mini|Zweistufiger Klapptritt (links) und niedriger Arbeitstritt (rechts) aus Aluminium
Ein Tritt (auch Tritthocker oder Trittschemel) ist eine niedrige, frei stehende Steighilfe mit einer oder mehreren Stufen. Er dient dazu, geringe Höhenunterschiede zu überwinden – etwa um an hohe Schränke, Regale oder Lampen zu gelangen. Tritte gehören zur Grundausstattung vieler Haushalte, Büros, Bibliotheken und Verkaufsräume. Anders als eine Leiter ist ein Tritt höchstens einen Meter hoch, steht ohne Anlehnen sicher und besitzt als oberste Fläche eine Plattform oder Sitzfläche, die betreten werden darf.DIN EN 14183:2004-03: Tritte; Deutsche Fassung EN 14183:2003. Beuth Verlag, Berlin 2004.
Verwendung
mini|Hölzerner Tritt an einem Bibliotheksregal
Tritte kommen überall dort zum Einsatz, wo Menschen kurzzeitig etwas höher hinaus müssen, ein Umbau aber nicht lohnt: in der Küche beim Griff in den Oberschrank, im Bad, beim Wechseln von Leuchtmitteln, beim Dekorieren, in Bibliotheken und Archiven am Regal oder im Einzelhandel beim Bestücken von Warenträgern.Tritte: Bauarten, Einsatz und Prüfung. In: Arbeitsschutz Office Professional. Haufe, abgerufen am 11. Juni 2026. Maler und Fotografen nutzen Tritte mit breiter Plattform als kleinen mobilen Standplatz. Manche Modelle dienen zugleich als Hocker zum Sitzen oder als Fußbank.
Im Kinderzimmer und Bad ermöglichen niedrige Tritte Kindern, Waschbecken oder Lichtschalter selbstständig zu erreichen. In Arztpraxen erleichtern einstufige Tritte das Besteigen von Untersuchungsliegen.
Tritte sind nur für festen, ebenen Untergrund gedacht. Im Vergleich zu Leitern gelten sie wegen der geringen Höhe, der breiten Stufen und der freien Standsicherheit als sicherere Alternative für Arbeiten in Greifhöhe.DGUV Information 208-016: Die Verwendung von Leitern und Tritten. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Berlin, Ausgabe August 2022.
Bauarten
mini|Treppentritt aus Holz in einer Bibliothek
mini|Tonnenförmiger Tritt mit Rollen („Elefantenfuß“)
Gebräuchlich sind vier Grundformen:
Leitertritt: Er ähnelt einer kleinen Stehleiter mit zwei bis vier Stufen und einer Plattform. Die Schenkel stehen fest oder lassen sich zusammenklappen; Klappmodelle sind in engen Räumen und für die platzsparende Aufbewahrung verbreitet.
Treppentritt: Er besitzt besonders tiefe Stufen und einen flachen Steigungswinkel, vergleichbar einer kleinen freistehenden Treppe. Auf- und Abstieg sind dadurch bequem, etwa an Maschinenarbeitsplätzen oder in der Pflege.
Tritthocker: Ein Hocker, dessen Stufen sich ausklappen oder ausziehen lassen. Zusammengeklappt dient er als Sitzgelegenheit, ausgeklappt als Steighilfe. Diese zwei Funktionen machen ihn vor allem in Küchen beliebt.
Tonnenförmiger Tritt: Ein von allen Seiten besteigbarer, etwa kniehoher Block mit Plattform. Die verbreitete Ausführung mit gefederten Rollen ist als Rolltritt oder umgangssprachlich „Elefantenfuß“ bekannt: Unbelastet lässt er sich mit dem Fuß verschieben, beim Betreten sinken die Rollen ein und der Tritt steht fest auf seinem gummierten Rand. Typische Einsatzorte solcher Rolltritte sind Bibliotheken, Archive und Lager.
Als Materialien dienen heute überwiegend Aluminium, Stahl und Kunststoff, daneben traditionell Holz. Viele Tritte besitzen rutschhemmende Stufenbeläge und Gummifüße.
Wortgeschichte und verwandte Begriffe
mini|hochkant|Stuhl, der sich zu einem Tritt umklappen lässt (Stuhl-Tritt)
Das Wort Tritt gehört zu treten. Neben der Grundbedeutung „Aufsetzen des Fußes“ bezeichnete es seit dem 17. Jahrhundert auch Schemel und Fußbank, seit dem 18. Jahrhundert eine kleine Stehleiter oder erhöhte Stufe. Die Zusammensetzung Trittleiter ist erst um 1900 belegt.Trittleiter. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), abgerufen am 11. Juni 2026. Einfache Schemel und Hocker dienten schon lange vor genormten Tritten als Steighilfe; der Tritt entwickelte sich aus diesen Möbeln, als zusätzliche Stufen das Erreichen größerer Höhen ermöglichten. Eine verwandte Möbelform ist der Stuhl-Tritt, ein Stuhl, dessen Sitzfläche sich zu einer kleinen Stufenfolge umklappen lässt.
In der Alltagssprache werden die Begriffe Tritt, Tritthocker, Trittschemel und Trittleiter weitgehend austauschbar verwendet. In der Fachsprache bezeichnet Trittleiter dagegen kein eigenes Produkt: Die Leiternormen kennen nur Bauarten wie Steh- oder Anlegeleitern, die Trittnorm nur die oben genannten Trittformen.DIN EN 131-1:2025-10: Leitern – Teil 1: Benennungen, Bauarten, Funktionsmaße; Deutsche Fassung EN 131-1:2015+A2:2025. DIN Media, Berlin 2025. Je nach Höhe und Bauweise kann eine umgangssprachliche „Trittleiter“ daher ein Tritt oder eine kleine Stufenstehleiter sein.
Normung und Sicherheit
In Europa regelt die Norm EN 14183 Tritte (in Deutschland DIN EN 14183) Bauarten, Maße und Prüfverfahren für Tritte. Sie wurde 2003 verabschiedet und löste die deutsche Norm DIN 4569 ab. Leitern regelt dagegen die Normenreihe EN 131; beide Normen grenzen ihre Anwendungsbereiche gegeneinander ab.
Zu den wichtigsten Anforderungen der Trittnorm zählen: eine Höhe von maximal einem Meter (Rolltritte: 50 cm), eine Tragfähigkeit von 150 kg, rutschhemmende Stufen und Füße sowie eine Sicherung klappbarer Modelle gegen unbeabsichtigtes Zusammenklappen. Kleine, hohe Standflächen erfordern eine Haltevorrichtung. Geprüfte Tritte tragen die Kennzeichnung „EN 14183“ mit Angaben zu Hersteller, Baujahr und zulässiger Last; in Deutschland können sie zusätzlich das GS-Zeichen erhalten.
In Betrieben gelten Tritte als Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung und werden regelmäßig auf ihren Zustand geprüft. Hinweise dazu geben die Technische Regel TRBS 2121 Teil 2 und die DGUV Information 208-016.
Weblinks
DGUV Information 208-016: Die Verwendung von Leitern und Tritten (PDF; 4,0 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Leiter (Gerät)