Das Asexual Visibility and Education Network (kurz AVEN) ist eine Online-Community und Interessenvertretung für asexuelle Personen. Die Online-Plattform wurde 2001 von David Jay ins Leben gerufen, seit 2022 ist AVEN auch als 501(c) organization mit Sitz in Oakland, Kalifornien, klassifiziert. AVEN gilt als eine der bekanntesten Anlaufstellen für Informationen über Asexualität und hat zur Verbreitung und Prägung entsprechender Begriffe und Definitionen beigetragen.

Geschichte AVEN wurde im Frühling 2001 von David Jay als Informationsseite zu Asexualität gegründet. Selbst gestecktes Ziel von AVEN ist es, die öffentliche Akzeptanz von Asexualität zu steigern und eine Gemeinschaft für asexuelle Personen zu schaffen. Zunächst definierte AVEN eine asexuelle Person als „Person, die zu keinem der beiden Geschlechter sexuell angezogen ist“ (“A person who is sexually attracted to neither gender”). Nachdem queere Campus-Gruppen darauf hinwiesen, dass diese Definition nicht inklusiv gegenüber trans Personen sei, passte Jay die Definition an zu einer „Person, die keine sexuelle Anziehung empfindet“ (“A person who does not experience sexual attraction”), die AVEN bis heute verwendet. Im Mai 2002 erwarb Jay die Domain asexuality.org und zog AVEN auf diese um. Dabei ergänzte er AVEN um ein Internetforum.

Stand 2021 hatte AVEN bereits über 135.000 registrierte Mitglieder. Seit Juni 2022 ist AVEN als 501(c) organization mit Sitz in Oakland, Kalifornien, klassifiziert.

Einfluss Definition von Asexualität In einer Studie von Kristin S. Schremmer aus dem Jahr 2008 wird AVEN als zentrale Anlaufstelle (“main hub”) der asexuellen Gemeinschaft beschrieben, auf die auch die meisten Medienberichte über Asexualität als Informationsquelle verweisen würden. Die Untersuchung kommt zudem zu dem Ergebnis, dass AVEN Einfluss auf die Selbstdefinition asexueller Personen habe. So orientierte sich eine relative Mehrheit der befragten asexuellen Personen an der von AVEN verwendeten Definition von Asexualität als fehlende oder nur geringe sexuelle Anziehung.

Laut einem Artikel von Andrew Hinderliter aus dem Jahr 2013 gab es in den frühen asexuellen Gemeinschaften Anfang der 2000er-Jahre mehrere konkurrierende Sichtweisen auf Asexualität. Die Sichtweise, dass Asexualität zusätzlich zu einem fehlen der Libido auch eine Abneigung gegenüber und fehlendes Interesse an sexuellen Tätigkeiten wie Sex oder auch Masturbation voraussetzt, wurde unter anderem von der Official Asexual Society (der späteren Official Nonlibidoist Society) vertreten. AVEN hingegen vertrat eine offenere Definition von Asexualität als das Fehlen oder geringes oder seltenes Auftreten von sexueller Anziehung gegenüber anderen Personen. Nachdem die Official Asexual Society im Jahr 2006 eingestellt wurde, sei AVENs Definition die dominante geworden.

Asexuelle Pride-Flagge

Im Jahr 2009 begannen im AVEN-Forum Diskussionen darüber, eine asexuelle Pride-Flagge zu erschaffen. Im Sommer von 2010 erstellten AVEN-Mitglieder Vorschläge für die Pride-Flagge, über die in mehreren Runden abgestimmt wurde. Dabei wurden auch Meinungen aus weiteren asexuellen Online-Communities, insbesondere auch aus Nicht-Englischsprachigen, angefragt. Im August 2010 wurde die Flagge vom AVEN-Mitglied standup in den Farben Schwarz, Grau, Weiß und Lila, inspiriert vom AVEN-Dreieck, zum Gewinner gekürt. Die asexuelle Pride-Flagge gilt heute als das bekannteste Symbol für Asexualität.

Überarbeitung des DSM AVEN setzt sich gegen die Medikalisierung von Asexualität ein. Unter dem DSM-IV, dem Klassifikationssystem psychischer Störungen der American Psychiatric Association (APA), konnten asexuelle Personen mit sexueller Appetenzstörung (HSDD) diagnostiziert werden. Eine Diagnose war dabei prinzipiell auch möglich, wenn die betroffene Person nicht unmittelbar unter ihrem fehlenden Verlangen nach sexueller Aktivität litt, sondern lediglich eine Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Person und ihrem Beziehungspartner die Probleme verursachte. Als die APA die Arbeit am DSM-5 ankündigte, brachte sich AVEN ein. Ziel war es, darauf hinzuweisen, dass Asexualität von Betroffenen nicht als behandlungsbedürftige Störung, sondern als stabile sexuelle Orientierung verstanden wird. Dazu führte AVEN von 2008 bis 2009 mehrere Interviews mit Psychologen, erstellte eine Übersichtsarbeit über den aktuellen Stand der Forschung und überreichte sie an die zuständige Kommission der APA. Lori Brotto, die als Sexualpsychologin Teil der Kommission war, bewertete den Bericht als zutreffend und mit ihren eigenen Forschungsergebnissen vereinbar. In dem 2013 erschienenen DSM-5 wird ausdrücklich festgehalten, dass sich als asexuell identifizierende Personen nicht mit HSDD diagnostiziert werden sollen.

Weblinks AVEN-Homepage (englisch)

Einzelnachweise

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