland am 20. Juni 1948 bot den Anlass zur völligen Schließung der Verkehrswege zwischen Ost und West. Die Sowjets verfügten ihre Geldreform zum 23. Juni 1948 in der Ostzone und Groß-Berlin. Die westlichen Alliierten erklärten die Verfügung für „null und nichtig“ und wiesen die Dienststellen der Stadt an, den sowjetischen Befehl in den westlichen Sektoren nicht durchzuführen. Somit konnten am 24. Juni 1948 in West-Berlin Briefe noch mit Reichsmark-Währung frankiert werden.
Am 24. Juni wurde die DM der Bank Deutscher Länder als gesetzliches Zahlungsmittel in den Westsektoren Berlins eingeführt. Kein Arbeitnehmer hatte jedoch das Recht, mehr als 25 % seiner Einkünfte in DM-West zu erhalten. Die DM-West sollte lediglich den ungehinderten Handel zwischen Berlin und Westdeutschland ermöglichen. Die Entscheidung war nicht leichtgefallen, die Schwierigkeiten einer Misch- oder Doppelwährung waren bekannt.